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Paul Robeson zu Gast Unter den Linden

Dem amerikanischen Sänger und Bürgerrechtler wurde vor 50 Jahren die Ehrendoktorwürde verliehen

Paul LeRoy Bustill Robeson wird am 9. April 1898 in Princeton, New Jersey, geboren. Einige seiner Vorfahren waren noch Sklaven. Während seiner Ausbildung ist er einer der ersten Studenten schwarzer Hautfarbe überhaupt an seinem College. Später studiert er an der Columbia University, wird Anwalt und Footballspieler. Aber seine eigentliche Berufung findet er in der Kunst, genauer gesagt in der Musik.

Ein Leben in Dissonanzen: Der Künstler, Anwalt und Bürgerrechtler Paul Robeson (1889-1976)

Ein Leben in Dissonanzen: Der Künstler, Anwalt und Bürgerrechtler Paul Robeson (1889-1976)
Foto: Universitätsarchiv

Bekannt wird Paul Robeson als Sänger in vielen Musical-Aufführungen und in Filmen. Am bekanntesten bis heute dürfte seine Version des Hits „Ol‘ Man River“ aus dem Jahr 1936 sein. Diese Berufung wird immer begleitet durch seine, aus eigener Erfahrung erwachsene, Unterstützung anderer Menschen. Er engagiert sich für die Internationalen Brigaden in Spanien, reist in die Sowjetunion, und nach dem Zweiten Weltkrieg setzt er sich für die Weltfriedenskongresse ein. Seine Hoffnungen politischer Art gelten dem Sozialismus, aber dabei wird oft übersehen, dass er den Sozialismus kritisch sieht. In der Zeit des Kalten Krieges in den USA ist er als Linker vielen Anfeindungen ausgesetzt. Fast die gesamten 1950er Jahre konnte er überhaupt nicht ins Ausland reisen, da er keinen Pass hatte. Erst 1958 ist ihm das wieder möglich. In diesem Jahr besucht er erneut die Sowjetunion, und zwei Jahre später ist er das erste Mal in der DDR zu Gast – als Künstler und als Freund. Dies sollte nicht sein einziger Besuch bleiben.

Es folgt eine ganz besondere Begegnung – die Verleihung der Ehredoktorwürde der Humboldt-Universität. Am 5. Oktober 1960 findet die Ehrung der Philosophischen Fakultät auf Antrag des Instituts für Musikwissenschaft im Senatssaal statt. Paul Robeson wird gewürdigt als ein „Fortführer der Tradition Thomas Jeffersons, des Kämpfers gegen die Sklaverei John Brown, des Negerrevolutionärs Frederick Douglas, Abraham Lincolns und Franklin Roosevelts“. Nach dem eigentlichen Festakt wird er von Tausenden Angehörigen der Universität und auch Berlinern im Ehrenhof gefeiert.

Dieses Ereignis liegt nun schon wieder ein halbes Jahrhundert zurück. Die Verbindung in die DDR und speziell zu Berlin, über die Universität hinaus, setzt sich in den folgenden Jahren immer wieder in Besuchen in dieser und anderen Städten fort. Er absolviert eine Reihe von Auftritten vor allem musikalischer Art. Am 23. Januar 1976 stirbt Paul Robeson in Philadelphia, Pennsylvania.

Seine Beziehung zu Berlin zeigt sich auch heute noch. Seit 1963 gibt es einen Paul-Robeson-Chor, der 1964 auch das Einverständnis des Namensgebers selbst erhielt. Wichtiger noch ist das Paul-Robeson-Archiv der Akademie der Künste, das gut acht laufende Meter Material von und über ihn enthält. Dabei handelt es sich um Manuskripte, Korrespondenzen, Literatur sowie Ton- und Filmaufnahmen. Es wird 1965 gegründet und ist in verschiedener Hinsicht einzigartig. Bis in die 1970er Jahre ist es das einzige Archiv über Paul Robeson überhaupt. Erst dann wird durch die Familie Paul Robesons selbst eines in den USA gegründet. Und bis heute ist es das einzige Archiv für einen Nicht-Deutschen in den Beständen der Akademie der Künste. Bereits seit 1956 ist er Korrespondierendes Mitglied der Akademie der Künste in der Sektion Darstellende Kunst.

Paul Robeson war eine interessante und widersprüchliche Person. Das Wort vom umworbenen Klassenfeind trifft das Verhältnis zu ihm in der DDR. Artikel zu seinem 100. Geburtstag im Jahr 1998 stellen ihn als geschmähten und geliebten Menschen dar. Vielen scheint er schon vergessen zu sein. Das Vergessen ein Stück weit zu verhindern, ist Ziel dieses kleinen Textes.

Tom Werner