UniLab Schülerlabor
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Tagesspiegel-Sonderseiten : Humboldt-Uni
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10. April 2004
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Forschen, bis der Draht glüht
Im UniLab lernen Schüler, dass Physik Spaß macht
Von Katrin Fandrich
"Das soll das Schülerlabor sein?", wundere ich
mich. Folgt der Besucher den Stufen im Windkanalgebäude hinauf in die
ehemalige Messstation, empfängt ihn ein heller und freundlicher
Seminarraum. Nichts erinnert an das betagte Fachkabinett der Physik aus
Schülertagen mit großen klotzigen Experimentiertischen, alten
Waschbecken und unansehnlichen Gashähnen. Stattdessen lädt eine
lichtdurchflutete Etage mit flexiblen Arbeitsplätzen Schülerinnen und
Schüler zu ungewöhnlichen physikalischen Experimenten ein. Unter der
Anleitung von Lehrern, Lehramtsstudenten und wissenschaftlichen
Mitarbeitern erforschen hier bereits Grundschüler physikalische
Zusammenhänge.
Das UniLab Schülerlabor ist eine Initiative der Arbeitsgruppe Didaktik der Physik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Es stellt die erste von drei Komponenten dar, die zu UniLab gehören werden. Hinzu kommen voraussichtlich 2006 eine Galerie und ein Institut. Die Ziele von UniLab fasst Andreas Palmer, Leiter des Labors, wie folgt zusammen: "Wir wollen eine Brücke schlagen zwischen Schule und Forschung. Wir wollen die Ausbildung der Lehramtsstudenten um wesentliche Elemente bereichern. Und wir wollen Impulse geben für die Vermittlung komplexen Wissens. Bereits mit dem Schülerlabor kommen wir diesen drei Zielen ein Stück näher."
Das Angebot des Schülerlabors für Schüler der Grund-, Mittel- und
Oberstufe ist vielschichtig. Es umfasst Lern-, Experimentier- und
Forschungsangebote, an deren Konzeption nicht nur die Arbeitsgruppe
Didaktik der Physik, sondern auch eine Lehrerarbeitsgruppe und eine
studentische Arbeitsgruppe mitgewirkt haben. Aufgebaut und realisiert
werden die Projekte mit Hilfe von Lehramtsstudenten.
Zu den bereits entwickelten und mit Schulklassen erfolgreich erprobten
Lernmodulen gehören zwei Akustik-Module. Sie beantworten die Fragen,
wie Klänge entstehen bzw. wie sich der Schall ausbreitet. Konzipiert
sind sie für Schüler der 4. bis 7. Klassen. Das Lernmodul Elektrizität
behandelt die physikalischen Themen des elektrischen Stroms und der
Wärme und wendet sich an Fünft- bis Siebtklässler. Der Frage, warum
Seifenblasen farbig schillern, wirft der Bereich Optik auf, gedacht für
die Klassenstufen 11 bis 13.
Die Neugierde der Kinder für Naturphänomene bewahren
Im Vordergrund der Experimente steht die Untersuchung ganz alltäglicher, naturwissenschaftlicher Phänomene. "Dabei gilt es, die vorhandene Neugierde für Naturphänomene der Kinder im Grundschulalter zu bewahren. Anschaulich wollen wir an den Sachunterricht der Grundschule anknüpfen und das Interesse für die Naturwissenschaften fördern. Der erst in der achten Klasse beginnende Physikunterricht behandelt viele Themen oft schon zu abstrakt", sagt der Physiker Palmer.
Was genau Anschaulichkeit für die Andreas Palmer und sein Team bedeutet, spiegelt das Lernmodul Elektrizität wider. In einer Demonstration wird den Lernenden zunächst der Zusammenhang zwischen elektrischem Strom und Wärme verdeutlicht. Dazu durchfließt der elektrische Strom einer LKW-Batterie zunächst einen Stahlstab. Der Stahl erwärmt sich, beginnt zu glühen und geht in ein Leuchten über. Am Ende der Demonstration zerplatzt der Stab. "Kann man Drähte mit Hilfe einer Flachbatterie ebenfalls zum Glühen bringen?", lautet die Frage. Die Schüler experimentieren in Kleingruppen. Ausprobiert werden Drähte aus verschiedenen Materialien oder mit unterschiedlichen Durchmessern. Welcher Draht eignet sich am ehesten zum Bau einer Styroporsäge? Mit den gewonnenen Erkenntnissen baut jeder eine Säge, die getestet wird und später mit nach Hause genommen werden darf. "Das Konzept des Schülerlabors stützt sich nicht nur auf unsere Erfahrungen mit phänomenorientierten Lernformen, es verbindet auch wichtige Schlüsselkompetenzen: Mut zum Experiment, Mut zum Irrtum und zum Risiko. Eigeninitiative und Teamgeist werden ebenso gefördert wie wissenschaftliches Arbeiten. Viele Schüler erleben die Physik im Schülerlabor, fernab der Institution Schule, als etwas Spannendes und Faszinierendes. Immer wieder erleben wir, wie engagiert die Schüler und ihre Lehrer bei uns arbeiten", resümiert Palmer.
Die Nachfrage nach den Angeboten des UniLab Schülerlabors ist groß. Mit drei Schülergruppen pro Woche ist es bis Juni nahezu ausgebucht. Anmeldungen nimmt das Labor über die Homepage oder per E-Mail entgegen.
Informationen zum UniLab Schülerlabor: www.unilab-adlershof.de
Das UniLab Schülerlabor der Humboldt-Universität auf dem Campus Adlershof
Besucheradresse
Windkanalgebäude, Brook-Taylor-Str. 1, 12489 Berlin-Adlershof
Tel.: 030/2093 - 7945/ -7996, Fax: 030/2093 - 7981
Anmeldungen
www.unilab-adlershof.de oder info@unilab-adlershof.de
Foto: Heike Zappe
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