Nachdenken über die Seele der Universität
Das Modell Humboldt ist am Ende. Universitäten wird es in Zukunft nicht mehr geben. In diesem Tenor wird seit einigen Jahren über Gegenwart und Zukunft der Universität, nicht nur in Deutschland, diskutiert. So drastisch wird das Resümee der Tagung „Das Modell Humboldt. Die Zukunft der Universität in der Welt der Forschung“ nicht ausfallen.
Bildungsforscher, Wissenschaftsmanager und Politiker aus dem In- und Ausland kommen vom 7. bis 9. Oktober auf Einladung der Humboldt-Universität nach Berlin. Im Senatssaal der HU wollen sie diskutieren, warum die Universitäten in der Krise stecken – und wie sie abgewendet werden kann. Wie viel Aktualität steckt in den Ideen Wilhelm von Humboldts? Können seine Gestaltungsprinzipien auch die Universität der Zukunft formen?
„Ein nachhaltiges Nachdenken über den Sinn und Zweck der Universität im 21. Jahrhundert und über die Seele der Universität ist dringend nötig“, sagt Bernd Henningsen, Professor für Kultur und Politik Nordeuropas an der Humboldt-Universität und einer der Initiatoren der Tagung. Bei der Berliner Konferenz wolle man eine gemeinsame Antwort darauf finden, welche Herausforderungen auf die Hochschulen zukommen und welche sie davon annehmen können, sollen und wollen.
Die Teilnehmer der nicht öffentlichen Konferenz wollen sich den Thesen Wilhelm von Humboldts stellen – und nach ihrer Aktualität fragen: Was bedeutet die Einsamkeit und Freiheit des Wissenschaftlers in der globalisierten Kommunikationsgesellschaft? Wie verträgt sich die Einheit von Lehre und Forschung mit dem wünschenswerten und massenhaften Zugang zu höherer Bildung, den die moderne Gesellschaft benötigt? Ist die Einheit der Wissenschaft morgen noch zu rechtfertigen?
„Wir sind es Wilhelm von Humboldt schuldig, im 200. Jahr des Bestehens der von ihm gegründeten Berliner Universität eine Perspektive auf die Universität des 21. Jahrhunderts zu eröffnen“, sagt Bernd Henningsen. Neben prominenten Professoren und Professorinnen von Universitäten aus Europa, den USA, Asien und Afrika diskutieren auch Vertreter von Wissenschaftsorganisationen wie der Helmholtz-Gemeinschaft und der Alexander von Humboldt-Stiftung mit. Mit Beiträgen beteiligen werden sich etwa der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Peter Strohschneider, und die Präsidentin des Europäischen Forschungsrates, Helga Nowotny. Die Ergebnisse der Debatten sollten in die scientific community getragen werden, sagt Henningsen. Die Konferenz wird unterstützt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.
Barbara Schauenburg