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Humboldt-Universität zu Berlin

Humboldt-Universität zu Berlin | Informationen für Beschäftigte an der HU | Aktuelles | „Lehrende und Studierende sollten nicht zu viel von sich und anderen erwarten“

„Lehrende und Studierende sollten nicht zu viel von sich und anderen erwarten“

by Ljiljana Nikolic posted on 12.05.2020 08:25 last modified 12.05.2020 08:27

Wolfgang Deicke, Co-Leiter der Task Force Digitale Lehre, gibt Tipps zum digitalen Semester

Herr Deicke, Sie haben praktisch über Nacht den Auftrag erhalten, zusammen mit dem Computer- und Medienservice (cms) und dem International Office die Task Force Digitale Lehre auf die Beine zu stellen, um Lehrende und Forschende im digitalen Sommersemester zu unterstützen. Ganz schön stressig, oder?   

Die Task Force hat ja zum Glück eine Vorgeschichte, das bologna.lab arbeitet schon seit 2017 mit Kolleg*innen aus dem cms in der AG Digitale Lehr- und Lerninfrastruktur zusammen, wir kannten uns also schon. Doch auch wenn die Situation nicht ganz neu für uns war, war es am Anfang eine Herausforderung. Zum einen musste sich mein eigenes Team im Homeoffice neu organisieren und ich dafür sorgen, dass wir den Kontakt zueinander nicht verlieren. Wir arbeiten sonst in einem Großraumbüro, die Wege sind kurz und alle bekommen viele wichtige Informationen praktisch beiläufig mit. Zum anderen galt es, mit einem anderen, auch im Homeoffice befindlichen Team den Kontakt herzustellen und gemeinsame Arbeitsformen zu finden. Insgesamt hat das aber schnell und gut geklappt. 

Beratung zum Umgang mit Zoom, Moodle-Kurse zu digitaler Lehre, digitale „Frühstückshäppchen“: Die Task Force bietet in erster Linie technische und didaktische Beratung und Unterstützung für Lehrende und Studierende an und versucht, Fragen zu klären. Was sind die aktuellen Probleme?

Alle Probleme im digitalen Semester sind neu und alt zugleich. Das gilt zum Beispiel für Themen wie Datenschutz und Wahrung des Urheberrechts. Letzteres hat uns schon lange vor der Pandemie beschäftigt, besonders als 2018 das Urheberrechts-Wissensgesellschafts-Gesetz in Kraft trat. Im Datenschutz geht es aktuell um Fragen wie beispielsweise: Darf ich als Studierender eine synchrone Vorlesung aufnehmen, um sie mir zeit- und ortsunabhängig anzuschauen? Um hier Klarheit zu schaffen, haben wir jetzt Informationen bereitgestellt.

Darf ich denn als Studierender aufnehmen?

Die Antwort ist ganz klar nein, Lehrveranstaltungen ohne Einverständnis der Teilnehmer*innen mitzuschneiden verstößt gegen den Datenschutz und ist verboten. Nur der Veranstaltungsverantwortliche darf aufzeichnen und auch nur unter bestimmten Bedingungen: Die Teilnehmenden müssen vor Beginn informiert werden, damit sie Kamera und Mikro ausschalten können, wenn sie nicht aufgezeichnet werden wollen. Unser HU-Zoom ist so eingestellt, dass die Teilnehmenden mitbekommen, wenn jemand mitschneidet. Umgekehrt gibt es aber kein Recht auf einen Mitschnitt.

Ist es wichtig, dass es die Möglichkeit zeitunabhängiger Lehre grundsätzlich gibt? Präsenzveranstaltungen werden auch nicht aufgezeichnet.

Der Bedarf an zeitunabhängiger Lehre ist zurzeit ganz klar da, für viele Studierende stellt der Wegfall der universitären Lernumgebung, also Bibliotheken, Rechnerpools und uniweites WLAN, die Möglichkeit zur Teilnahme an den digitalen Angeboten gänzlich in Frage. Ich kann mir vorstellen, dass viele Studierende zu Hause gar keinen festen Internet-Zugang haben und das mobile Datenvolumen am Handy ist schnell verbraucht. Einige müssen sich – wie die Lehrenden – zu Hause um Kinder und Familie kümmern und können deshalb nicht kontinuierlich an Präsenzveranstaltungen teilnehmen.

Was kann an dieser Stelle Studierenden helfen?

Hier ist es meiner Meinung nach wichtig, dass Lehrende und Studierende mit Verständnis und Geduld aufeinander zugehen. Die Studierenden sollten sich bei Schwierigkeiten bei Ihren Lehrenden oder den Prodekanaten für Studium und Lehre melden und sie frühzeitig auf Probleme aufmerksam machen. Die Lehrenden sollten den Studierenden entgegenkommen, was die Bereitstellung digitaler Lernmaterialien betrifft. Uns allen muss dabei klar sein: Wir leisten gerade alle mehr als sonst beziehungsweise können aus guten Gründen nicht so viel leisten wie sonst. Die meisten Lehrenden mussten ihre Lehre schon einmal kurzfristig neu konzipieren und setzen sie jetzt mit neuen, unvertrauten digitalen Werkzeugen unter oftmals nicht gerade optimalen Bedingungen um. Da ist es ist für viele am einfachsten, ihre Präsenzlehre schwerpunktmäßig in Zoom abzuhalten. Das benachteiligt aber Studierende, die nicht an festen online-Präsenzterminen teilnehmen können. Es wird auch dem Hauptnutzen von Zoom nicht gerecht. Zoom ist weniger ein Werkzeug, für Wissensvermittlung als eines für Austausch und Diskussion. Das ist ja das, was uns in diesem Semester schmerzlich fehlt. Wissensvermittlung und Wissensaneignung kann auch asynchron erfolgen, beispielsweise  über Vortragsaufzeichnungen, Skripte, Literatur, kürzere Audio- und Videoelemente, Folien, Aufgabenstellungen und ähnliches auf Moodle. Wir haben eine Handreichung für Lehrende zum Umgang mit Videokonferenzen in der Online-Lehre erarbeitet.

Welche Eindrücke sammeln Sie zurzeit, welchen Rat haben Sie an alle Beteiligten?

Wir haben den Eindruck, dass die Meisten bisher sehr rücksichtsvoll und geduldig miteinander umgehen und hoffen, dass alle aktiv mitwirken, um dieses experimentelle Semester umzusetzen. Unser Rat und Wunsch für dieses Semester wäre: Lehrende und Studierende sollten nicht zu viel von sich und anderen erwarten und sich über alle ungewohnten Lehr- und Lernsituationen austauschen und sich gegenseitig unterstützen, wo es geht. Hilfreich ist auch, gemeinsame Regeln und Routinen für das Lernen mit neuen Tools unter stressigen Umständen zu entwickeln.

 

Wolfgang Deicke leitet zusammen mit Uwe Pirr die Task Force Digtale Lehre. Sie ist eine Ad-Hoc Arbeitseinheit aus Mitarbeiter*innen des bologna.labs, des Computer- und Medienservice  und des International Office.

 

Das Interview führte Ljiljana Nikolic

 

Informationen der Task Force Digitale Lehre finden Sie hier