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Humboldt-Universität zu Berlin | Informationen für Beschäftigte an der HU | Aktuelles | „Manchmal fällt es mir schwer zu akzeptieren, dass es nicht für alles eine Lösung gibt“

„Manchmal fällt es mir schwer zu akzeptieren, dass es nicht für alles eine Lösung gibt“

by Ljiljana Nikolic posted on 11.05.2020 17:25 last modified 12.05.2020 08:38

Katrin Meinke, Leiterin des Familienbüros, über Kita-Notbetreuung, strenge Lehrende und die Task Force Digitale Lehre

Frau Meinke, wie arbeitet das Familienbüro in Corona-Zeiten, haben Sie viele Anfragen?

Wir beraten zurzeit per E-Mail, Telefon und Video. In den ersten zwei, drei Wochen nach Einführung des Präsenznotbetriebs war es relativ ruhig. Die Beratungsanfragen sind stark angestiegen, als klar wurde, dass wir ein digitales Semester haben werden. Lehrende, die Kinder zu betreuen haben, oder Angehörige pflegen, können häufig nur schwer nebenbei arbeiten, Lehrveranstaltungen kontinuierlich vor- und nachbereiten. Ähnlich geht es Studierenden in solchen Situationen. Sie können beispielsweise nur schwer oder gar nicht an synchronen Lehrveranstaltungen, also live gestreamten Seminaren, teilnehmen.

Wie sieht es im Moment mit der Kindernotbetreuung aus?   

Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie hat den Kreis der Personen, die einen Anspruch auf Notbetreuung haben, erweitert. Unter Anspruchsberechtigte fallen nun auch Lehrende die interaktive Lehre für Studierende durchführen, sowie Mitarbeitende, die zum Notbetrieb der Hochschulen gehören, und Alleinerziehende.

Gibt es Betreuungsoptionen für Humboldtianer*innen,  deren Kinder nicht die staatliche Notbetreuung an Kitas oder Schulen besuchen können?

Wir haben eine Notfallbetreuung der HU für Härtefälle eingerichtet– das heißt, wir beauftragen einen externen Dienstleister, der die Betreuung von Kindern stundenweise übernimmt. Das Angebot richtet sich an wissenschaftliche Mitarbeiter*innen und studentische Beschäftigte, die digitale Lehre machen. Unsere finanziellen Möglichkeiten sind allerdings begrenzt.

Was können Studierende tun, wenn sie aufgrund von Betreuungs- und Pflegeaufgaben nicht an einer digitalen Lehrveranstaltung teilnehmen können?

Es gab dazu Gespräche zwischen der Vizepräsidentin für Lehre, der Frauenbeauftragten und dem Vorsitzenden der Kommission familiengerechte Hochschule. Das Prozedere ist folgendermaßen: Das Familienbüro ist Anlaufstelle für Beschwerden, wir versuchen eine Lösung zu finden beziehungsweise verweisen an die Task Force Digitale Lehre. Dort werden alle Anfragen einzeln angeschaut, die Task Force versucht sehr engagiert, individuelle Lösungen zu finden.

Mit welchen weiteren Problemen wenden sich Studierende und Lehrende an das Familienbüro?

Manche Lehrende sind sehr strikt und führen Anwesenheitskontrollen durch, indem sie beispielsweise wöchentlich abzuarbeitende Hausaufgaben aufgeben. Das ist nicht unbedingt üblich, wöchentliche Lernkontrollen sind in der Regel nicht Bestandteil der Prüfungsordnungen. Solche Anfragen leiten wir weiter an die Task Force. Auch manche Vorgesetzte sind streng, wenn es um die Erbringung der Arbeitsleistung im Homeoffice geht.

Wie ist Ihr Gesamteindruck von der Situation im digitalen Semester?

Ich denke, dass die meisten Verständnis für ihre Mitarbeitenden haben und sehr bemüht sind, dass das Semester gut läuft und Lösungen gefunden werden. Manchmal fällt es mir schwer zu akzeptieren, dass es nicht für alles eine Lösung gibt. Wenn es keine Plätze in der staatlichen Kita-Betreuung  gibt, können wir nichts machen. Wir können auch nicht das Lehrdeputat von Hochschullehrer*innen und wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen in Care-Situationen erlassen, es ist gesetzlich geregelt. Der Gesetzgeber könnte etwas ändern, aber ist behäbig. 

 

Das Interview führte Ljiljana Nikolic

 

Informationen zur Notbetreuung in Kitas und Schulen finden Sie hier