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Humboldt-Universität zu Berlin

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Selbstverwaltete Universität: Wie arbeitet die KWF?

by Ljiljana Nikolic posted on 23.06.2020 12:09 last modified 23.06.2020 12:09

Die Universität verwaltet sich zum Großteil selbst. Wichtige Entscheidungen zu Forschung, Lehre und Studium werden im Akademischen Senat (AS) getroffen. Wir stellen in loser Reihenfolge Kommissionen vor, die vom AS eingesetzt werden und ihm zuarbeiten.

Die Kommission zur Überprüfung von Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens (KWF) hat sich kürzlich neu konstituiert. Wir haben die Literaturwissenschaftlerin Prof. Dr. Claudia Stockinger zu ihrer neuen Aufgabe als Vorsitzende der KWF befragt.

 

Frau Stockinger, warum ist es Ihnen wichtig, bei der Kommission zur Überprüfung von Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens mitzuwirken?

Sich als Wissenschaftler*in bei Ausübung der Tätigkeit richtig zu verhalten gehört zu den Selbstverpflichtungen, die man eingeht, wenn man diesen beruflichen Weg einschlägt. Als in den Jahren 2011/2012 prominente Plagiatsfälle öffentlich verhandelt wurden, geriet die universitäre Wissenschaft insgesamt schnell unter Generalverdacht; im Kreis meiner Doktorand*innen wurde dies seinerzeit heftig debattiert. Manche reagierten regelrecht verstört und wütend, weil sie den Eindruck hatten, das Ansehen ihrer sorgfältigen, harten, leidenschaftlichen und teils nicht einmal gut bezahlten Forschungsarbeit werde schwer beschädigt. Kommissionen wie die KWF sorgen dafür, dass dem nicht so ist. Es ist gut, dass es sie gibt.

Welche Aufgaben hat die KWF?

Die KWF wird aktiv, sobald Vorwürfe wissenschaftlichen Fehlverhaltens der aktiven oder ehemaligen Mitglieder unserer Universität an sie herangetragen werden. Sie untersucht, ob die Vorwürfe gerechtfertigt sind, prüft, ob das Fehlverhalten grob fahrlässig oder vorsätzlich erfolgt ist und beurteilt anhand dessen, wie schwer das Fehlverhalten insgesamt wiegt. Dementsprechend gibt sie dem Präsidium Empfehlungen zum Umgang mit dem Fehlverhalten.

Wie arbeitet die Kommission?

Angesichts des sensiblen Themas grundsätzlich vertraulich! Zur Bewertung eines Falls muss der Grad des wissenschaftlichen Fehlverhaltens beurteilt werden. Da geht es, kurz gesagt, um das Verhältnis von Fehler und Fahrlässigkeit und um Ermessensspielräume. Ich freue mich, dass uns Herr Kollege Seadle, der die Arbeit der KWF viele Jahre lang geprägt hat und sich auch wissenschaftlich mit solchen Fragen beschäftigt, vorerst weiter als Berater zur Seite stehen wird. Zum konkreten Verfahren: Unsere Geschäftsstelle nimmt eingehende Vorwürfe entgegen und stellt sie den Kommissionsmitgliedern zur Verfügung. Der oder die Betroffene sowie im Bedarfsfall weitere Personen werden um Stellungnahmen gebeten. Anhand der Ergebnisse entscheidet die Kommission, ob die Untersuchung fortgeführt werden soll, ob sie im Hinblick auf den möglichen Entzug akademischer Grade oder Würden an die zuständige Fakultät weitergeleitet werden muss oder aber wegen Geringfügigkeit eingestellt werden kann. Zum Abschluss des Verfahrens berichtet die KWF dem Präsidium.

Wie oft tagt die KWF?

Die Kommission hat sich am 9. Juni in einem Zoom-Meeting neu konstituiert. Auch wenn die Technik reibungslos funktioniert hat: Ich hoffe sehr, dass es uns gelingen wird, die nächste Sitzung als Präsenztreffen durchzuführen, damit wir uns auch persönlich kennenlernen und ausführlicher austauschen können. Während des Sommersemesters werden wir uns nun erst einmal in die facettenreiche Materie einarbeiten und bei Bedarf – also beim Eingang von Hinweisen auf konkrete Verdachtsfälle – jeweils kurzfristig eine Sitzung einberufen. Bei nur sechs Kommissionsmitgliedern sollte die Terminfindung ja nicht so kompliziert sein.

Wie wird man Mitglied?

Das Präsidium empfiehlt dem Akademischen Senat vier Professor*innen und zwei Mitglieder des akademischen Mittelbaus. Nach Zustimmung des AS ernennt die Präsidentin die Kommissionsmitglieder für die Dauer von drei Jahren.

 

Die Fragen stellte Ljiljana Nikolic