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Humboldt-Universität zu Berlin

Humboldt-Universität zu Berlin | Informationen für Beschäftigte an der HU | Campus | Optik und Photonik: Ideenschmiede Adlershof

Optik und Photonik: Ideenschmiede Adlershof

by Sven Ellerbrock posted on 26.03.2020 14:05 last modified 03.06.2020 14:07

Der Wissenschafts- und Technologiepark Berlin-Adlershof ist eines der bedeutendsten europäischen Zentren, was Forschung und Entwicklung im Bereich der Optik und Photonik betrifft. Die räumliche Nähe zwischen der Humboldt-Universität, außeruniversitären Instituten und Unternehmen bietet Studierenden wie Lehrenden spannende Möglichkeiten der Zusammenarbeit.

Laseroperationen am Auge, Datenübertragung über Glasfaser oder die Entwicklung von Quantencomputern sind nur einige Beispiele für Anwendungen im Bereich der Optik & Photonik. Um Studierenden die Möglichkeit zu bieten, sich in diesem vielfältigen und gefragten Fachgebiet zu spezialisieren, hat die Humboldt-Universität vor drei Jahren den internationalen, englischsprachigen Masterstudiengang „Optical Sciences“ eingeführt.

Der Standort in Berlin-Adlershof, Deutschlands größtem Wissenschafts- und Technologiepark, bietet ideale Voraussetzungen, denn er ist eines der wichtigsten europäischen Zentren für Forschung und Entwicklung im Bereich der Optik & Photonik. Auf mehr als 18.000 Quadratmetern Fläche beherbergt das Zentrum für Photonik und Optik (ZPO) Firmen wie Analytik Jena, FISBA Optik oder Limmer Laser. „Die Nachbarschaft zwischen universitärer Forschung, außeruniversitären Instituten und Unternehmen ist ein riesiges Plus“, sagt Kurt Busch, Professor für Theoretische Optik & Photonik  am Institut für Physik und Gruppenleiter am Max-Born-Institut für Nichtlineare Optik und Kurzzeitspektroskopie, das ebenfalls in Adlershof angesiedelt ist.

„Die Nähe hat einen logistischen, aber auch einen psychologischen Aspekt“, sagt Arno Rauschenbeutel, Professor für Grundlagen der Optik und Photonik. Denn trotz moderner Kommunikationstechnologien: Es mache immer noch einen Unterschied, wenn man einfach kurz vorbeikommen kann, um ein gemeinsames Projekt zu besprechen. Rauschenbeutel, der 2018 aus Wien an die Humboldt-Universität kam, plant wie Kurt Busch und andere Physik-Professoren eine Kooperation mit einer außeruniversitären Forschungseinrichtung, dem Ferdinand-Braun-Institut, Leibniz-Institut für Höchstfrequenztechnik. „Das war für mich auch ein Grund, das Angebot in Adlershof anzunehmen“, berichtet Rauschenbeutel.

Gute Möglichkeiten für Studierende und Start ups

Auch für Studierende ergeben sich durch die Nähe zu den außeruniversitären Instituten Vorteile – schon allein, was die Studieninhalte und das Vorlesungsangebot betrifft. „Die fachliche Breite wird dadurch höher als das, was wir alleine als Universität anbieten könnten“, sagt Kurt Busch, der vor achteinhalb Jahren aus Karlsruhe gekommen ist für die Konzeption des neuen Studiengangs verantwortlich war. In Adlershof nutzen Studierende die Nachbarschaft zu Forschungseinrichtungen und Unternehmen, um Praktika zu absolvieren oder ihre Masterarbeit zu schreiben. Die Firmen finden auf diese Weise Nachwuchs, die Studierenden zukünftige Jobs. „Man könnte in Adlershof sein ganzes Leben verbringen – auch wenn man nicht in der Forschung bleibt“, sagt Arno Rauschenbeutel.

Aber auch an anderen Stellen eröffnen sich interessante Optionen. „Die Start-up-Szene ist in Berlin sehr aktiv. Da gibt es viele Möglichkeiten, sich selbstständig zu machen“, erklärt der Experte im Bereich der experimentellen Quantenoptik. Sowohl in der Grundlagenforschung, in anwendungsbezogenen oder Technologie-orientierten Bereichen böten sich Berufsperspektiven. „Optik & Photonik ist ein sehr dynamisches Gebiet, in dem man sich erst spät festlegen muss.“ Bei der Photonik geht es um die Übertragung von Datenmengen über optische Verfahren. „Sie ist das Rückgrat der modernen Kommunikationsgesellschaft“, erklärt Rauschenbeutel. Auch in der Autoindustrie, der Medizin oder der Luft- und Raumfahrt spielt Photonik eine Rolle. Ehemalige Doktoranden des Professors arbeiten heute unter anderem in der Forschung und Entwicklung bei Zulieferbetrieben der Automobilindustrie. Vom Laserscheinwerfer bis hin zur Einblendung von Tempolimits auf der Windschutzscheibe: „Ein Auto ist heute geradezu vollgestopft mit Photonik“, sagt Rauschenbeutel.

Ehemalige Doktoranden von Kurt Busch arbeiten unter anderem als Patentanwälte, als „Chief Technical Officers“ (CTOs) bei etablierten Start-Ups und in leitenden Positionen in Software-Firmen. Obwohl in der Forschung und in der Industrie Expertinnen und Experten im Bereich der Optik & Photonik begehrt sind, gebe es erst wenige spezialisierte Studiengänge, sagt Busch. In Adlershof würden etwa 20 von 100 Bewerberinnen und Bewerbern pro Jahr in den Optik-Master-Studiengang aufgenommen, berichtet er.

Perspektiven für Doktoranden

Seit November 2019 gibt es in Berlin auch eine universitätsübergreifende Graduiertenförderung im Bereich der Optik & Photonik. „Dadurch können wir denjenigen, die den Master-Studiengang ,Optical Sciences’ oder den Master-Studiengang in Physik absolvieren, ganz neue Perspektiven aufzeigen“, sagt Busch. Die Berlin School of Optical Sciences and Quantum Technologies (BOS.QT) ist formal an die Technische Universität Berlin angegliedert und wird für die ersten fünf Jahre von der Joachim-Herz-Stiftung gefördert. Die Graduierten profitieren neben fachlicher Unterstützung auch von Kursen zu praktischen Themen wie Entrepreneurship oder Patentrecht. Wichtig sei auch die Möglichkeit, Netzwerke aufzubauen, betont Kurt Busch. Das gilt nicht nur für die Studierenden, sondern auch für die Universitäten selbst, für die die Zusammenarbeit im Rahmen der Berlin University Alliance etwas Neues ist. Für die Physik-Institute sei es ein bedeutender Schritt, durch Projekte wie die BOS.QT den fachlichen Austausch zu stärken und persönliche Kontakte zu knüpfen – auch, um in Zukunft gemeinsam Projektanträge zu stellen. Statt einander als Konkurrenz zu betrachten, solle die Optik & Photonik berlinweit gestärkt werden. Während die HU ihren Schwerpunkt eher in der Grundlagenforschung sieht, forsche die TU eher Anwendungs-orientiert. „Wir ergänzen uns sehr gut“, betont Busch.

 

Autorin: Inga Dreyer