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Humboldt-Universität zu Berlin

Nachrufe

Heinrich Fink

Heinrich Fink war ein zentraler Akteur der Umbruchszeit 1989-1991 an der Humboldt-Universität, zugleich aber auch eine eminente Symbolfigur der „Wende“ weit über die Universität hinaus. 

1979 auf eine Professur für Praktische Philosophie berufen, übernahm Fink bald Leitungsaufgaben (1980 als Direktor der Sektion Theologie). Er galt zu DDR-Zeiten als „progressiver Hochschullehrer“ und stand vorbehaltlos hinter dem SED-Regime. Als die Protestbewegung ab Anfang Oktober 1989 auch die Humboldt-Universität erreichte – später als andere Universitäten der DDR – engagierte sich Fink zuerst in der ‚Erneuerungskommission’ des Wissenschaftlichen Rats der Universität, dann als Moderator ihres im Januar 1990 eingerichteten Runden Tischs. Am 3. April 1990 wurde er in freier Wahl mit großer Mehrheit zum Rektor der Universität gewählt. Man muss in dieser Wahl eine Richtungsentscheidung sehen, stand Fink doch für das Programm einer Erneuerung der Universität von innen, aus sich selbst heraus, und gegen Einflüsse von außen, wie sie insbesondere zuerst vom CDU-Wissenschaftsminister der Regierung de Mazière, Hans-Joachim Meyer, dann vom Westberliner Wissenschaftssenator Manfred Ehrhardt an die Universität herangetragen wurden. Den Kritikern – auch jenen innerhalb der Universität – gingen Finks Reformen nicht tief genug, um die Strukturen der Kaderuniversität HU grundlegend zu erneuern. Die Überprüfungen des Personals auf Stasi-Tätigkeit und ggf. die Entlassung ehemaliger IMs verliefen schleppend. Finks Anhänger sahen ihn als Verteidiger der Autonomie der Hochschule und als Bewahrer des sozialistischen Erbes, der sich gegen die erzwungene „Abwicklung“ zu Wehr setzte. Als Ende November 1991 der Sonderbeauftragte der Bundesregierung für die MfS-Unterlagen mitteilte, es lägen eindeutige Erkenntnisse für eine IM-Tätigkeit Finks („IM Heiner“) seit 1969 vor, spitzte sich die Konfrontation zu: Trotz einer Solidaritätserklärung des Akademischen Senats kündigte die Personalkommission der Universität am 28.11.1990 Fink fristlos. Trotz emphatischer Parteinahmen für Fink in der Öffentlichkeit, die eine vorschnelle Verurteilung kritisierten, und studentischer Protestaktionen für den Verbleib des Rektors („Unsern Heiner nimmt uns keiner!“) hielt der Wissenschaftssenator an der Kündigung fest. Mochte die arbeitsgerichtliche Klage Finks gegen seine Entlassung zwar in erster Instanz erfolgreich gewesen sein, so wandte sich der Akademische Senat doch in der Folgezeit von ihm ab und bestätigte im April 1992 die kommissarische Leitung der Universität durch den Prorektor.

Fink war eine Symbolfigur der Wendezeit, in der sich die Konflikte um die Reformierung des ostdeutschen Hochschulsystems kristallisierten.  An seinem Handeln wurden die Grenzen einer Erneuerung aus eigener Kraft in der Humboldt-Universität deutlich, zugleich aber auch die als unsensibel und übergriffig empfundenen Gestaltungsansprüche externer, dann vor allem westdeutscher/Westberliner Akteure. Von Finks Vision, die Humboldt-Universität als „sozialistische Volksuniversität“ 1990 neu zu erfinden, ist nach seiner Entlassung nichts geblieben. 

Heinrich Fink starb am 1. Juli 2020 im Alter von 85 Jahren. Seinen Angehörigen gilt unser Mitgefühl.

Prof. Dr. Gabriele Metzler
Vorsitzende der Historischen Kommission beim Präsidium der Humboldt-Universität

 

 

Prof. Dr. Ehrengard Kaiser

Ehrengard Kaiser, geboren 1940, begann 1976 ihre Universitätslaufbahn an der Humboldt-Universität, zunächst als Laborleiterin an der damaligen Sektion Gartenbau im Bereich Obstproduktion Zepernick, wo sie auch ihre Dissertationsschrift 1981 sehr erfolgreich verteidigte. Die Wissensvermittlung an die Studierenden lag ihr von Anbeginn am Herzen. Sie hat das Fachgebiet Konservierung/ Vorratspflege seit 1982 als Dozentin, seit 1989 als außerordentliche Professorin in Lehre und Forschung ohne eigenes Fachgebiet vertreten. Im Zuge der Neustrukturierung an der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät wurde sie 1993 als Professorin für Futtermittelkunde berufen und leitete seitdem das Fachgebiet Futtermittelkunde, ab Sommersemester 2002 das Fachgebiet Tierernährung und Futtermittelkunde.

Sie schaffte ein vertrauensvolles und sehr kollegiales Arbeitsklima, ließ ihre Mitarbeiter*innen tagtäglich ihre Begeisterung für die Forschungsarbeit spüren und war immer für die Belange der ihr anvertrauten Menschen da. Mit Prof. Kaiser ist am 22. Dezember 2019 nicht nur ein aufrichtiger, freundlicher und liebenswerter Mensch von uns gegangen, sondern auch eine langjährige Universitätsprofessorin und Wissenschaftlerin mit fundiertem Fachwissen der so genannten alten Garde.
 

Die ehemaligen Kolleginnen und Kollegen werden ihr Andenken in Ehren halten

 

Petra König

Die Technische Abteilung trauert um Frau Petra König, die am 25. November 2019 im Alter von 61 Jahren von einem Tag auf den anderen aus dem Leben gerissen wurde. Petra König hat 34 Jahre lang für die Humboldt-Universität gearbeitet, seit der Wende 1989 als Technikerin im Referat Baumanagement. Ihre große Fachkompetenz und ihr immer freundliches, hilfsbereites, liebenswürdiges Wesen wurden gleichermaßen geschätzt. Ihr plötzlicher Tod hat alle Kolleginnen und Kollegen in ihrem Umfeld zutiefst erschüttert. Die besondere Anteilnahme gilt ihrem Ehemann Hans König.   

Die Kolleginnen und Kollegen der Technischen Abteilung werden Petra König stets ein ehrendes Andenken bewahren.

 

Prof. Dr. Josef Nietzsch

Am 21. November 2019 verstarb unser langjähriger Kollege, Prof. Josef Nietzsch, im Alter von 81 Jahren. Er begann seine Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Rechenzentrum der Humboldt-Universität zu Berlin 1964. 1968 wechselte er zur Sektion Mathematik, an den Bereich „Mathematische Kybernetik und Rechentechnik“. Nach der Promotion 1970 wurde er zum Dozenten berufen und verteidigte 1977 erfolgreich seine Promotion B zum Thema „Numerische Behandlung nichtlinearer Schwingungsprobleme“. 1983 wurde er zum a.o. Professor für Mathematik berufen.  Eines seiner Hauptanliegen war die Förderung des mathematischen Nachwuchses.

Für seine langjährige und erfolgreiche Tätigkeit, besonders als Leiter der Mathematischen Schülergesellschaft „Leonhard Euler“ von 1974 bis 2003, gebühren ihm Dank und Anerkennung.

Wir trauern mit und sind im Gedanken bei seinen Angehörigen. Wir verabschieden uns in Dankbarkeit und werden sein Andenken in Ehren bewahren.

Die Kolleginnen und Kollegen des Instituts für Mathematik

PD Dr. Werner Kleinert

Das Institut für Mathematik trauert um PD. Dr. rer. nat. Werner Kleinert, der am 25. Juli 2019 im Alter von 73 Jahren verstorben ist.

Werner Kleinert war von seinem Studium bis zu seinem Ruhestand „Humboldtianer“ und hat in all den Jahren zur erfolgreichen Entwicklung der Berliner Mathematik beigetragen. Besonders in Erinnerung bleiben seine exzellente Lehre und sein Engagement als langjähriger ERASMUS-Koordinator des Institutes.

Schwerpunktmäßig arbeitete er auf den Gebieten der Algebra und der Algebraischen Geometrie. Er promovierte 1971 und erhielt 1979 die Lehrbefugnis für das Lehrgebiet Algebra und Algebraische Geometrie. 1980 wurde er zum Ordentlichen Dozenten für Algebraische Geometrie an der Humboldt-Universität zu Berlin berufen.

Die Universität verliert mit ihm einen herausragenden und geschätzten Wissenschaftler. Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Unser Mitgefühl gilt seinen Angehörigen.

 

Prof. Dr. Wolfgang Lockau

Am 14. Juli 2019 verstarb Prof. Dr. Wolfgang Lockau im Alter von 70 Jahren. Er hatte von 1994 bis 2014 die Professur für Biochemie der Pflanzen am Institut für Biologie inne.

Wolfgang Lockau hat bisher unbekannte Stoffwechselwege in Cyanobakterien entdeckt und die beteiligten Enzyme charakterisiert. Daneben hat er sich mit der Zelldifferenzierung und proteolytischen Vorgängen befasst und wesentlich zur Aufklärung der Biosynthese und des Abbaus von Reservespeicherstoffen beigetragen.

Neben der Grundlagenforschung gab er auch Anstoß zu verschiedenen angewandten Projekten in Kooperation mit der Industrie. Zudem hat er Brücken in die theoretische Biologie gebaut und förderte systembiologische Nachwuchsgruppen, die den cyanobakteriellen Stoffwechsel im Rechner nachbildeten und in seinem Labor gute Arbeitsbedingungen fanden.

Neben Forschung und Lehre brachte er sich beispielsweise als Studiendekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät I in die akademische Selbstverwaltung ein. Den Studierenden der Biologie-Studiengänge werden seine lebendigen Vorlesungen zu den Grundlagen der Biochemie in guter Erinnerung bleiben.

Das Institut für Biologie trauert um Prof. Dr. Wolfgang Lockau.