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Humboldt-Universität zu Berlin | Informationen für Beschäftigte an der HU | Forschen & lehren | "Es ist entscheidend, dass all diese Infrastrukturen bestmöglich genutzt werden"

"Es ist entscheidend, dass all diese Infrastrukturen bestmöglich genutzt werden"

by Ljiljana Nikolic posted on 07.02.2021 17:30 last modified 07.02.2021 17:36

Die Berlin University Alliance möchte ihre Infrastruktur von Bibliotheken über Sammlungen bis hin zu IT und Großgeräten verstärkt gemeinsam nutzen – und damit effizienter. Roland Meyer, Professor für Westslawische Sprachen und Mitglied im Steering Committee der BUA „Sharing Resources“, erläutert im Interview, was das konkret bedeutet.

Herr Professor Meyer, welche Ziele wollen Sie mit „Sharing Resources“ erreichen?


Wir haben in Berlin für völlig unterschiedliche Forschungsbereiche eine sehr gute Infrastruktur, von Bibliotheken und Sammlungen bis hin zu IT, Management von Forschungsdaten und Großgeräten. Bei den sogenannten Großgeräten handelt es sich um hochspezialisierte oder komplexe Forschungseinrichtungen. Für die Arbeit hiesiger Wissenschaftler*innen, aber auch für die Rekrutierung herausragender Forscher*innen ist entscheidend, dass all diese Infrastrukturen bestmöglich genutzt werden und so auch Ressourcen für Neues frei werden. Das heißt: Wir brauchen zunächst einen Überblick über unseren gemeinsamen Bestand, über den die vier Einrichtungen der BUA verfügen. Der Zugang zu dieser Infrastruktur soll gut planbar und unbürokratisch sein. Begleitende Services werden künftig zudem interdisziplinäre Forschergruppen rund um die Spitzenforschungsinfrastruktur stärken. Derzeit arbeiten wir mit drei Task-Forces: Die erste kümmert sich um den Zugang zu Forschungsdaten und Open-Access; die zweite befasst sich mit den Großgeräten; die dritte widmet sich der Kommunikation und den Prozessen zwischen den vier BUA-Partnern bei der gemeinsamen Nutzung von Ressourcen, also rechtlichen Aspekten und organisatorischen Absprachen. Sehr wichtig ist, dass sich die Forschenden noch stärker in diese Themen einbringen, wofür wir gerade ein spezielles Beteiligungstool vorbereiten.

 

Welche Herausforderungen bringen die großen Infrastrukturen mit sich?

 

Wir wollen uns besser vernetzen, wenn wir Großgeräte gemeinsam nutzen oder neu einrichten. Dazu zählt zum Beispiel der Aufbau des Berlin Integrative Structural Biology Network (BIS), das der gemeinsamen Nutzung und Weiterentwicklung der Kryo-Elektronenmikroskopie in Berlin dient. Auf dem Gebiet der Massenspektrometrie soll ein computergestütztes Link Lab etabliert werden, das das Berlin-weite Know-how bündelt. Aber auch Forschungsbauten richtig zu planen, an die Bedürfnisse der Wissenschaft anzupassen und die Abstimmungen mit den zuständigen Behörden durchzuführen, ist sehr aufwändig, vor allem wenn sie von unterschiedlichen Partnern gemeinsam betreiben werden. Die kooperative Planung soll Synergien schaffen und die Attraktivität des Wissenschaftsstandorts weiter erhöhen. Derzeit wird die Planung dreier gemeinsamer Forschungsbauten von Charité und jeweils einem anderen BUA-Partner unterstützt. Im Forschungsbau „Der Simulierte Mensch“ sollen einmal Wissenschaftler*innen aus TU und Charité an der Schnittstelle zwischen Ingenieurstechnik und Medizin arbeiten, ein Bau für die Immunologie soll von FU und Charité gemeinsam betrieben werden, sowie ein dritter für die Optobiologie von HU und Charité.

Welche Fragen verbinden Sie als Slawist mit dem Thema Forschungsinfrastruktur?


Mein fachlicher Hintergrund ist die Sprachwissenschaft mit dem Schwerpunkt slawische Sprachen und die Computerlinguistik, in der Forschung bin ich an der Schnittstelle zwischen empirischen Daten und linguistischer Theoriebildung und im Bereich der digitalen Geisteswissenschaften aktiv. Für Geistes- und Gesellschaftswissenschaftler*innen spielt der Zugang zu digitalen und analogen Sammlungen und zu Fachliteratur eine große Rolle, und immer wichtiger wird das nachhaltige Management von Forschungsdaten. Das sind etwa statistische Rohdaten, Ergebnisse von Experimenten oder digitale Textarchive, die professionell erschlossen und ausgewertet werden sollen. Ein aktuelles Projekt befasst sich speziell damit, die Services rund um Forschungsdatenmanagement innerhalb der BUA zu vernetzen und zu stärken. Zentral ist für alle Wissenschaftler*innen außerdem die Publikationsinfrastruktur. Unsere Bibliotheken haben ein Netzwerk gegründet, das etwa Wissenschaftler*innen in Fragen rund um Open Access unterstützt. Wer in seinem Fachgebiet eine Open-Access-Publikationsreihe initiieren möchte, braucht technologische Unterstützung, muss eine effiziente Begutachtung eingereichter Manuskripte garantieren, diverse rechtliche Aspekte rund um den Datenschutz beachten, braucht Know-how in Sachen Qualitätssicherung. Hierbei können die Bibliotheken mit speziellen Services behilflich sein.

 

Was ist für Sie persönlich an diesem Projekt besonders interessant, was erhoffen Sie sich von der Zusammenarbeit?

 

Es ist faszinierend, wie viele Facetten die Forschungsinfrastruktur unserer Einrichtungen hat. Die Sammlungen etwa sind teils enorm umfangreich, teils sehr klein, verfügen über äußerst spezielle Bestände. Bei unseren Geräten und Forschungsdaten sieht das ähnlich divers aus. Wie erfahren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, dass es bestimmte Bestände überhaupt gibt, wie finden sie Zugang dazu und wie ist das alles nachhaltig katalogisiert? Bei digitalen Datensätzen sind Forschende nicht selten auf Fachpersonal angewiesen, das sie technisch dabei unterstützt, diese Quellen auszuschöpfen. Großgeräte brauchen Fachpersonal und optimierte organisatorische Rahmenbedingungen. Wenn wir unsere Infrastruktur organisatorisch enger vernetzten, können Forschende institutsübergreifend zielgenauer darauf zugreifen. Im Idealfall beseitigen wir auch Redundanzen, stimmen unsere Angebote ergänzend aufeinander ab und verbessern gemeinsame Strategien. Auf diesem Weg können Mittel für neue Aktivitäten frei werden, die bislang anderweitig gebunden sind.

Roland Meyer ist Professor für Westslawische Sprachen und Mitglied im Steering Committee „Sharing Resources“ der BUA.

 Interview: Lars Klaaßen