Direkt zum InhaltDirekt zur SucheDirekt zur Navigation
▼ Zielgruppen ▼

Humboldt-Universität zu Berlin

Humboldt-Universität zu Berlin | Informationen für Beschäftigte an der HU | Forschen & lehren | „Wir können – und sollten – da noch viel mehr tun“

„Wir können – und sollten – da noch viel mehr tun“

by Ljiljana Nikolic posted on 24.10.2020 19:40 last modified 24.10.2020 19:51

Prof. Dr. Ulrike Vedder erklärt im Interview, welche Rolle die Themen Diversität und Chancengleichheit in der Berlin University Alliance spielen. Die BUA entwickelt eine systematische Strategie zur Förderung von Diversität und Diversitätsforschung bei allen Verbundpartnerinnen und setzt diese um.

Frau Vedder, was sind die wesentlichen Ziele des Querschnittthemas „Diversity and Gender Equality“?


Das Thema hat zwei Ebenen. Einerseits steht dabei im Fokus, wie divers unsere Hochschulen in all ihren Bereichen sind – sozial, kulturell und unter weiteren Aspekten betrachtet. Das betrifft die Sphäre der Studierenden ebenso wie die der Wissenschaftler*innen und aller anderen Mitarbeiter*innen. Haben sämtliche Menschen in ihrem Bereich die gleichen Chancen – oder sind diese je nach Geschlecht oder anderen Kategorien unterschiedlich? Geschlecht beschränkt sich dabei bekanntlich nicht auf das starre Schema Mann/Frau, diese Debatte wird ja auch außerhalb der Hochschulen rege geführt. Auf der zweiten Ebene legt sich unser Fokus auf die Forschung in diesem Bereich, Diversitätsförderung und Diversitätsforschung hängen eng miteinander zusammen. Denn nur wenn wir historisch, empirisch und methodisch innovativ verstehen, welches die Ursachen von Ausschlüssen und Chancenungleichheit sind, in der Wissensproduktion ebenso wie in der Organisationsstruktur, können wir den kulturellen Wandel schaffen, der für die Entwicklung der Universität ja notwendig ist: in Forschung und Lehre, in der Exzellenz und der Breite der Hochschule größere Vielfalt zu gewinnen.

 

Was ist für Sie persönlich an diesem Projekt besonders interessant?


Diese Themen berühren nicht nur all unsere Lebensbereiche im Allgemeinen, sondern auch sämtliche Forschungsbereiche. In den Geisteswissenschaften ist das bereits vieldiskutiert, in den Sozialwissenschaften ohnehin. Aber auch in der Informatik zum Beispiel gibt es spannende Auseinandersetzungen damit. Künstliche Intelligenz etwa agiert auf der Basis von Menschenbildern und geschlechtlichen Zuschreibungen. Um dies zu erfassen, wissenschaftlich wie hochschulpolitisch eine Ausgangsbasis zu bekommen, lohnt es sich beispielsweise, ein Begriffslexikon der Diversität zu erstellen. Wir können zusammentragen, wo welche Begriffe, Kriterien und Standards mit Blick auf Diversität bislang überhaupt zugrunde gelegt werden, wie die Konzepte durch die Disziplinen wandern, mit welchen politisch-kulturellen Reichweiten. Und wenn wir die unterschiedlichen Ansätze innerhalb der Berlin University Alliance, den drei Universitäten sowie der Charité, abstimmen und vor allem weiterentwickeln, wird die Berliner Wissenschaftslandschaft ein noch attraktiverer Ort, weil konsequent praktizierte Diversity neue Perspektiven eröffnet.

 

Was gefällt Ihnen an der Zusammenarbeit, was erhoffen Sie sich davon?

 

Berlin als Stadt – und damit auch die hiesigen Wissenschaftseinrichtungen – sind beim Thema Diversität zwar bereits offen. Aber wir können – und sollten – da noch viel mehr tun. Bildlich gesprochen: Es ist nicht allein damit getan, viele verschiedene Menschen auf die Party einzuladen, sie sollen auch die Gelegenheit bekommen zu tanzen. Für ein Kick-off-Treffen eines neuen Netzwerks haben wir an den hiesigen Hochschulen über 150 Forschende zusammengetrommelt, die sich bereits engagieren. Diese vielfältigen Ansätze stärker zu koordinieren, kann noch viel in Bewegung setzen. Gerade bereiten wir eine Ausschreibung für Nachwuchsforschungsgruppen vor, die sich Diversity and Gender Equality widmen. Ich bin jetzt schon gespannt, was deren Arbeit anstoßen wird. Die Potenziale sind auf beiden Ebenen groß. Wenn die hiesige Wissenschaftslandschaft künftig die Diversität Berlins widerspiegelt, hätten alle Beteiligten sehr viel davon.

 

Interview: Lars Klaaßen

 

Prof. Dr. Ulrike Vedder arbeitet am Institut für deutsche Literatur sowie am Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien der HU. Für das Steering Committee der BUA zum Querschnittthema „Diversity and Gender Equality“ ist sie zudem ehrenamtlich tätig.

 

Mehr über die Ziele und Querschnittsthemen der BUA lesen