Direkt zum InhaltDirekt zur SucheDirekt zur Navigation
▼ Zielgruppen ▼

Humboldt-Universität zu Berlin

Humboldt-Universität zu Berlin | Zentrale Hinweise | Webseitenwerbepartner | Europa ohne Zinsen – Die neue Normalität

Europa ohne Zinsen – Die neue Normalität


Foto: tech_studio, fotolia.com, #124924523

Die Zinsen in Europa waren noch nie so niedrig wie im Moment. Tatsächlich gibt es Gewinner und Verlierer der Niedrigzinsen, wobei die typischen deutschen Sparer und Anleger eindeutig zu den Verlierern gehören. Das stellt ein großes Problem dar, denn der Zins ist für sie eine finanzielle Absicherung für die Zukunft. Gerade den risikolosen Zins wie etwa für deutsche Staatsanleihen gibt es nicht mehr. Viele Sparer und Anleger stellen sich daher die Frage: Lohnt es sich noch, zu sparen? Und welche Alternativen gibt es?

Die wichtigsten Ursachen für das Zinstief

Die jüngste Finanzkrise hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Zinsen praktisch abgeschafft wurden. Ab 2008 kam es zu einem Einbruch der Dynamik der Volkswirtschaften – gerade in den Industrieländern –, nachdem zuvor ein kreditgetriebenes Wirtschaftswachstum zu verzeichnen war. Dadurch waren die Marktteilnehmer verunsichert und es kam zu einer Investitionszurückhaltung, was schließlich dazu führte, dass das Wirtschaftswachstum stagnierte. Die Notenbanken reagierten: Die Europäische Zentralbank (EZB) etwa senkte die Leitzinsen Stück für Stück bis auf null, um die Kreditvergabe und die damit verbundenen Investitionen weiter anzukurbeln. Auf diese Weise konnten die Renditen für Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit gedrückt werden. Dennoch blieb die erwünschte Konjunkturerhöhung in Europa aus, weshalb die EZB im zweiten Schritt länger laufende Staatsanleihen direkt ankaufte. Diese Maßnahme wird als Quantitative Easing bezeichnet und soll dazu dienen, auch die Zinsen nach dem Ende der langen Laufzeit zu senken. In einer dritten Maßnahme ging die EZB dazu über, Unternehmensanleihen zu kaufen. Mit diesen drei Handlungen sorgte die EZB vor allem dafür, dass die Zinsen für sämtliche Laufzeiten und auch für Anleihen mit niedriger Bonität erheblich gesunken sind. Die dadurch erhoffte Dynamisierung der Wirtschaft blieb bis heute aber aus.

Das Risiko durch Niedrigzinsen wird von vielen Anlegern kaum wahrgenommen

Viele Deutsche lassen sich von den Niedrigzinsen nicht beeindrucken und sparen einfach weiter. Dabei nehmen sie teilweise sogar inflationsbedingte Kaufkraftverluste hin. Für dieses Verhalten gibt es zwei Gründe: Erstens müssen viele Deutsche für das Alter vorsorgen und wollen einfach kein Risiko eingehen. Gerade in Deutschland ist das ein echtes Problem: Nicht ohne Grund wird im angelsächsischen Raum von der „German Angst“ gesprochen, also von der typischen Angst der Deutschen, ein zu hohes Risiko einzugehen. Zweitens sehen die meisten Anleger die Niedrigzinsen nicht wirklich als Bedrohung. Das liegt vor allem daran, dass sich Anleger erst nach dem Ende der Sparlaufzeit – nämlich bei der Wiederanlage – mit der neuen Zinsproblematik auseinandersetzen müssen. Oft ist es dann aber zu spät, um noch zu reagieren: Für Anlagen mit einem höheren Risiko und einer besseren Rendite ist bis zum Renteneintritt dann meist nicht mehr genügend Zeit. Umso wichtiger ist es, dass deutsche Anleger erkennen, dass das risikolose Sparen heute nicht mehr funktioniert. Der „risikolose Zins“ liegt bei null, weshalb es keine Aussicht mehr auf Renditen gibt, sondern vielmehr reale Kaufverluste sehr wahrscheinlich sind.

Lohnt sich Sparen noch?

Wie also lässt sich die Ausgangsfrage, ob sich Sparen überhaupt noch lohnt, beantworten? Die Deutsche Bank sagt dazu: „Ja, derzeit aber nicht mit klassischen Sparanlagen, sondern im Sinne eines langfristigen Vermögensaufbaus.“ Das bedeutet jedoch, dass viele deutsche Anleger und Sparer umdenken müssen. Es ist notwendig, die Anlagerisiken neu zu bewerten und sämtliche Facetten des aktuellen Kapitalmarkts zu berücksichtigen. Nicht nur Aktien sollten in Erwägung gezogen werden, sondern beispielsweise auch Immobilien und Fremdwährungsanleihen. Wichtig ist dabei immer, die persönliche Situation des Sparers mit einzubeziehen. Eine bedeutende Rolle spielen zum Beispiel seine individuelle Risikobereitschaft und die aktuelle Lebensphase, in der er sich befindet. Deshalb sollten sich deutsche Sparer beraten lassen, damit sie einen für sie geeigneten Weg finden, um trotz der niedrigen Zinsen eine finanzielle Absicherung für die Zukunft zu erzielen.

 

Dieser Beitrag stammt von unseren Website-Partnern.