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Die erste Forscherin des Berliner Instituts für Islamische Theologie

Ayşe Almila Akca baut eine Nachwuchsgruppe zum Forschungsschwerpunkt religiöse Praxis auf

Ayşe Almila Akca
Ayşe Almila Akca, Foto: Matthias Heyde

„Ich wollte schon immer verstehen, warum Menschen glauben und wie sie ihren Glauben leben“, sagt Ayşe Almila Akca. Die Islam- und Politikwissenschaftlerin ist neu an der Humboldt-Universität zu Berlin (HU). Sie ist die erste Forscherin, die am Berliner Institut für Islamische Theologie forschen wird – als Nachwuchsgruppenleiterin. Zusammen mit einer, einem Postdoc und einer Doktorandin oder einem Doktoranden wird sie unter dem Titel „Islamische Theologie im Kontext von Wissenschaft und Gesellschaft“ arbeiten.

Unter diesem Dach könnte beispielsweise eine Arbeit über den Ramadan entstehen. „Es gibt kaum soziologische und anthropologische Studien darüber, wie sich die religiösen Praktiken der Fastenzeit auswirken – beispielsweise auf das Miteinander oder das Zeitgefühl“, erklärt die Baden-Württembergerin, die Themen wie Lived Islam, religiöse Praxis und Praktiken, aber auch islamisches religiöses Wissen, Geschichte und Nationalismus/Rassismus erforscht. Sie denkt dabei den Wissenstransfer in die Gesellschaft mit und lässt ihr Wissen im Sinne eines Miteinanders in praktische Arbeit einfließen. So hält sie Vorträge, leitet Workshops und Seminare in der Weiterbildung, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Einrichtungen, die mit Musliminnen und Muslimen zu tun haben, für ein religionssensibles und lösungsorientiertes Miteinander zu schulen. Die aus den Medien bekannten Stereotype rund um den Islam bedient sie nicht, das Bild, das sie über die in Deutschland lebenden Musliminnen und Muslimen vermittelt, ist differenziert und vielfältig.

Wissen über Islam hat Türen geöffnet

Mit dem Interesse für Geschichte und Theologie hat ihre berufliche Karriere begonnen, genauer gesagt mit einem Studium der Islamwissenschaft und Wissenschaftlichen Politik an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg. „Das war zu meiner Zeit noch ein Magister-Studiengang, wir wurden ermuntert, über den Tellerrand zu schauen.“ Das hat sie ausgiebig gemacht, hat neben arabischen und türkischen-Pflichtsprachkursen auch Texte des Alt- und Mitteltürkischen studiert oder ihr Wissen über verwandte Fächer wie die Ethnologie vertieft. Der gesellschaftliche Wandel vom Übergang aus der Vormoderne in die Moderne in der Türkei, aber auch in Griechenland, dem Nahen Osten oder Zentralasien interessierte sie damals besonders.

Nach dem Studium war für sie eines klar, sie wollte weiter wissenschaftlich arbeiten. Ein Projekt der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, das von der Robert Bosch Stiftung gefördert wurde, führte sie zu einem neuen Ansatzpunkt: zur Soziologie. Am Anfang des Projekts „Gesellschaft gemeinsam gestalten“ stand für sie das Erlernen von soziologischen Methoden wie Interviewführung, Transkription und Analyse. Inhaltlich ging es um Islamische Vereinigungen als Partner in Baden-Württemberg. „Das war zu einem Zeitpunkt, als die Deutsche Islamkonferenz gerade im Entstehen war und der christlich-islamische Dialog gerade in die Diskussion kam“, erinnert sich die Forscherin. Damals hatte sie Kontakt zu etwa 40 islamischen Gemeinden sowie zu zahlreichen Kirchengemeinden in Baden-Württemberg, sprach mit Imamen und anderen Beauftragten der Gemeinde, um herauszufinden was für einen interreligiösen Dialog hinderlich oder förderlich sein kann. „Nein, es war kein Problem, dass ich eine Frau bin.“ Entgegen der landläufigen Meinung engagieren sich Frauen durchaus in Moscheegemeinden als Lehrerinnen und Predigerinnen, wenn auch nicht unangefochten. Da sie selbst schon seit ihrer Kindheit Moscheen kennt, hat sie mit ihrem Wissen über „den“ Islam Vertrauen erzeugen können, das ihr die Türen geöffnet hat.

Seit Ende Januar 2019 an der HU

Die Ergebnisse des Projekts sind nicht nur in Publikationen eingeflossen, sondern haben eine breite Rezeption erfahren, spielten beispielsweise für den Schulversuch islamischer Religionsunterricht in Baden-Württemberg eine Rolle. Nach einer weiteren Station als wissenschaftliche Mitarbeiterin für ein Projekt zur Entwicklung von Schulmaterialien für islamrelevante Themen kam die Mutter von zwei Kindern zur Promotion nach Berlin – an die Freie Universität, wo sie am Institut für Islamwissenschaft über Islamisches Wissen in Moscheen in Deutschland forschte und mit „summa cum laude“ promovierte. Schon im Projekt der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart war ihr aufgefallen, dass islamisches Wissen in Gotteshäusern nichts Festgelegtes ist, sondern von den Gemeindemitgliedern rege diskutiert und ausgehandelt wird.

„In den Moscheen wird viel über wahre, an normativen Texten orientierte, und falsche Religion, die sich an Traditionen festmacht, verhandelt. Diesen Prozess und seine Folgen habe ich untersucht.“ Dafür hat sie nicht nur Interviews geführt, sondern teilnehmend beobachtet – „beispielsweise bei religiösen Feiern, Festen, Gruppentreffen und Freitagsgebeten in den Moscheen“, erinnert sich Almila Akca, die diese Feldforschung auch in Baden-Württemberg durchgeführt hat.

Kaum war die Dissertation verteidigt, winkte die nächste Möglichkeit, um den wissenschaftlichen Weg fortzusetzen: Die Bewerbung für die durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung finanzierte Stelle an der HU. Ende Januar 2019 hat Almila Akca am Berliner Institut für Islamische Theologie ihre Arbeit aufgenommen und wird für die nächsten vier Jahre den Forschungsschwerpunkt religiöse Praxis in der Nachwuchsgruppe aufbauen.

Autorin: Ljiljana Nikolic

Weitere Informationen

Webseite des Berliner Instituts für Islamische Theologie