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Studierende unterrichten Studierende

Das Bologna.lab unterstützt Tutoren

Stefan Hebold und Andrea Frömel, Studierende der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät, sind in ihrer Freizeit Gärtner. Im Sommersemester haben sie die Fragen, die sie in ihrem Hobby interessieren, zum Gegenstand eines Tutoriums für Bachelorstudierende gemacht. Zusammen mit Kommilitonen haben sie untersucht, ob in der Stadt angebautes Gemüse unbedenklich verzehrt werden darf.

Solche Tutorien schreibt die HU zwei Mal pro Jahr durch ihr „Bologna.lab“ aus. Für die „Q-Tutorien“ (das Q steht für Begriffe wie Question und Qualification) können sich Studierende bewerben, die Interesse an der vertiefenden Auseinandersetzung mit einem bestimmten Thema haben – und die sich vorstellen können, im Rahmen eines Tutoriums andere Studierende anzuleiten.

Dabei geht es nicht um „Lehre“ im klassischen Sinn. Tutoren und Studierende sollen vielmehr ein Thema gemeinsam erarbeiten. Die Tutorien sind ein Teilprojekt des Bologna.labs, unter dessen Dach sich eine Reihe von Initiativen finden, die sich mit verschiedenen Aspekten des Bologna-Prozesses befassen.

Anders als in früheren studentischen Tutorien, wo Studierende ebenfalls zusammen mit Studierenden gearbeitet haben, unterstützt das Bologna.lab die zukünftigen Tutoren. Die Einrichtung hilft nicht nur dabei, den Antrag zu stellen. Experten aus dem Fach beraten die Tutoren auch inhaltlich. In einem vorbereitenden Programm werden die Tutoren methodisch, didaktisch und konzeptionell unterstützt. Sie können Workshops besuchen, in denen sie unter anderem trainieren, vor Publikum aufzutreten. „Uns ist wichtig, dass sich die Tutoren als Gemeinschaft und aktive Co-Forscher unseres Experiments zum forschenden Lernen fühlen und verstehen“, sagt Wolfgang Deicke, Leiter des Bologna.labs.

Andrea Frömel und Stefan Hebold haben dieses Programm durchlaufen. Im Sommersemester forschten sie dann mit elf Studierenden unterschiedlicher Fachrichtungen. „Wir haben an vier Standorten – in Karlshorst, in Mitte, am Südkreuz und in Stahnsdorf – unterschiedliche Tief- und Flachwurzler wie Radieschen, Rucola, Kohlrabi und Salat angebaut“, berichtet Hebold. Die Bepflanzung erfolgte auf neu angelieferter Erde, und es wurde nach den Prinzipien des ökologischen Landbaus gewirtschaftet. Nach der Ernte haben die Studierenden das Gemüse gewaschen, getrocknet und gemahlen. „Wir haben dann die Schwermetalleinträge aus Luft und Regenwasser in den Pflanzen, aber auch im Boden gemessen“, sagt Hebold.

Die ersten Ergebnisse des Tutoriums haben die Stadtgärtner auf der Langen Nacht der Wissenschaften präsentiert. Unterstützt wurden die beiden Tutoren von der Agrarökologin Heide Hoffmann. „Uns hat das Q-Tutorium viel Erfahrung im Bereich des Projektmanagements und der Teamleitung gebracht“, resümiert Stefan Hebold. „Es war spannend, in die Rolle des Lehrenden zu schlüpfen.“ Hilfreich sei gewesen, das Tutorium zu zweit abzuhalten und sich gegenseitig zu unterstützen. „Es war manchmal auch einfach stressig. Wir hatten beispielsweise 240 Pflanzenproben und nicht bedacht, dass jede Probe fünf Stunden Untersuchungszeit im Labor erfordert.“

Und darf man nun in der Stadt angebautes Gemüse essen, ohne gesundheitliche Schäden zu befürchten? „Das Gemüse kann, wenn es nach unseren Kriterien angebaut wird und vor dem Verzehr gewaschen wird, unbedenklich gegessen werden!“

Milena Dragic