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Rollenspiele in Afrika

Studierende können sich in einem GTZ-Hochschulwettbewerb an Projekten der Entwicklungszusammenarbeit beteiligen


Afrika ist mehr als eine Kulisse für Strandurlaube oder Safaris. In Afrika leben viele Menschen in sehr schwierigen Verhältnissen. Insbesondere die Mitarbeiter von Entwicklungskooperationen gehören zu denen, die einen genaueren Einblick haben. Schon bald könnten sie Unterstützung von Juliane Gadau und Nadja Tariverdian bekommen. Die Medizinstudentinnen haben mit ihrem Konzept zur HIV-Prävention an Sekundarschulen in Tansania eine Fachjury aus Professoren und Entwicklungsberatern überzeugt. Sie können ein mehrmonatiges bezahltes Praktikum im Ausland absolvieren.

Entstanden ist das Konzept im Rahmen der Initiative „Zwischen Hörsaal und Projekt“, einer Zusammenarbeit von etwa 15 Hochschulen in Berlin und den neuen Ländern und der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ). Hier setzen sich Studierende ein Semester lang mit aktuellen Themen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit auseinander. Den besten Arbeiten winkt ein mehrmonatiges bezahltes Praktikum im Ausland.

Initiatorin des Projektes ist Regine Schönenberg. Seit 2001 baut die Politologin Kontakte zwischen Hochschullehrern und den Partnern der GTZ auf. In über einhundert Ländern arbeitet die GTZ im Auftrag der Bundesregierung an nachhaltigen Lösungen für politische, wirtschaftliche, ökologische und soziale Entwicklungen. Schönenberg wollte dazu das Know-how an den Hochschulen gewinnen. Sie ist überzeugt: „Es gibt fast kein Studiengebiet, das nicht mit Themen der Entwicklungszusammenarbeit zu tun hat.“ Diese Meinung teilen mittlerweile auch rund 80 Berliner Wissenschaftler aus den medizinischen, landwirtschaftlichen sowie der kultur- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen, die das Hörsaal-Projekt begleiten.

Juliane Gadau und Nadja Tariverdian haben in einem Seminar zum Thema HIV und Aids von dem Wettbewerb erfahren. Sie nahmen Kontakt zu einem bestehenden Aids-Präventions-Projekt in Tansania auf, wo Lehrer für den Sexualkundeunterricht fortgebildet werden. Kein leichtes Unterfangen, wenn Sexualität für die Lehrkräfte selbst ein Tabuthema sind, fanden Tariverdian und Gadau. Auch hatten sie Zweifel daran, dass Faktenwissen allein ausreicht, um das Sexualverhalten Jugendlicher zu beeinflussen.

Die Medizinstudentinnen entwickelten eine Lernmethode, mit der sie im Reformstudiengang Medizin selbst gute Erfahrungen gemacht haben: das problemorientierte Lernen, kurz POL. Anhand von Fallgeschichten lernen sie, sich zuerst das Problem vollständig zu erarbeiten, um mit diesem Wissen dann die verschiedenen Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten auf ihre Brauchbarkeit hin zu überprüfen. Ähnlich würden die beiden Studentinnen auch den Aufklärungsunterricht in Tansania angehen. Unter ihrer Anleitung sollen sich die Schülerinnen und Schüler die Themen Sexualität und HIV beispielsweise mit Rollenspielen und Interviews erarbeiten. Tariverdian und Gadau wollen erreichen, dass die Jugendlichen lernen, gegebenenfalls „Nein“ zum Sex zu sagen oder mit Verhütungsmitteln richtig umzugehen.

Um diese und ähnliche Formen des Wissenstransfers geht es in der Initiative „Zwischen Hörsaal und Projekt“: Professoren und Studierende profitieren vom fachlichen Input und dem Praxisbezug lokaler Projekte. Zugleich unterstützen sie mit aktuellen Forschungsergebnissen und modernen Lehr- und Lernmethoden die Aktiven vor Ort.

Dass gut gemeint allerdings noch lange nicht gut gemacht ist, hat Desiree Zwanck erfahren. Fünf Monate verbrachte sie im vergangenen Jahr in Bhutan. „We don’t need gender here“, bekam die GTZ-Praktikantin zu hören, als sie sich für ein Projekt einer landwirtschaftlichen Kooperative engagieren wollte. Frauen hätten bereits eine starke Position in der buthanischen Gesellschaft, hieß es.

Zwanck befragte die Menschen in einer neu eingerichteten Kooperative der Milchwirtschaft in der abgelegenen Hochlandgemeinde Gogona. Es stellte sich heraus, dass den Frauen zwar vielfach das Land gehört, sie aber auch den größten Teil der Arbeit im Bergdorf erledigen. Viele Männer leben als Lehnsmönche in der Hauptstadt Thimphu und stehen für die alltägliche Landarbeit kaum zur Verfügung. „Diese Arbeitsteilung gefährdet den Projekterfolg langfristig“, erklärt Zwanck. „Durch die Einführung der neuen Milchwirtschaft wurde den Frauen noch mehr abverlangt als sie ohnehin schon leisten müssen.“ Zwancks Ergebnisse sind in die Evaluierung des Entwicklungsprojektes eingeflossen. Und weil das Gogona-Projekt als Vorbild für andere Gemeinden stehen soll, werden Entwicklungshelfer in der „Geschlechterfrage“ zukünftig genauer hinschauen. Ihr Teamleiter verabschiedete die junge Frau jedenfalls mit den Worten „I think gender is back on the agenda!“ Anke Assig

Über den Wettbewerb informieren Regine Schönenberg oder Carolin Schramm unter der Telefonnummer 030-44718333 (mobil: 0172-3026145) oder über eine E-Mail an: hoersaalundprojekt@coachingplatform.com

Informationen im Internet:

http://gtz.coachingplatform.com