Direkt zum InhaltDirekt zur SucheDirekt zur Navigation
▼ Zielgruppen ▼

Presseportal

Eigene Wege durch die Universität

Flexibel und eigenständig: Forschungsorientiertes Lernen und Lehren im Bachelor-Studium

Von Helene Gustavson

Seit einigen Wochen ist bekannt, wie viele Frauen und Männer sich für ein Studium an der Humboldt-Universität beworben haben: Über 22 000 Bewerbungen sind im Zulassungsbüro der Universität eingegangen, und das sind noch mehr als in den Jahren zuvor. Dies mag auch daran liegen, dass die Humboldt-Universität es Studieninteressierten zum ersten Mal ermöglicht hat, sich online zu bewerben. Das Verfahren ist damit viel einfacher geworden, und die positiven Rückmeldungen waren Grund zur Freude.

Aber die einfache Bewerbungsmöglichkeit kann nicht der einzige Grund für das große Interesse an der Humboldt-Universität sein. Vielmehr geht die Universität davon aus, dass Studieninteressierte wie Studierende – darunter fast 4000 Erstsemester, die einen Platz erhalten haben – Vorstellungen davon haben, was die Humboldt-Universität ausmacht und was sie von ihr erwarten.

Von diesen Erwartungen ist in den Gesprächen mit Studierenden in den universitären Gremien, in Lehrveranstaltungen und Sprechstunden zu erfahren: Studierende wollen die Möglichkeit haben, flexibel und eigenverantwortlich zu studieren und wollen dabei so intensiv wie möglich beraten und betreut werden. Sie wollen für ein Semester oder ein Jahr ins Ausland gehen können, ohne Nachteile für ihr Studium befürchten zu müssen. Und sie wollen an einer Universität studieren, die ein Ort ist, an dem sie sich gern aufhalten, und zu dem sie sich zugehörig fühlen können.

In all diesen Bereichen hat die Humboldt-Universität in den vergangenen Jahren einiges auf den Weg gebracht: allem voran die Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge, die mit diesem Wintersemester nahezu abgeschlossen ist. Diese Umstellung bietet Chancen, aber sie birgt auch Gefahren. Die ersten Erfahrungen mit den neuen Studiengängen zeigen, dass manche Schwierigkeiten nicht vorhersehbar waren, mit denen sich die Gremien jetzt auseinandersetzen.

Es muss beispielsweise darauf geachtet werden, dass die neuen Strukturen internationale Mobilität nicht behindern, sondern fördern. Denn der Wunsch nach Internationalität und Mobilität war schließlich der Auslöser für den Bologna-Prozess, der einen europäischen Hochschulraum schafft. Daher werden die Fächer bei der Gestaltung von Kooperationsverträgen mit Universitäten unterstützt, die zu ihrem Profil passen und die den Studierenden einen sinnvollen, in ihr Studium integrierten Aufenthalt im Ausland ermöglichen.

Die Universitätsleitung muss auch darauf achten, dass die neuen Strukturen nicht zu einer Verschulung des Studiums führen. Studienbegleitende Prüfungen und das Studium in Modulen sind eine wichtige und sinnvolle Neuerung – weil auch das Studium „zählt“ und nicht nur der riesige Prüfungsberg am Ende, und weil Lehrveranstaltungen zusammenhängen und sich an Kompetenzen orientieren, die erworben werden sollen. Das Studium bietet einen festeren Rahmen, eine klarere Struktur.

Gleichzeitig sollen Studierende vom ersten Semester an merken, dass ein Studium an der Humboldt-Universität nicht die Fortsetzung der Schule mit anderen Mitteln ist: Deshalb muss forschungsorientiertes Lernen und Lehren bereits im Bachelor-Studium fest verankert sein. Die neuen Studienordnungen sehen vor, dass Studierende Lehrveranstaltungen ersetzen können – durch Veranstaltungen aus anderen Fächern. Das ist möglich, wenn man merkt, dass sie zu dem passen, was man selbst im Fach herausfinden will. Ersetzt werden können Lehrveranstaltungen auch durch Studienprojekte im eigenen Fach, in denen frühes selbstständiges Forschen ermöglicht wird. Diese Studienprojekte werden aus Mitteln gefördert, die an der Universität für innovative Lehre zur Verfügung stehen.

Unterstützt wird bislang beispielsweise ein Studienprojekt am Institut für deutsche Literatur zur Gattung des Sachbuchs. Es bietet den Studierenden im Rahmen eines von der Fritz-Thyssen-Stiftung geförderten Projekts die Möglichkeit zu betreuter und dabei eigenständiger Forschung, deren Ergebnisse in einer Publikation veröffentlicht werden sollen. Am Institut für Europäische Ethnologie werden Studienprojekte gefördert, die sich mit Themen wie dem „Ost- westdeutschen Briefwechsel“ oder der „Nachhaltigkeit als Lebensform“ auseinandersetzen. Auch diese Projekte münden in Publikationen oder auch Ausstellungen und machen so die Arbeit und die Ergebnisse der Studierenden sichtbar – für die Motivation zur weiteren Forschung ist auch das ein wichtiges Element. Diese Projekte zur frühen Forschungsförderung, mit der Möglichkeit, Studienverläufe auch individuell zu gestalten, und mit der Förderung des internationalisierten Studiums sind wichtige Schritte auf dem Weg zu einer sinnvollen und gelungenen Neustrukturierung des Studiums.

Wichtig ist der Humboldt-Universität dabei, dass Flexibilität auch den Studierenden ermöglicht wird, die aufgrund von besonderen Lebenssituationen nicht in der Lage sind, sich uneingeschränkt dem Studium zu widmen. Dies gilt insbesondere für Studierende mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen wie auch für Studierende mit Kind(ern).

Ein zentrales Ziel ist es, deutlich zu machen, dass die Humboldt-Universität im Rahmen ihrer Möglichkeiten gemeinsam mit den Studierenden Lösungen finden will und muss, die besonderen Lagen Rechnung tragen. Aus diesem Grund finden sich in der neuen Satzung für Studien- und Prüfungsangelegenheiten, die im August verabschiedet worden ist, Grundsätze, die Unterstützung für die Vereinbarkeit von Familie und Studium, für die Situation behinderter und chronisch kranker Studierender zusichern.

Natürlich gelten diese Grundsätze seit langem an der Humboldt-Universität. Mit ihrer formalen Verankerung soll erreicht werden, dass ihre Bedeutung für das Selbstverständnis der Universität hervorgehoben wird.

Unterstützung und Förderung wünscht und benötigt jede und jeder Studierende auf andere Weise. Eine so große Universität kann sicherlich nicht für alle Studierende hoch individualisierte Programme anbieten. Aber sie kann den Studierenden einen Rahmen bieten, der es ihnen ermöglicht, darin einen eigenen Weg zu finden und zu gehen.