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Gerechtigkeitsvorstellungen prekär Beschäftigter im Lebenszusammenhang betrachtet

Studie der HU zeigt, dass Selbstsorge nicht als berechtigter Anspruch wahrgenommen wird.

Prekär Beschäftigte empfinden es als ungerecht, wenn sie von ihrer Erwerbsarbeit nicht leben können, sich ihre Mühe nicht auszahlt und sich ihre Arbeit so stark verdichtet, dass sie kaum noch leistbar ist. Blickt man nicht nur auf Erwerbsarbeit, sondern auf den gesamten Lebenszusammenhang, bezeichnen prekär Beschäftigte Missstände in der Kinderbetreuung und der Altenpflege als ungerecht, nicht aber ihre fehlenden Möglichkeiten zur Selbstsorge und zur Erholung von den mitunter krankmachenden Belastungen ihres Alltags.

Zu diesen Ergebnissen kommen die Geschlechterforscherinnen Dr. Mona Motakef, Julia Bringmann und Prof. Dr. Christine Wimbauer, die am Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) arbeiten. Ihre Ergebnisse stammen aus dem von Christine Wimbauer geleiteten Forschungsprojekt Ungleiche Anerkennung? ‚Arbeit‘ und ‚Liebe‘ im Lebenszusammenhang prekär Beschäftigter (Wi2142/5-1), das von 2014 bis 2017 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert wurde.

„Da wir in unserer Studie nicht nur von Erwerbsarbeit, sondern vom gesamten Lebenszusammenhang ausgegangen sind, konnten wir zeigen, dass auch hier, in den vermeintlich privaten Dimensionen des Lebens, große Missstände herrschen. Diese werden aber nur selten als verletzte Ansprüche an Gerechtigkeit artikuliert. Dies betrifft vor allem die weiterhin an Frauen zugewiesene und wenig anerkannte Fürsorge, wie die Kinderbetreuung und Altenpflege“, so Mona Motakef.

Selbstsorge wird in der Gesellschaft überhaupt nicht als legitimer Anspruch empfunden“, führt Christine Wimbauer aus. „Es fängt schon damit an, dass die Arbeits- und Lebensbedingungen, die uns krank machen, oft als individuelle und nicht als strukturelle, also gesellschaftliche Probleme gesehen werden“, ergänzt Julia Bringmann.

Da Fürsorge und auch Selbstsorge gesellschaftlich aber absolut notwendig sind, sei es an der Zeit, politische Konzepte umzusetzen, durch welche diese Tätigkeiten endlich gesellschaftlich legitimiert und anerkannt würden.

Studie

Mona Motakef, Julia Bringmann und Christine Wimbauer (2018): Gerechtigkeitsvorstellungen im Lebenszusammenhang – Eine geschlechtersoziologische Perspektivenerweiterung am Beispiel von Für- und Selbstsorgearrangements prekär Beschäftigter.
Gender. Zeitschrift für Kultur, Gesellschaft und Geschlecht 3, 101-117.

Weitere Informationen

Projektwebseite

Kontakt

Dr. Mona Motakef
Institut für Sozialwissenschaften
Humboldt-Universität zu Berlin

mona.motakef@sowi.hu-berlin.de

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