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Abb.: Philipp Plum

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Wettlauf an die Grenzen des Planeten: 148 Länder auf dem Prüfstand

Internationales Forschungsteam veröffentlicht Studie, die erstmals misst und vergleicht, wie gut es einzelnen Ländern gelingt die Grundbedürfnisse der Menschen zu erfüllen und dabei nachhaltig zu agieren.

Kein Land der Erde erreichte in den vergangenen drei Jahrzehnten soziale Mindestanforderungen, ohne dabei ökologische Grenzen zu übertreten. Das fand ein britisches Forschungsteam unter Beteiligung der an der Universität für Bodenkultur (BOKU) Wien in Zusammenarbeit mit einem von der Humboldt Universität zu Berlin koordinierten Forschungsprojekt heraus. Ihre Ergebnisse gehen sogar noch weiter, denn: Kein Land steuert bis 2050 überhaupt darauf zu soziale Grundbedürfnisse mit fairen Ressourcenanteilen zu stillen.

Reichere Länder verbrauchen wesentlich mehr Ressourcen als ihrem gerechten Anteil (gemessen an der Bevölkerungszahl) entspricht, während ärmere Länder ihre sozialen Ziele nicht oder zu langsam erreichen, so lautet das Fazit der Forschenden. Insgesamt 148 Länder nahm das Team unter die Lupe. Im Fokus: Elf soziale Grundbedürfnisse, darunter Ernährung, Lebenserwartung, Einkommen oder demokratische Qualität, sowie sieben ressourcenbezogene Faktoren wie CO2-Emissionen, Materialverbrauch oder die Intensität der Landnutzung. Die Studie misst und vergleicht erstmals, wie gut es einzelnen Ländern gelingt die Grundbedürfnisse der Menschen zu erfüllen und dabei nachhaltig zu agieren. 

Zuckerbrot und Peitsche für Deutschland

Deutschland fällt dabei besonders auf: „Deutschland ist eins von vier Ländern, die in 2015 alle sozialen Grundbedürfnisse erfüllten. Gleichzeitig überschreitet Deutschland aber durch hohen Konsum seinen fairen Anteil an fast allen planetarischen Ressourcen“, erklärt Nicolas Roux vom Institut für Soziale Ökologie an der BOKU Wien. Er arbeitet im Rahmen des EU-Forschungsprojektes zu globaler Nachhaltigkeit COUPLED (www.coupled-itn.eu), koordiniert von der Humboldt-Universität zu Berlin. „Im Durchschnitt verursacht der Konsum in Deutschland doppelt so viel Umweltbelastung als das was der gerechte Anteil des Landes an globalen Ressourcen erlauben würde“, so Nicolas Roux. Und das schon seit Beginn der 1990er-Jahre, wenn nicht sogar länger.

Soziale Grundversorgung verbessert, aber zu langsam

Global gesehen lässt eine gute Nachricht aufhorchen: Auch wenn bei kollektiven Zielen wie Gleichberechtigung und demokratischer Qualität immer noch erhebliche Defizite bestehen, konnten diemeisten Länder ihre soziale Grundversorgung in den letzten dreißig Jahren insgesamt verbessern. Der Anteil an Nationen, die ihren fairen Ressourcenanteil überschreiten, steigt allerdings parallel dazu, insbesondere in Bezug auf Kohlendioxidemissionen und Materialverbrauch. Erschwerend hinzu kommt, dass viele Länder diesen gerechten Anteil schneller überbeanspruchen als es ihnen gelingt die sozialen Grundbedürfnisse ihrer Bevölkerung zu erfüllen. „Das Ziel muss sein, soziale Mindestanforderungen zu erreichen und dabei möglichst wenig Ressourcen zu verbrauchen“, so Roux. Reichere Länder sollen deshalb ihren Ressourcenverbrauch drastisch reduzieren, um eine kritische Zerstörung des Planeten zu vermeiden, während ärmere Länder ihre soziale Leistung rasch beschleunigen sollen, um kritische menschliche Entbehrungen zu beseitigen. Globaler Spitzenreiter, obwohl diesem Ziel ebenfalls relativ fern, ist derzeit Costa Rica mit drei überschrittenen ökologischen Grenzen.

Wirtschaftssysteme müssen sich ändern

„Jeder braucht ein ausreichendes Maß an Ressourcen, um gesund zu sein und in Würde an der Gesellschaft teilzunehmen, aber wir müssen auch sicherstellen, dass der globale Ressourcenverbrauch nicht so hoch ist, dass wir Klima- und Umweltzerstörung verursachen“, so der Hauptautor der Studie Dr. Andrew Fanning vom Sustainability Research Institute in Leeds und dem Doughnut Economics Action Lab in Oxford. Dieser Übergang sei allein durch technologische Ansätze zur Verbesserung der Ressourceneffizienz kaum zu erreichen. Wohlhabende Länder müssen über das Streben nach Wirtschaftswachstum als nationales Ziel hinausgehen und stattdessen eine Politik verfolgen, die das menschliche Wohlergehen verbessert, sowie die den Ressourcenverbrauch direkt reduziert, erklärt Fanning weiter. Eine weitere Entwicklung wie bisher ist keine Option. Die Ergebnisse zeigen, dass Wirtschaftssysteme umgedacht werden müssen – weg von unendlichen Wachstumsparadigmen, hin zu weniger Konsum und mehr globaler Gerechtigkeit.

Die Studie ist aktuell im Fachmagazin Nature Sustainability erschienen.

Informationen zu allen 148 Ländern 

Kontakte

Kathrin Trommler
IRI THESys 
Humboldt-Universität zu Berlin 

Tel.: +49 30 20939341
kathrin.trommler@geo.hu-berlin.de

Nicolas Roux, MSc
Universität für Bodenkultur Wien 
Institut für Soziale Ökologie (SEC)

Tel.: +43 670 4040540
nicolas.roux@boku.ac.at

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