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Vom Atlantik bis zum Chinesischen Meer

Die Tagung „Stiftungen in der Weltgeschichte“ findet vom 9. bis 10. Februar an der HU statt

Stifterinschrift an der Synagoge von Córdoba von 1315
Hebräische Inschrift des Stifters Isaak Meḥab an
der Ostwand der Synagoge in Córdoba mit Datum
von 1315. Abbildung: Holly Hayes

Stiftungen sollen soziale Defizite beheben oder Kunst und Wissen­schaft fördern. In diesem Sinne waren sie schon in der Vor­moderne in vielen, wenn nicht allen Gesell­schaften verbreitet.

Unter Leitung von Michael Borgolte, bis vor kurzem Inhaber des Lehrstuhls für Mittelalterliche Geschichte I an der Humboldt-Universität zu Berlin (HU), hat seit 2012 ein Team des vom European Research Council geförderten Projekts „Foundations in Medieval Societies. Cross-cultural Comparisons“ die Eigen­art der verschiedenen Stiftungs­­kulturen im mittel­­alter­­lichen Jahr­tausend (ca. 500-1500 n. Chr.) vergleichend erforscht, vom Atlantik bis zum Chinesischen Meer. Beteiligt waren international rekrutierte Postdocs von sechs Fächern, der Mittelalterlichen Geschichte, der Byzantinistik, Indologie, Islamwissenschaft, Judaistik und Sinologie. Die bisher völlig unüberschaubare Überlieferung hat die Gruppe in einer „Enzyklopädie des Stiftungswesens in mittelalterlichen Gesellschaften“ präsentiert. Deren Ergebnisse werden bei einer Tagung am 9. und 10. Februar 2017 an der HU diskutiert.

Kulturelle Unterschiede

Das Projekt zeigt unter anderem, wie unterschiedlich das Verhältnis von Stiftung und Staat in den Regionen der Welt war. In China konnten sich Stiftungen nur im Bereich buddhistischer oder daoistischer Klöster entfalten, da weite Teile des öffentlichen Lebens starker staatlicher Kontrolle ausgesetzt waren, wie etwa das Schulwesen oder der Straßen- und Brückenbau. Ganz anders war die Lage in muslimischen Ländern: Hier fehlte ein eigener staatlicher Sektor und die Gesamtheit der Gläubigen bildeten das soziale Ganze. Aufgaben des Gemeinwohls, wie Wasserversorgung und Fürsorge, wurden mit Stiftungen unterhalten. Wieder anders war es in christlichen Gesellschaften: Hier hatte die Kirche Anspruch auf Werke der Barmherzigkeit und die Verwaltung des Wissens; eine Freiheit der Stiftung konnten letztlich nur Genossenschaften garantieren.

Die Gruppe FOUNDMED gibt bei der Tagung „Stiftungen in der Weltgeschichte“ internationalen Expertinnen und Experten Gelegenheit, die Ergebnisse der „Enzyklopädie des Stiftungswesens in mittelalterlichen Gesellschaften“ zu kritisieren und zu würdigen. Der Eintritt ist frei.

Tagung „Stiftungen in der Weltgeschichte“

Donnerstag, 9. Februar 2017 14 Uhr bis Freitag, 10. Februar 2017 18 Uhr
Festsaal der HU, Luisenstraße 56, 10117 Berlin

Weitere Informationen

Kontakt

Joseph Lemberg
Institut für Geschichtswissenschaften
Humboldt-Universität zu Berlin
Tel.: 030 2093-1475
lembergj@geschichte.hu-berlin.de

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