Direkt zum InhaltDirekt zur SucheDirekt zur Navigation
▼ Zielgruppen ▼

Humboldt-Universität zu Berlin

Die Welt als Ganzes

Vieles was Alexander von Humboldt ausmachte, ist heute aktueller denn je

Alexander von Humboldt

Humboldt-Universität zu Berlin, Kartensammlung des Geographischen Instituts: Signatur A-842-17. (Justus Perthes, Gotha, 1839)

Er war zu Lebzeiten ein Popstar der Wissenschaft, geriet nach seinem Tod in Vergessenheit, als die Einzeldisziplinen anfingen, sich immer weiter auszubilden und sein ganzheitlicher Ansatz an Aktualität verlor. Heute bezeichnen wir seine Herangehensweise als interdisziplinär oder sogar transdisziplinär. Alexander von Humboldt, dessen Geburtstag sich 2019 zum 250. Mal jährt, war ein Wissenschaftler der Superlative. Von Kindesbeinen an, träumte er davon, die weite Welt zu bereisen und sie bis ins kleinste Detail zu durchdringen. Dieser Traum war in der Welt seiner Mutter nicht vorgesehen, ihr Erbe ermöglichte ihm die Erfüllung. Seine Reise durch Iberoamerika von 1799 bis 1804 fasziniert auch heutige Reisende, viele folgen seinen Spuren.

Humboldt reiste in damals unerschlossene Gegenden – ohne Netz und doppelten Boden. Er legte tausende Kilometer auf dem Orinoko zurück, erforschte den Amazonas und bewies zusammen mit seinem Reisegefährten Aimé Bonpland, dass es eine Verbindung zwischen dem Orinoko und dem Amazonas gibt. In Ecuador bestieg er den Vulkan Chimborazo, der 5.800 Meter über dem Meeresspiegel liegt und damals als der höchste Berg der Welt galt. Der Extremforscher kam nicht ganz bis zur Spitze, aber fast. Immer wieder nahm er in Kauf, dass er auf seiner Expedition sterben könnte – und leitete für diesen Fall Maßnahmen in die Wege: die Veröffentlichung seiner akribisch geführten Tagebücher. Auch sie sind heute noch aktuell. Im Besitz der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz dienen sie für Langzeitforschungsprojekte und geben detaillierte Einblicke in den Kosmos Alexander von Humboldt.

Reisen und Beamtenkarriere

Geboren wurde er am 14. September 1769 in Berlin als zweiter Sohn eines Offiziers des preußischen Hofadels. Seine ersten Lebensjahre verbrachte er mit seinem zwei Jahre älteren Bruder Wilhelm auf Schloss Tegel, dem Familienbesitz. Die Mutter hatte für ihre Söhne eine Beamtenkarriere vorgesehen. Alexander fügte sich zunächst, studierte an der Universität Frankfurt/Oder Kameralistik und folgte dann dem Bruder nach Göttingen, wo er die Fächer Naturwissenschaft, Mathematik und Sprachen belegte. In Göttingen lernte Humboldt Georg Foster kennen, einen deutschen Naturforscher, der an Thomas Cooks zweiter Weltumsegelung teilgenommen hatte und Alexander seinem Traum, die weite Welt kennenzulernen, ein Stück näher brachte. Mit Foster bereiste Humboldt England, die Niederlande und Frankreich. In London lernte er Wissenschaftler und Reisende kennen, die Seefahrertradition der Briten schürte sein Reisefieber. Doch weiter ging es mit der Beamtenkarriere. Nach der Reise begann er ein Studium an der Handelsakademie Hamburg, nach dem Abschluss besuchte er die Bergakademie in Freiberg bei Dresden. Letztere war ein Kompromiss. In der Bergakademie wurde er auf den Staatsdienst vorbereitet, sie erlaubte ihm aber auch, seinen naturwissenschaftlichen Interessen zu folgen. Er stieg in die Tiefen von Bergwerken, studierte Gesteinsproben und Arbeitsmethoden und arbeitete nach Abschluss als Assessor im preußischen Bergdienst, reiste viel, inspizierte Bergwerke, führte eine Reihe von Neuerungen ein und machte Karriere.

Der Pass als wichtiges Utensil

Nach dem Tod der Mutter kündigte Alexander von Humboldt seine Stelle und machte sich auf den Weg. Zuerst reiste er durch Europa – kaufte und testete die neuesten wissenschaftlichen Instrumente und suchte so viel wie möglich über Geologie, Botanik und Zoologie zu erfahren. Während eines Aufenthalts in Paris, die Stadt in der er 25 Jahre seines Lebens verbrachte und die er liebte, lernte der junge Humboldt den Arzt und Botaniker Aimé Bonpland kennen, der sein Begleiter auf seiner Reise durch das heutige Venezuela, Kuba, Kolumbien, Ecuador, Peru, Mexiko und über die USA zurück nach Europa werden sollte. Iberoamerika stand nicht von Anfang als Reiseziel fest, sondern war eine Folge von glücklichen Zufällen und Umständen.

Eines seiner wichtigsten Utensilien in Südamerika war ein Pass. Ausgestellt im Namen des spanischen Königs Karl IV. gewährte er Humboldt weitreichende Reise- und Forschungsfreiheit. Rund 4.500 Tagebuchseiten beschrieb der Universalgelehrte in dieser Zeit. Dabei interessierte ihn fast alles: Menschen, Phänomene der Natur, politische Zustände. Mit intensivem, präzisem, aber auch einfühlsamen Blick auf die Welt, tauchte er in fremde Lebensbedingungen ein, setzte sich mit Themen wie der Sklaverei auseinander, deren Gegner er war.

Begeisternde Vorträge

Er katalogisierte unzählige Pflanzen, untersuchte verschiedene wissenschaftliche Fragestellungen, nahm Bevölkerungsstatistiken auf, untersuchte politische und gesellschaftliche Verhältnisse, interessierte sich für Geologie, Zoologie, Meteorologie und sprachliche Forschung. Unerschöpflich schien sein Wissensdrang zu sein. Das Wichtigste dabei war: Der Universalgelehrte dachte seine Erkenntnisse zusammen, sah die Welt als Ganzes und war auf die Wechselwirkung zwischen den einzelnen Disziplinen bedacht.

Humboldt war gut vernetzt: Um seinen gedanklichen Kosmos entwickeln zu können, stand er mit Wissenschaftlern seiner Zeit in einem ständigen Austausch – durch persönliche Gespräche und Briefe. Er war Vollblut- und ebenso Populär-Wissenschaftler: In den Jahren 1827/28 hielt er 62 Vorträge über physikalische Erdbeschreibungen an der Berliner Universität und 16 an der Sing-Akademie, dem heutigen Maxim-Gorki-Theater. Sie begeisterten Frauen wie Männer, Schülerinnen, Handwerker und Gelehrte, jung wie alt. Im Alter von 65 Jahren begann er mit der Niederschrift dieser Gedankenwelt im „Kosmos – Entwurf einer physischen Weltbeschreibung“, seinem bedeutendsten Werk. Humboldt arbeitete bis wenige Tage vor seinem Tod daran – der letzte Band blieb unfertig. Er starb am 6. Mai 1859 in Berlin.

Forschungsreise nach Lateinamerika

Er widmet er sich ausschließlich naturwissenschaftlichen Studien, die ihn auf ausgedehnte Reisen in mehrere Länder führen. 1799 bricht er zu seiner große Forschungsreise durch Lateinamerika auf, von der er erst 1804 zurückkehrt. Anschließend nimmt er seinen Wohnsitz in Paris. Hier lernt er Simon Bolivar kennen.

1805 promoviert Alexander von Humboldt an der Universität Frankfurt (Oder). Zurück in Berlin, wird er Mitglied der Akademie der Wissenschaften und erhält seine Ernennung zum Kammerherrn des preußischen Königs. Er hält Vorlesungen und schreibt wissenschaftliche Abhandlungen. 1807 verfasst er Vorschläge zur Reorganisation der Berliner Akademie. In diplomatischem Auftrag reist er nach Paris. 1827 nach Berlin zurückgekehrt, beginnt er seine Vorlesung über physikalische Erdbeschreibung an der Berliner Universität, die berühmten "Kosmos-Vorlesungen". 1829 unternimmt Humboldt die russisch-sibirische Forschungsreise.

Autorin: Ljiljana Nikolic