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Wirtschaft

Buchbesprechung des Wissens- und Technologietransferteams

In dieser Reihe bespricht das HU WTT Team interessante oder vielbeachtete Veröffentlichungen rund um die Themen Gründung, Wissen, Innovation und Kreativität. Hiermit möchte das Team Humboldtianer*innen, welche an angewandter Forschung und Gründung interessiert sind, eine erste Orientierung als aber auch vertiefende Einsichten in das Thema Wissens- und Technologietransfer bereitstellen.
Buchbesprechung des Wissens- und Technologietransferteams

@nicolehoneywill

Felix Plötz: Das 4-Stunden Startup - Wie Sie Ihre Träume verwirklichen ohne zu kündigen

Deutschland 2016, 8. Auflage

Autor Felix Plötz ist Wirtschaftsingenieur und hat selbst als Angestellter in einem Großkonzern erfolgreich parallel ein Startup gegründet.

Der reißerische Titel weckt bei den meisten Leser*innen mit Sicherheit zunächst berechtigte Skepsis. Es darf davon ausgegangen werden, dass die Ähnlichkeit zu Tim Ferris Bestseller „Die 4-Stunden Woche“ nicht zufällig gewählt wurde. Insofern ist der Titel nicht ganz wörtlich zu nehmen.  Das Ausmaß der Arbeitsbelastung durch eine Gründung im Nebenjob variiert natürlich erheblich in Abhängigkeit vom jeweiligen Unterfangen.

Wenn man sich von diesem recht plumpen Marketing-Schachzug – und dem noch plumperen Testimonial auf der Rückseite des Covers („Die Bibel der Teilzeitgründer“) - nicht abschrecken lässt, steht einem zunächst eine recht langatmige Lektüre bevor. Der Autor bleibt nach der Titelwahl auch im Inneren des Buches dem amerikanischen Sachbuchstil treu. Um zu den Kernaussagen vorzudringen, muss sich der Leser durch einen Dschungel von anekdotischen Ausschweifungen kämpfen, um im Textdickicht dann letztendlich doch nur recht spärlichen Erkenntniszuwachs zu finden. Leider verzichtet der Autor dabei auch nahezu vollkommen auf ergänzende Abbildungen und andere strukturierende Maßnahmen, so dass man sich über weite Strecken mit unübersichtlichen, monolithischen Textblöcken konfrontiert sieht.

Das ist schade, denn eigentlich ist die Botschaft des Autors eine frohe. Entgegen der gängigen Doktrin des „All-In“, zeigt er, dass es durchaus machbar ist, erfolgreich zu gründen, ohne sich von Beginn an dem vollen Risiko des Scheiterns der eigenen Geschäftsidee auszusetzen. Kern des Buches ist ein vom Autor „Startup-Thinking“ betitelter Ansatz. Dargestellt als Zwiebelmodell beschreibt er die Vorgehensweise der Geschäftsmodellentwicklung mit dem Problem im Zentrum, der darum entwickelten Lösung und letztlich dem darauf aufbauenden „tragfähigen Konzept“(=Geschäftsmodell). Betont wird in allen Ebenen der „Realitätscheck“ zur Überprüfung der eigenen Annahmen. Das ist alles nicht neu und auch nicht spezifisch für eine Gründung nebenher. Wer sich in der Startup-Welt schon ein wenig auskennt, wird die Ähnlichkeit zu den Prinzipien des Design Thinking und dem Build-Measure-Learn Zyklus aus dem Lean Startup nicht übersehen können.

Interessanter wird das Buch daher, wenn der Autor sich im Anschluss der praktischen Umsetzung des Gründungsvorhabens im Detail widmet. Hier findet man tatsächlich viele praktische Hinweise zur Gründung in Nebentätigkeit, die so an anderer Stelle nicht zu finden und dank konkreter Ausführungen wirklich hilfreich sind.

Fazit: Das Buch widmet sich einem wichtigen Thema, dass für die Förderung von Gründungen sehr relevant ist. Gerade für die vielen unglücklichen Tagträumer in ihren Cubicles, denen ihr Sicherheitsbedürfnis als unüberwindbares Hindernis zur Verwirklichung ihrer Träume im Weg steht, macht der Autor Mut. Aber auch für Studierende und Forschende, die nicht gleich alle Brücken hinter sich abbrechen wollen, um mal eine Ihrer Geschäftsideen auszutesten, kann das Buch den entscheidenden Stein des Anstoßes liefern. Neuheitsgrad und Erkenntnisgewinn sind limitiert für jene, die sich schon länger mit der Thematik befassen. Aber gerade für Einsteiger in die Materie – etwas Hartnäckigkeit und Geduld vorausgesetzt - ist die Lektüre durchaus zu empfehlen.

(Sebastian Adolphy, Startup-Tutor)