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Wirtschaft

Lesetipps des Innovation Managements

Das Team des HU Innovation Managements stellt regelmäßig Bücher vor, die allen Humboldtianern, die ihre Ideen und Forschungsergebnisse in die Anwendung bringen möchten, eine Orientierung bieten und die Angebote der Fortbildung des Innovation Managements unterstützen.
Lesetipps des Innovation Managements

@nicolehoneywill

Michael Faschingbauer: Effectuation: Wie erfolgreiche Unternehmer denken, entscheiden und handeln

Deutschland, 2010

Michael Faschingbauer ist selbstständiger Coach, Dozent und Unternehmensberater. Vor der Gründung seines eigenen Unternehmens war er 13 Jahre in der Automobilindustrie beschäftigt; seitdem arbeitet er daran, Effectuation außerhalb der Wissenschaft bekannter zu machen. Effectuation ist eine unternehmerische Entscheidungslogik, die nicht auf vergangenheitsbezogene Daten – und somit auf eine Vorhersage in die Zukunft – basiert und in Situationen und Geschäftsmodellen mit hoher Unsicherheit (wenn belastbare Prognosen nicht möglich sind) angewendet werden kann. Der Ansatz geht auf die heutige Entrepreneurship-Professorin Saras D. Sarasvathy von der University of Virginia zurück, die im Rahmen ihrer Promotion die Entscheidungen erfolgreicher Mehrfachgründer untersuchte.

Faschingbauer hat sein Buch Effectuation: Wie erfolgreiche Unternehmer denken, entscheiden und handeln ähnlich wie ein Werkzeugkasten strukturiert, welcher einem die richtigen Instrumente bereitstellt, um nicht nur die Entscheidungsungewissheit selbstsicher überwinden zu können, sondern auch Möglichkeiten zu eröffnen, den weiteren unternehmerischen Weg fort zu planen. Ziel des Österreichers ist es nicht, kausales Denken durch Effectuation zu ersetzen, sondern es situationsgerecht sinnvoll zu ergänzen.

Vier Grundprinzipien von Effectuation:
  1. Mittelorientierung
    Stellen Sie sich vor, Sie wollen etwas essen, sind aber nicht Einkaufen gegangen und haben keine feste Vorstellung. Nach einem Blick in den Kühlschrank stellen Sie ein Gericht mit den verfügbaren Lebensmitteln zusammen und planen ihr Abendessen. Ebenso beschäftigt sich das Prinzip der Mittelorientierung damit, mit den vorhandenen Mitteln Ziele erreichen zu können. Dies bedeutet oft, mit dem, was man bereits vorliegen hat, zu arbeiten und damit kreativ umzugehen. Auch wenn diese Taktik manchen chaotisch erscheint, ist es ideal für den Effectuator. Dieser kennt seine Ressourcen, Fähigkeiten und somit auch seine Möglichkeiten nicht nur bestens, sondern unterliegt auch nicht dem Zwang der Erfüllung von wenig belastbarer in die Zukunft projizierter Zahlen und Ziele.
  2. Leistbarer Verlust
    Dieses Prinzip bezieht sich ebenfalls auf praktikable Lösungen. Diese sind möglicherweise nicht immer perfekt und erfordern im Einzelfall einen Notfallplan. Der erste Schritt, so Faschingbauer, besteht hier darin, sich alles, was schief gehen könnte, sowie jede erdenkbare mögliche Situation zu vergegenwärtigen. Wenn diese Folgen zu verkraften sind, sollten Sie mit Ihrem Plan fortfahren. Wenn nicht, entwickeln Sie einen Plan B. Entscheidend ist hier, dass Sie sich auf den leistbaren Verlust ausrichten - und nicht auf die erwartete Rendite.
  3. Umstände und Zufälle
    Wie oft haben Sie schon eine Geschichte gehört, die wie folgt formuliert wurde: Eine Person hat ein einzigartiges Problem + sie entwickelt eine kreative Lösung = sie wird zur Multimillionärin dank ihrer neuen Erfindung. Für die/der Autor/in eines solchen Narratives ist oft der Gewinn am Ende der Gleichung weniger wichtig als die Tatsache, dass auf verschiedene Umstände und Zufälle immer mit einer (kreativen) Lösung reagiert werden kann. Ungeplante Ereignisse sollten dementsprechend als Chance und nicht als Herausforderung betrachtet werden.
  4. Vereinbarungen und Partnerschaften
    Kooperation ohne Kompromisse! Die Zusammenarbeit zwischen zwei Effectuators funktioniert am besten, wenn beide ihren eigenen Interessen folgen. Sparen Sie sich die Opportunitätskosten der langen Suche nach einem perfekten Partner, dessen Interessen zu Ihren ideal ausgerichtet sein müssen. Seien Sie stattdessen bereit zu lernen, kreativ und überzeugend zu sein. Faschingbauer empfiehlt, immer Partnerschaften und Vereinbarungen nur mit solchen Unternehmern zu unterhalten, die bereit sind, aktiv Teil einer Kooperation zu sein und sie zu formen.

Effectuation ist aufgrund dieser vier Prinzipien das Gegenteil von linear-kausalem Denken und eignet sich daher besonders für die Planung von Projekten mit vielen unbekannten Faktoren, insbesondere für kleine Unternehmen. Dieses Buch ist ideal als Einführung in ein anderes Denken und ist ein Begleiter bis zum letzten Schritt.

(Christina Stehr, Wagniscoach)