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Humboldt-Universität zu Berlin | Wirtschaft | WTT-Plattform: Förderungen, Kooperationsanfragen und Veranstaltungen | Bekanntmachung des BMBF: Richtlinie zur Förderung von deutsch-französischen Verbundvorhaben zu antimikrobiellen Resistenzen

Bekanntmachung des BMBF: Richtlinie zur Förderung von deutsch-französischen Verbundvorhaben zu antimikrobiellen Resistenzen

Bewerbungen sind bis zum 28. Februar 2020 einzureichen.

Förderziel und Zuwendungszweck

Infektionskrankheiten sind weltweit eine ernste, anwachsende Bedrohung für die Gesundheit und das Leben von Mensch und Tier. Gleichzeitig sinkt die Wirksamkeit vieler Antibiotika wegen der globalen Zunahme antimikrobieller Resistenzen (AMR). Sie erschweren oder verhindern die Behandlung bakterieller Infektionen, bedrohen den Erfolg alltäglicher medizinischer Eingriffe und verursachen schon heute zahlreiche Todesfälle in der Europäischen Union.

AMR gefährden aber nicht nur die menschliche Gesundheit. Es besteht auch eine enge Verbindung zur Tiergesundheit und zur Umwelt. Die häufige Übertragung zwischen den Habitaten beschleunigt die Verbreitung der AMR, so dass neue Herausforderungen entstehen, die nur durch alle Bereiche umfassende, nachhaltig wirkende Lösungen im Sinne von „One Health“ bewältigt werden können. Es ist daher überlebenswichtig, den Informationsaustausch und die ­Zusammenarbeit zwischen der Human- und der Veterinärmedizin und anderen Fachgebieten wie der Biologie, der Chemie, der Landwirtschaft, der Umweltforschung, der Lebens- und Futtermitteltechnologie und den Sozialwissenschaften zu intensivieren.

Auf nationaler und internationaler Ebene wird bereits gegen die Entstehung und Ausbreitung von AMR vorgegangen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat im Jahr 2015 einen globalen Aktionsplan zur Bekämpfung der AMR beschlossen. Zur Umsetzung dieses Plans haben die Vereinten Nationen eine Koordinierungsstelle zur Abstimmung zwischen der WHO, der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) und der Welternährungsorganisation (FAO) ins Leben gerufen. Im Jahr 2017 hat die Europäische Union (EU) ihren „One Health“-Aktionsplan gegen AMR beschlossen. Unter deutscher Federführung wurde zudem im Jahr 2018 der „Global AMR R&D Hub“ gegründet, der global die Investitionen in Forschung und Entwicklung (FuE) mit Bezug auf AMR effektiv koordinieren soll. Zudem haben im Juni 2019 die Staats- und Regierungschefs der 20 großen Wirtschaftsnationen (G20) betont, dass sie die Maßnahmen gegen die Ausbreitung der AMR beschleunigen wollen. Die Bundesregierung hat ihre konkreten Maßnahmen in der Deutschen Antibiotika-Resistenz-Strategie (DART 2020) gebündelt. Hier werden unter anderem sowohl der One-Health-Ansatz, als auch der große Bedarf an Daten und Forschungsergebnissen zur Entstehung und Verbreitung von AMR sowie der Bedarf an neuen antibakteriellen Wirkstoffen hervorgehoben.

Diese Richtlinie dient der gemeinsamen Förderung interdisziplinärer deutsch-französischer Verbundvorhaben durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und das Ministerium für Hochschulen, Forschung und Innovation der Französischen Republik (Ministère de l’Enseignement supérieur, de la Recherche et de l’Innovation, MESRI). Die Forschungsprojekte sollen AMR-bedingte Gesundheitsgefährdungen der Bevölkerung beider Länder adressieren. Darüber hinaus sollen die Projekte die deutsch-französische Zusammenarbeit langfristig stärken und die sich aus der Kooperation ergebenden Synergien nutzen, um Fortschritte bei der Bekämpfung der AMR zu erzielen.

Für die vorliegende Fördermaßnahme wurde von den beteiligten Förderorganisationen ein gemeinsamer englischsprachiger Bekanntmachungstext herausgegeben, der unter https://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/2nd-joint-call-AMR-german-french-projects.php eingesehen werden kann. Er bildet die inhaltliche Grundlage der vorliegenden Bekanntmachung. Es wird dringend empfohlen, den englischen Bekanntmachungstext bei der Erstellung der Projektskizzen zu beachten. Die vorliegende Förderrichtlinie ist die zweite Bekanntmachung zur Stärkung der deutsch-französischen Zusammenarbeit im Bereich der AMR.

Gegenstand der Förderung

Gegenstand der Förderung sind Verbundvorhaben von Konsortien, bestehend aus mindestens einem deutschen und mindestens einem französischen Partner aus der anwendungsorientierten Forschung. Die deutsch-französische Kooperation muss dabei einen Mehrwert für das Forschungsprojekt ergeben. Die Projektergebnisse sollen den Wissensstand zu AMR substanziell erweitern, wissenschaftliche Grundlagen für zukünftige gesundheitspolitische Entscheidungen liefern und/oder innovative Maßnahmen zur AMR-Bekämpfung ermöglichen. Die förderbaren Forschungsprojekte können alle passenden Methoden und alle relevanten wissenschaftlichen Fachgebiete beinhalten, beispielsweise (und nicht beschränkt auf) epidemiologische Methoden wie die Phänotypisierung, die Genotypisierung, statistische Modellierung und/oder Methoden der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften.

Die Projekte müssen dabei einem der folgenden Themengebiete zugeordnet werden können:

1. Innovative Forschung zu AMR in Umwelt-Reservoiren (Wasser, Boden, Wildtiere, Pflanzen, Biofilme auf Plastikabfällen etc.):

  • biologische und epidemiologische Relevanz (Risikoabschätzung) von Umweltreservoiren für Menschen oder Tiere im Hinblick auf die Entstehung, Übertragung und Verbreitung von AMR;
  • Auswirkung von Antibiotika, Antibiotika-Rückständen und anderen Verunreinigungen im Zusammenhang mit hygienischen Maßnahmen für die Gesundheit von Mensch und Tier auf AMR;
  • verbesserte oder neue Methoden zur Quantifizierung oder Charakterisierung von antibiotikaresistenten Bakterien, resistenzvermittelnden Genen und mobilen genetischen Elementen, Antibiotika oder Antibiotika-Rückständen in Umweltproben (z. B. Abwasser, Boden, Luft);
  • innovative Maßnahmen zur Reduktion vom AMR in Umweltreservoiren;

 

2. Innovative Forschung an antibiotikaresistenten Bakterien, die Menschen, landwirtschaftliche Nutztiere, Heimtiere und/oder Lebensmittel besiedeln:

  • Epidemiologie, Biologie und Auswirkungen kolonisierender antibiotikaresistenter Bakterien;
  • innovative Ansätze zur Prävention oder Verminderung der Besiedelung mit antibiotikaresistenten Bakterien;
  • Auswirkungen von Desinfektionsmitteln auf die Entstehung kolonisierender antibiotikaresistenter Bakterien.

Klinische Forschungsprojekte, für die bereits existierende Biobanken und/oder gut etablierte Kohorten genutzt werden, können gefördert werden. Die Rekrutierung von Probanden ist nicht Gegenstand der Förderung.

Ein Projekt kann mit bis zu einer Million Euro gefördert werden und darf bis zu drei Jahre dauern.

Die Erstattung zuwendungsfähiger Ausgaben erfolgt nach Bewilligung durch das jeweilige nationale Ministerium (BMBF oder MESRI) entsprechend der nationalen Gesetze.

Die deutschen Verbundpartner sollen sich an den Empfehlungen zur guten wissenschaftlichen Praxis der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG orientieren, die das BMBF seit dem Jahr 2002 übernommen hat
(https://www.dfg.de/download/pdf/foerderung/rechtliche_rahmenbedingungen/gute_wissenschaftliche_praxis/kodex_gwp.pdf).

 

Zuwendungsempfänger

Antragsberechtigt in Deutschland sind staatliche und nicht staatliche Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sowie Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft mit FuE-Kapazität. Zum Zeitpunkt der Auszahlung einer gewährten Zuwendung wird das Vorhandensein einer Betriebsstätte oder Niederlassung (Unternehmen) bzw. einer sonstigen Einrichtung, die der Tätigkeit des Zuwendungsempfängers dient (Hochschule, Forschungseinrichtung), in Deutschland verlangt.

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) im Sinne dieser Förderrichtlinie sind Unternehmen, die die Voraussetzungen der KMU-Definition der EU erfüllen: [http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32003H0361&from=DE].

Der Zuwendungsempfänger erklärt gegenüber der Bewilligungsbehörde seine Einstufung gemäß Anhang I der AGVO im Rahmen des schriftlichen Antrags.

Forschungseinrichtungen, die von Bund und/oder Ländern grundfinanziert werden, kann neben ihrer institutionellen Förderung nur unter bestimmten Voraussetzungen eine Projektförderung für ihre zusätzlichen projektbedingten Ausgaben beziehungsweise Kosten bewilligt werden.

 

Art und Umfang, Höhe der Zuwendung

Die Zuwendungen werden im Wege der Projektförderung als nicht rückzahlbarer Zuschuss gewährt. Im Rahmen der Förderrichtlinie ist beabsichtigt, deutsch-französische Verbundvorhaben mit einer für das jeweilige Projekt angemessen Zuwendungssumme zwischen ca. 100 000 Euro und eine Million Euro für eine Laufzeit von bis zu drei Jahren zu fördern. Die einzelnen Verbundpartner werden jeweils von dem für sie zuständigen Ministerium (MESRI für französische Partner, BMBF für deutsche Partner) unter Einhaltung der jeweiligen nationalen Regelungen gefördert. Ein gemeinsamer Projektstart aller Verbundpartner wird angestrebt. Die Projekte sollten hinsichtlich ihres Arbeits- und ­Finanzvolumens zwischen den französischen und deutschen Verbundpartnern ausgewogen sein.

Bemessungsgrundlage für Zuwendungen an Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft und für Vorhaben von Forschungseinrichtungen, die in den Bereich der wirtschaftlichen Tätigkeiten [...] fallen, sind die zuwendungsfähigen projektbezogenen Kosten. In der Regel können diese – je nach Anwendungsnähe des Vorhabens – unter Berücksichtigung der beihilferechtlichen Vorgaben bis zu 50 % anteilsfinanziert werden. Nach BMBF-Grundsätzen wird eine angemessene Eigenbeteiligung – grundsätzlich mindestens 50 % der entstehenden zuwendungsfähigen Kosten – vorausgesetzt. Zum Nachweis der Finanzierbarkeit des Eigenanteils sind auf Verlangen Unterlagen zur Prüfung der Bonität vorzulegen.

Bemessungsgrundlage für Zuwendungen an Hochschulen, Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen und vergleichbare Institutionen, die nicht in den Bereich der wirtschaftlichen Tätigkeiten fallen, sind die zuwendungsfähigen projektbezogenen Ausgaben, die unter Berücksichtigung der beihilferechtlichen Vorgaben individuell bis zu 100 % gefördert werden können.

Weitere Informationen finden Sie hier.