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Bekanntmachung des BMBF: Richtlinie zur Förderung eines systemmedizinischen Forschungsnetzes zur Früherkennung und Prävention von Leberkrebs (LiSyM-Krebs) im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Krebs

Bewerbung bis zum 18. Mai 2020 möglich

Förderziel und Zuwendungszweck

Krebs gehört neben Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu den größten Volkskrankheiten weltweit. In Deutschland erkrankt jeder Zweite im Laufe seines Lebens einmal an Krebs, jeder Vierte stirbt daran. Aufgrund der demografischen Entwicklung der Bevölkerung ist diese Tendenz weiter steigend. Die hohe Inzidenz und das mit Krebs verbundene Leid für Patientinnen und Patienten und deren Angehörige machen eine wirksame Bekämpfung von Krebs auch in Deutschland zu einer der größten gesundheitspolitischen Herausforderungen, die nur durch gemeinschaftliche und verstärkte Anstrengungen aller wichtigen Akteure aus der medizinischen Forschung und Versorgung unter Einbeziehung der Patientinnen und Patienten bewältigt werden kann.

Hier setzt die vom BMBF gemeinsam mit weiteren Partnern ausgerufene Nationale Dekade gegen Krebs an mit dem Ziel, die Menschen in Deutschland für das Thema Krebsforschung zu mobilisieren und gleichzeitig die Forschung zu stärken, um Innovationen schneller und gezielter zu Patientinnen und Patienten zu bringen. Dabei werden drei langfristige Ziele verfolgt: (i) die Vorbeugung/Verhütung von Krebserkrankungen (Prävention), (ii) die frühzeitige Erkennung von Krebserkrankungen (Frühdiagnose) und (iii) die Entwicklung besserer Behandlungsmöglichkeiten für Krebserkrankungen (Therapie).

In diese Zielsetzungen bettet sich die vorliegende Fördermaßnahme ein. Förderziel ist es, mit Hilfe des systemmedizinischen Forschungsansatzes neue Ansatzpunkte für Verbesserungen bei der Früherkennung und Prävention von ­Leberkrebs zu erhalten. Die Fördermaßnahme adressiert damit die Handlungsfelder „Krankheiten vorbeugen und heilen“ und „Medizinischen Fortschritt vorantreiben“ des Rahmenprogramms Gesundheitsforschung der Bundesregierung. [...]

Aufgrund der schlechten Heilungsaussichten im fortgeschrittenen Stadium und der steigenden Inzidenz kommt der Vorbeugung und der Früherkennung von Leberkrebs eine besondere Bedeutung zu. Ein wesentlicher Schwerpunkt des Forschungsnetzes zur Systemmedizin der Leber (LiSyM) war die gemeinsam von Medizinern, Informatikern, ­mathematischen Modellierern und Molekularbiologen durchgeführte interdisziplinäre Erforschung der pathophysio­logischen Prozesse, die in einer chronisch geschädigten nicht-alkoholischen Fettleber (NAFLD) im Vergleich zu einer gesunden Leber ablaufen. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf die Untersuchung des Phänomens gelegt, dass sich die Krankheit bei manchen Menschen auch über Jahrzehnte nicht weiterentwickelt und kaum Einfluss auf die Lebensqualität hat, während sie bei anderen Menschen eine zum Teil dramatische Progression erfährt, die entweder direkt oder über eine nicht-alkoholische Leberentzündung (Steatohepatitis) und eine Leberzirrhose zu Leberkrebs führen kann. Da der Anteil an übergewichtigen Menschen, die im Laufe ihres Lebens eine Fettleber entwickeln, in den westlichen Industrienationen immer mehr zunimmt und diese Erkrankung in Deutschland wesentlich für den Anstieg der Leberkrebsfälle verantwortlich ist, stellen diese in LiSyM begonnenen Forschungsarbeiten eine wichtige Basis für die Bearbeitung onkologischer Forschungsfragen dar.

Zuwendungszweck der vorliegenden Förderrichtlinie ist der Aufbau eines systemmedizinischen Forschungsnetzes für Leberkrebs (LiSyM-Krebs), das auf den Erkenntnissen aus dem Forschungsnetz Systemmedizin der Leber (LiSyM) aufbaut und die systemmedizinischen Modelle für Anwendungen in der Krebsforschung anpasst und weiterentwickelt. Dabei sollen über innovative systemmedizinische Forschungsansätze neue und verbesserte Verfahren zur Frühdiagnose und Prävention von Leberkrebs entwickelt werden.

 

Gegenstand der Förderung

Gefördert wird ein nationales Forschungsnetz zur Früherkennung und Prävention von Leberkrebs, das unter Verwendung des systemmedizinischen Forschungsansatzes die komplexen, dynamischen Prozesse der Krankheitsprogression analysiert, um ausgehend von den Erkenntnissen aus dem Forschungsnetz LiSyM die Entstehung von Leberkrebs besser zu verstehen, vorherzusagen und im besten Fall sogar zu verhindern.

Ein Großteil der bösartigen Tumoren der Leber bilden sich aus den Leberzellen selbst (hepatozelluläres Karzinom), ein geringerer Teil aus den Gallengängen innerhalb der Leber (Cholangiokarzinom). In den meisten Fällen geht dem ­hepatozellulären Karzinom ein krankhafter Gewebeumbau (Leberzirrhose) voraus und auch das Risiko für die Entstehung eines Cholangiokarzinoms wird durch eine Leberzirrhose deutlich erhöht.

Die in LiSyM entwickelten mathematischen Computermodelle der gesunden und der chronisch kranken Leber bilden wesentliche Einflussgrößen für die unterschiedlichen Krankheitsverläufe einer chronisch verfetteten Leber ab. Diese systemmedizinischen Modelle sollen im Forschungsnetz LiSyM-Krebs um die Faktoren erweitert und ausgebaut werden, die ausgehend (i) von einer gewöhnlichen nicht-alkoholischen Fettleber, (ii) von einer nicht-alkoholischen Fettleber-Entzündung über eine Leberfibrose und (iii) von einer fortgeschrittenen Leberzirrhose in unterschiedlichen Krankheitsverläufen zu Leberkrebs führen können.

Das übergeordnete Ziel von LiSyM-Krebs ist es, mögliche systemmedizinische Ansatzpunkte für die Frühdiagnose zu erarbeiten und therapeutische Maßnahmen zu entwickeln, die bereits bei Vorstufen von Leberkrebs ansetzen und so eine individuelle Krebs-Prävention ermöglichen. Diese präventiven Maßnahmen sollen durch die Untersuchung möglicher Korrelationen zwischen den Lebensgewohnheiten der Patientinnen und Patienten und der Krebsentstehung ergänzt werden. Darüber hinaus können einzelne systemmedizinische Modelle der Entwicklung von Computer-basierten Entscheidungswerkzeugen dienen, die die behandelnden Ärztinnen und Ärzte bei der Erstellung einer differenzierten Diagnose unterstützen. Mithilfe dieser Modelle können individuelle Prognosen zum Krankheitsverlauf erstellt werden, um daraus die besten Präventions- und Therapiemaßnahmen für jede einzelne Patientin und jeden einzelnen Patienten abzuleiten. Unter Berücksichtigung des Regenerationsvermögens der Leber könnten beispielsweise Vorhersagen zur Sinnhaftigkeit von operativen Maßnahmen oder zur Notwendigkeit einer Lebertransplantation getroffen werden. Zudem könnte mithilfe der Modelle der Einsatz von Therapeutika präzise auf die Bedürfnisse des einzelnen Patienten angepasst werden.

Für die klinische Translation und zur Validierung der entwickelten Modelle muss ein unmittelbarer Zugang zur klinischen Krankenversorgung, zu Patientenproben und Patientendaten gewährleistet sein. Ebenso müssen standardisierte Pipelines für die Gewinnung von quantitativen Daten und deren Auswertung etabliert sowie nicht-invasive bildgebende Verfahren entsprechend weiterentwickelt werden. Die Validierung und Anwendung der präzise kalibrierten Modelle in der klinischen Praxis soll in einer engen Zusammenarbeit zwischen Experten aus verschiedenen Wissenschaftsdiszi­plinen und den behandelnden Ärztinnen und Ärzten erfolgen. Diese sollen für eine verbesserte Überwachung von Patienten mit einer chronischen Leberschädigung genutzt werden, um pathologische Veränderungen vorherzusagen bevor es zur Krebsentstehung kommt, bzw. in der Frühphase der Krebsentwicklung Interventionsmaßnahmen einzuleiten, um die Heilungschancen zu verbessern.

Mit der vorliegenden Fördermaßnahme werden daher interdisziplinäre Forschungsansätze gefördert, die darauf abzielen, die komplexen Prozesse bei der Entstehung von Leberkrebs auf den verschiedenen biologischen Ebenen und zwischen den relevanten Signalwegen zu verstehen und nutzbringend für Patientinnen und Patienten zu verwenden. Dazu soll ein interdisziplinäres Netzwerk aus Forschern und Standorten aus ganz Deutschland gebildet werden, in dem die einzelnen Arbeitsgruppen netzwerkübergreifend zusammenarbeiten. Die untersuchten Forschungsfragen sollen einen klaren Krankheitsbezug besitzen und einen substantiellen Beitrag zur Früherkennung und Prävention von Leberkrebs leisten. Dabei sind die integrativen Wirkungen dieser Fragestellungen hinsichtlich der zu erwartenden Synergieeffekte in einem interdisziplinären Forschungsnetzwerk von großer Bedeutung.

Die Anteile aus dem theoretischen Bereich (z. B. mathematische Modellierung, Biostatistik, Bioinformatik) und dem experimentellen Bereich (z. B. Molekularbiologie, Zellbiologie, Genetik, Biochemie) müssen in ausgewogener Weise in der Projektplanung berücksichtigt sein. Die Einbindung von Fachkompetenz aus dem klinischen Bereich ist obligatorisch. Weitere Disziplinen, wie Medizininformatik und Gesundheitsökonomie, können ebenfalls hinzugezogen werden, etwa um Daten aus der Patientenversorgung für das Forschungsnetz nutzbar zu machen, oder um Fragen zur Effektivität von Interventionen und den Kosten von Folgeerkrankungen zu untersuchen.

Um den Prozess zu unterstützen und eine offene Beteiligung an den Forschungsverbünden zu erreichen, ist seitens des Förderers während der Antragsphase ein „Partnering-Event“ geplant. Dieses soll interessierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aller relevanten Fachdisziplinen, insbesondere der Medizin, als Plattform dienen, um eine Teilnahme an dem Forschungsnetz LiSyM-Krebs zu sondieren. Details hierzu werden nach der Bekanntmachung im Bundesanzeiger auf der Internetseite des zuständigen Projektträgers zur Verfügung gestellt.

Um die angesprochenen Themenfelder zielführend zu bearbeiten, muss die Verfügbarkeit von bzw. der Zugang zu klinischen Materialbanken in ausreichender Qualität bestehen (Zellen, Gewebe, Blut, DNA, eventuell ganze Organe etc.) und der Zugang zu den damit einhergehenden klinischen Daten der Probanden gesichert sein. Bei nur begrenztem Zugang und noch fehlenden Kohorten kann auch auf für die Fragestellung relevante Tiermodelle zurückgegriffen werden.

Für die Umsetzung der Förderrichtlinie LiSyM-Krebs sind zwei Förderphasen vorgesehen. Die erste Förderphase dient dem Aufbau des Forschungsnetzes durch die Auswahl und Vernetzung von Forschungsverbünden, die durch ein gemeinsames Daten- und Projektmanagement unterstützt werden. Um eine besonders intensive und effiziente Zusammenarbeit aller bisher beteiligten Arbeitseinheiten zu gewährleisten, soll das erfolgreiche Programm-Management des LiSyM-Netzwerks im Forschungsnetz LiSyM-Krebs fortgeführt werden. Das Programm-Management unterstützt die Steuerung des gesamten Netzwerkes und ist gemeinsam mit den Projektleitern verantwortlich für den regelmäßigen Informationsaustausch. Die etablierte wissenschaftliche Plattform zur internen und externen Kommunikation (z. B. Organisation von jährlichen Workshops, Doktorandentreffen, Kooperationstreffen sowie der internationalen Konferenz „Systems Biology of Mammalian Cells“) soll dabei weiterhin genutzt werden. Ebenso soll das bereits etablierte Datenmanagement des Vorläufer-Netzwerks LiSyM weiterhin genutzt werden, um alle erarbeiteten Daten und Modelle des Netzwerks verfügbar zu machen. Das Programm-Management und das Datenmanagement des Forschungsnetzes LiSyM–Krebs sollen zeitgleich mit der Einreichung von Projektskizzen beantragt werden.

Mit der zweiten Förderphase sollen innerhalb des Netzwerks vorhandene Synergien verstärkt genutzt und Ausgangspunkte für anwendungsnahe klinische Forschungsprojekte oder gegebenenfalls für eine wirtschaftliche Anschlussfähigkeit geschaffen werden. Um dies zu erreichen, soll das Netzwerk in dieser Phase neue, netzwerkübergreifende Fragestellungen aufgreifen und die bisherigen Forschungsprojekte weiter in Richtung ihrer klinischen Translationsperspektive fokussieren. Dabei sollen alle für die jeweilige Fragestellung relevanten Expertisen der verschiedenen Netzwerkpartner eingebunden werden.

 

Zuwendungsempfänger

Antragsberechtigt sind deutsche staatliche und nichtstaatliche Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, Einrichtungen der Gesundheitsversorgung sowie Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft mit FuE-Kapazität, wie z. B. kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Zum Zeitpunkt der Auszahlung einer gewährten Zuwendung wird das Vorhandensein einer Betriebsstätte oder Niederlassung bzw. einer sonstigen Einrichtung, die der Tätigkeit des Zuwendungsempfängers dient in Deutschland verlangt.

 

Art und Umfang, Höhe der Zuwendung

Die Förderung des Forschungsnetzes LiSyM-Krebs ist für einen Zeitraum von bis zu sechs Jahren in zwei Förderphasen von in der Regel jeweils drei Jahren vorgesehen.

Die von den antragstellenden Konsortien vorzulegenden wissenschaftlichen Konzepte und Finanzpläne für die erste Projektphase sind für einen Zeitraum von drei Jahren auszugestalten. Für die geplante Zwischenevaluierung nach zweieinhalb Jahren Laufzeit wird das Forschungsnetz LiSyM-Krebs aufgefordert, zusätzlich zum gemeinsamen Zwischenbericht über die erste Förderphase in einem gemeinsamen Gesamtkonzept Projektvorschläge für eine dreijährige zweite Förderphase vorzulegen. Das wissenschaftliche Konzept und die Finanzplanung sind wiederum für einen Zeitraum von drei Jahren auszugestalten. Detaillierte Angaben zu Aufbau und Umfang des Konzepts werden zusammen mit der Aufforderung zur Erstellung des gemeinsamen Zwischenberichts bekannt gegeben. In der anschließenden Zwischenevaluierung werden der Zwischenbericht für die erste Förderphase und das Konzept für die zweite Förderphase bewertet und Empfehlungen für die weitere Förderung ausgesprochen.

 

Weitere Informationen finden Sie hier.