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winter semester 2015/2016

Vorlesung

 

»The Atomic Age. Vergangene Zukünfte der technowissenschaftlichen Moderne«

Prof. Dr. Sebastian Vehlken

Die Vorlesung widmet sich dem vielleicht wirkmächtigsten und polarisierendsten Fortschrittsdiskurs des 20. Jahrhunderts: Dem Atomaren Zeitalter. Vom Schönheitsprodukt Radon in den 1920er Jahren und den energieutopistischen Traumwelten der 1950er Jahre reicht dieses Zeitalter über die weltweiten existenziellen Ängste vor einer thermonuklearen Apokalypse im Kalten Krieg und die Anti-Atomkraft- und Friedensbewegung ab den späten 1970er Jahren bis hin zu Rehabilitierungsversuchen dieser Technik im Zuge jüngster Klimawandeldebatten.

In diesem Zeitalter und seinem »atomaren Denken« (z.B. Stan Ulam, Hans Bethe, Robert Oppenheimer, Edward Teller, Herman Kahn, Martin Heidegger, Günther Anders, Robert Jungk, Wolf Häfele) wird eine Technologie gefeiert, gefürchtet, verabschiedet, leidenschaftlich bekämpft oder wiederbelebt, die zugleich grenzenlosen Fortschritt versprach, wie auch die Kehrseiten eines unbedingten technischen Fortschrittsglaubens offenbarte. Das Atomic Age verbindet die blühendsten Utopien mit den dunkelsten Dystopien. Diese Vorlesung macht sich auf die Suche nach den medientechnischen Möglichkeitsbedingungen dieses futurologischen Spagats. Sie verbindet dabei eine Mediengeschichte physikalischer Grundlagen und nukleartechnischer Innovationen im militärischen wie im zivilen Bereich mit kulturtheoretischen, juristischen und soziopolitischen Themen sowie der popkulturellen Bedeutung dieses Zeitalters – von Dr. Strangelove über Godzilla bis hin zu Radioactive Man. (Agnes Veranstaltungsnr. 84001) (Vorlesungsplan)

 

Seminare

 

»Mediengeschichten der Computersimulation«

Prof. Dr. Sebastian Vehlken

Kaum ein Bereich der Wissenschaft kommt heutzutage ohne den Einsatz von Computersimulationen aus. Seien es Crashtests oder Computerexperimente zur Aero- und Hydrodynamik, seien es Klimamodelle oder Epidemiesimulationen, seien es Visualisierungen komplexer Dynamiken in der Elementarteilchenphysik oder im menschlichen Gehirn: Überall, wo klassische Forschungsstrategien zwischen Theorie und Experiment an ihre Grenzen gelangen, wird auf Computersimulationen zurückgegriffen. Was bedeutet dies für die Arbeit der Forscher_innen? Welche Übersetzungsprozesse und ›Dialekte der Simulation‹ (vgl. Gramelsberger 2013) müssen beachtet werden, wenn man von einem Realweltphänomen über dessen mathematische Modellierung, seine Codierung in einem bestimmten Software-Modell, deren statistische Auswertung und schließlich ihre computergraphische Visulisierung gelangen will? Und was heißt es für den Begriff des »Wissens«, wenn Konzepte wie Gesetz, Beweis, Wahrheit oder Genauigkeit durch solche wie Regel, Adäquatheit, Richtigkeit oder Performanz irritiert werden (vgl. Pias 2011)? Das Seminar untersucht an ausgewählten Fallbeispielen die historische Genealogie der Computersimulation seit ihrer Geburtsstunde im Kontext der Entwicklung zur Wasserstoffbombe, geht ihren theoretischen und praktischen Konsequenzen in exemplarischen Disziplinen nach, diskutiert Computersimulation im Hinblick auf einen weiteren und allgemeineres Konzept der ›Simulation‹ und fragt kritisch nach Grenzen des Simulierbaren. (Agnes Veranstaltungsnr. 84004)

 

»Rechnende Tiere«

Prof. Dr. Sebastian Vehlken

Tiere bilden nicht erst seit Norbert Wieners kybernetischem Diktum von Communications and Control in the Animal and the Machine nicht mehr nur als Illustrationen, sondern als regelrechte Wissensfiguren ein epistemologisches Zentrum, um das herum sich Diskurse von Menschen und Maschinen ausbilden: »Mit Blick auf das Tier kann deutlich werden, was Komplexität bei Menschen und Maschinen heißt« (vgl. Bühler/Rieger 2006). Das Seminar möchte verschiedene Ebenen der Wissensfigur Tier untersuchen, indem es in einer medienhistorischen Perspektive die Schnittstellen einerseits einer Berechnung und schließlich Digitalisierung tierischen Lebens, und andererseits einer Animalisierung (computer-) technischer Systeme in den Fokus nimmt. Dabei stellen sich z.B. folgende Fragen: Wo und in welcher Weise stehen sich Tiere und digitale Technologien gegenseitig Modell? Hat sich die Vision einer kybernetischen Tierwelt heute tatsächlich erfüllt? Inwieweit können Roboter, die auf dem Mars nach ›Leben‹ suchen, bereits selbst als lebendig angesehen werden? Um diese und andere Fragen anzugehen, stehen zunächst Berechnete Tiere im Mittelpunkt, und damit eine Funktionalisierung tierischen Lebens (Mareys Bewegungsstudien, Behaviorismus, protokybernetische Funktionskreisen, robotischen Verkörperungen, evolutionäre Codestrukturen). Danach wendet sich das Seminar Rechnenden Tieren zu, und damit z.B. militärischen ›Animals in Mission‹, Bionik und Camouflage, Artificial Life, (Computer-) Virologie, und der Animation digitaler Kreaturen. Die Mediengeschichte berechneter und rechnender Tiere ist somit zugleich eine Geschichte des Aufschlusses neuer Räume des Wissens. (Agnes Veranstaltungsnr. 84006)

 

»Swarm Intelligence«

Prof. Dr. Sebastian Vehlken

Schwarmphänomene stehen seit einiger Zeit im Zentrum kultur- und sozialhistorischer Debatten. Ihre Konjunktur verdankt sich der Attraktion verteilter Organisationsweisen, kollektiver Intelligenzen und nicht zuletzt der Effizienz zoopolitischer Metaphern. Doch zwischen biologischen und sozialen Ordnungsideen lässt sich ein technologisches Drittes ausmachen: Nicht nur werden in der Biologie seit 1900 verschiedenste Medientechniken eingesetzt, um Schwärme wissenschaftlich zu erforschen – von Beobachtungen im Ozean über Experimente in Aquarien bis hin zu mathematischen Modellen und Computersimulationen. Vielmehr inspirieren Schwärme seit Ende des 20. Jahrhunderts selbst computertechnische Verfahren, die sich mit komplexen Regelungsfragen und intransparenten Problemen auseinandersetzen – von der Logistik bis zur Finanzmarktsimulation, oder von der Epidemologie bis hin zu Robotersystemen. Erst dieser Verschränkung eines Wissens der Biologie mit einem Wissen der Computertechnik ist es zu verdanken, dass sich Schwärme von Phänomenen der Störung und des Chaos zu Kollektivsystemen wandelten, denen eine besondere Form verteilter Intelligenz zugeschrieben wird.

Dieses Seminar untersucht, wie man Schwärme als regelrechte Zootechnologien verstehen kann. Auf welche biologischen Schwarmformen beruft sich die neue Techno-Kollektivität? Und warum werden Schwärme um 2000 in so vielen verschiedenen Bereichen en vogue? Entlang einer Mediengeschichte der Schwarmforschung (vgl. Vehlken 2012) legt das Seminar dar, wie erst medientechnische Entwicklungen den neuerdings erhobenen ›schwärmerischen‹ Ton auch sozio-politischer Diskurse ermöglichten, und wie sie die komplexen Resonanzen zwischen Netzwerk-Euphorien, selbstorganisierenden Steuerungsideen und einer Ästhetik des Kollektiven bestimmen. (Agnes Veranstaltungsnr. 84005)

 

»Ursaurier – eine Ausstellung zwischen »Science« und »Fiction« II: Realisation«

Prof. Dr. John Nyakatura und Felix Sattler

Eine interdisziplinäre Ausstellung zum Thema »Ursaurier« wird von Studierenden realisiert! Mit dem fossilen Skelett eines ca. 300 Mio. Jahre alten Ursauriers ist ein spektakulärer Fund im Thüringer Wald gemacht worden, der nun im Rahmen eines von der Volkswagen Stiftung geförderten Projekts untersucht wird. Im Ausstellungsseminar werden im Co-Teaching naturwissenschaftliche und geisteswissenschaftliche Fragestellungen verknüpft. Neben der biologischen Bedeutung des Fundes soll auch thematisiert werden, wie gerade bildliche Darstellungen unsere Vorstellung einer prähistorischen Lebenswelt bestimmen. Bilder transportieren das neue Wissen, aber in den Darstellungen werden auch immer spekulative Annahmen konkretisiert. Nicht zuletzt dieses Verhältnis von »Science« und »Fiction« soll kritisch und innovativ inszeniert werden. Das Seminar ruft Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen dazu auf, ihr spezifisches Fachwissen in ein konkretes Ausstellungsprojekt einzubringen.

Die Lehrveranstaltung besteht aus zwei, jeweils eigenständigen Teilen: Das Seminar im SoSe 2015 diente der gemeinschaftlichen Konzeption der Ausstellung. Drei große Themenfelder haben sich herauskristallisiert: 1.) »Objektbiographie: Der Ursaurier auf dem Weg ins Anthropozän«, 2.) »Rekonstruktion von Skelett und Bewegung: Akteure, Netzwerke und Distanzen« und 3.) »Re-Konstruktionen: Bilder als Evidenzmacht«. Im Wintersemester realisieren die Studierenden gemeinsam eine Wanderausstellung. (Agnes Veranstaltungsnr. 84008)

 

»Du bist, was du isst? - Ernährung: Diskurse, Inszenierungen«

Linda Rabea Heyden und Marie Schröer

Bei uns geht es dieses Semester um die Wurst! Ausgehend vom konkreten Wissensobjekt Currywurst werden wir uns dem Themenkomplex food studies aus interdisziplinärer Perspektive nähern. Die ständige Präsenz des Themas Essen im Alltag täuscht leicht darüber hinweg, dass mit der schlichten Praxis der Nahrungsaufnahme vielfältige Diskurse und komplexe Zeichengefüge verknüpft sind: Was wo gegessen wird und wie gegessen wird, verweist auf Geschichte, Kultur und Selbstverständnis einer Region. Essen ist Identitätsmarker und Distinktionsmittel. Anhand der Currywurst sollen soziokulturelle Zuschreibungen wie Geschmack, Klasse und Geschlecht ebenso untersucht werden, wie agronomische, ökologische und ökonomische Faktoren, die die Herstellung von Currywurst bedingen. Als »Nationalgericht« und als Speise »des kleinen Mannes« ist die Currywurst Gegenstand politischer Inszenierungen und Teil von Debatten um Interkulturalität. Im diachronen Vergleich werden wir die Entwicklung von Imbisskultur und Schnellrestaurants wie auch aktuelle Trends in den Blick nehmen: Die Nobelvariante im »Currywurst und Champagner-Menü« und die ethisch korrekte vegane Ausführung zeigen, wie der einst per definitionem unprätentiöse Snack mit neuen Konnotationen besetzt wird. Dies lässt sich gleichfalls mittels linguistischer Analysen aus dem Bereich der Essensidiomatik nachweisen. Neben den üblichen Lektüreangeboten werden wir unterschiedlichste Medien in die Untersuchung einbeziehen, um aus diesen Zutaten schließlich ein selbstgewähltes Seminarprodukt zum Thema Currywurst zu kreieren. (Agnes Veranstaltungsnr. 840010)

 

»Nachhaltigkeit von allen Seiten oder: MOOCst Du schon? Klimawandel und seine Folgen«

Tina Harms und Dr. Michael Lüken

Der menschengemachte Klimawandel ist da, daran gibt es keinen Zweifel. Schon 1957 sagte der Physiker Roger Revelle in einem bemerkenswerten Interview mit der New York Times, dass die Menschen mit dem Planeten ein langfristiges geophysikalisches Experiment durchführen, das in der Vergangenheit nicht möglich gewesen wäre und in der Zukunft nicht wiederholbar sein wird.Wie gehen wir damit um? Was genau passiert mit dem Planeten und mit uns? Welche Auswirkungen spüren wir schon und was ist zu erwarten? Die Wissenschaft hat in vielen Disziplinen Antworten auf diese Fragen, die wir in einem ganz neuen Massiv Open Online Course (MOOC) zusammengestellt haben. Hier sprechen zum ersten Mal die führenden Köpfe der deutschen Klimawissenschaft in einem Kurs zu diesem Thema.

Neben dem Onlinekurs über 5 Wochen wird diese Lehrveranstaltung auch Präsenztermine haben, ist also ein Blended Learning Format.

Wir möchten in den Präsenzzeiten Fragen zum Inhalt beantworten, diskutieren, wie die Schnittstelle der verschiedenen Wissenschaftler_innen in dem MOOC aussieht, die Methode des MOOC analysieren und die Verzahnung von Inhalt und Didaktik evaluieren.

Die Interdisziplinarität des Themas wird auch auf der Lehrendenseite abgebildet, denn wir stehen zu zweit an der Schnittstelle zwischen Soziologie, Wirtschaftswissenschaften und Physik und freuen uns sehr auf Studierende aller Disziplinen, die Interesse an Querschnittsthemen und innovativen Lehrformaten haben und sich endlich mal fundiertes Wissen zum Klimawandel aneignen wollen! (Agnes Veranstaltungsnr. 84009)

 

»Bienen-Wissen. Poetik, Politik und Zoologie im 20. Jahrhundert«

Sebastian Schönbeck

In dem Seminar Bienen-Wissen wollen wir untersuchen, auf welche Weise Bienen im 20. Jahrhundert zu Gegenständen epistemologischer Fragen werden, die sich auf die Bereiche des Politischen und der Literatur sowie der Zoologie erstrecken. Entlang von literarischen, sowie biologischen und philosophischen Texten des 20. Jahrhunderts soll die Frage nach einem den Bienen eigenen Wissen aus einer kulturwissenschaftlichen Perspektive in den Blick genommen werden: Ist mit den Bienen stets ein Wissen (in) der Krise verbunden? Inwiefern handelt es sich bei dem Bienen-Wissen um ein »unsicheres« Wissen? Die Anlage des Seminars ist demnach dezidiert interdisziplinär. Im Fokus stehen disziplinenübergreifende Fragen nach der »Sprache der Bienen« in der Zoologie, den »Bienen der Sprache« in der Literatur, sowie nach den politischen Potentialen des Bienen-Wissens. (Agnes Veranstaltungsnr. 840011)

 

»Wie entsteht das Neue? Epistemische Prozesse in der Physik«

Prof. Dr. Christian Kassung, Prof. Dr. Jürgen Rabe und Prof. Dr. Matthias Staudacher

Im Zentrum dieses Seminars, das gemeinsam vom Institut für Physik und vom Kulturwissenschaftlichen Institut angeboten wird, steht die Frage danach, wie in den Naturwissenschaften das Neue entdeckt, produziert, bewertet und kommuniziert wird. Das Neue ist der zentrale Motor der (westlichen) Wissensschaftsgeschichte, aber zugleich eine ebenso fragile wie komplexe Kategorie. Am Beispiel von Nobelpreisen, Patenten, Artefakten, Elementarteilchen und Formeln wollen wir uns die historische wie aktuelle Dimension des Neuen v.a. innerhalb der Physik erschließen. Anmeldung zum Seminar bitte an einen der Dozenten mit kurzem Motivationstext per E-Mail. (Agnes Veranstaltungsnr. 3315630)

 

Workshops

 

»(Forschungs-)Aquarien. Von Black Fish zu Robofish«

Prof. Dr. Sebastian Vehlken

Kultur- und Wissensgeschichten des Aquariums erfreuen sich in letzter Zeit großer Beliebtheit (vgl. z.B. Isabell Kranz, Mareike Vennen, Christina Wessely). Was dabei unterbelichtet bleibt, ist das wissenschaftliche Forschungsaquarium. Der Workshop macht sich auf die Spur nach aktuellen Forschungen, Forschungsfragen und Experimentalanordnungen, in denen sich im Aquarium eine Verhaltenswissenschaft von Tieren und eine Verhaltenswissenschaft technischer Systeme miteinander koppeln und sich gegenseitig informieren. Wo Filme wie Black Fish noch die Paranoia in Gefangenschaft lebender Orcas behandeln, oder wo John C. Lilly in den 1960ern noch menschliche Probanden mit Delphinen wortwörtlich Tür an Tür wohnen ließ, sind es im IGB Berlin, dem Kooperationspartner dieses Workshops (dort v.a. Prof. Dr. Jens Krause), Experimente mit Roboterfischen, mit denen das Verhalten biologischer Fische in kontrollierter Umgebung manipuliert und getestet wird. Der Workshop sucht in drei Blockveranstaltungen (1. Wissen(schafts)geschichte, 2. Aquarienfilme, 3. Experimentalsysteme und Robofishes) auf der Basis historischer Beispiele aquariengestützter Verhaltensforschung das Gespräch mit Experten aus der aktuellen biologischen Verhaltenswissenschaft und fragt nach deren Kontinuitäten und Brüchen. (Agnes Veranstaltungsnr. 84007)

 

 

summer semester 2015

Vorlesung

 

»Umwelt, Medium, Milieu. Zur Wissen(schaft)sgeschichte des ökologischen Denkens«  

Prof. Dr. Katja Rothe

Mit der Wende zum 20. Jahrhundert werden in verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen Konzepte des Umweltlichen formuliert. Ob in der Biologie, in der Anthropologie, in der Soziologie, in der Psychologie, Neurologie, in der Physiologie oder in der Geobotanik – das ökologische Denken boomte. Die Vorlesung skizziert beispielhaft Konzepte des Ökologischen in den genannten Disziplinen anhand der je spezifischen Begriffe wie Umwelt, Medium, Milieu, Situation. Gleichzeitig werden diese theoretischen Konzepte in einer ebenfalls um die Jahrhundertwende sich entwickelnde Umwelt- und Lebensreformbewegung situiert. In Gartenstädten wird genossenschaftlich ökologischer Landbau betrieben, Tierschutzvereine gründen sich, Naturschutzparks werde eingerichtet und alternative Heil- und Bewegungslehren versuchen auch den menschlichen Körper ›ganzheitlicher‹ zu fassen. Die Vorlesung stellt die Frage, in welcher Beziehung das wissenschaftliche und lebensreformerische Wissen vom Ökologischen stehen. (Agnes Veranstaltungsnr. 84001)

 

Seminare

 

»Das Anthropozän«  

Prof. Dr. Katja Rothe

2002 rief der Nobelpreisträger für Chemie Paul Crutzen ein neues Erdzeitalter aus, das Anthropozän, das das Holozän ablösen würde. Seither gewinnt diese These nicht nur in den Naturwissenschaften und den Geisteswissenschaften, sondern auch in politischen und künstlerischen Bereichen mehr und mehr Zuspruch. Das »Menschenzeitalter« eröffnet neue Möglichkeiten, über die Gestaltung einer menschgemachten Natur nachzudenken und erfordert neue Allianzen in der Erkenntnisgenerierung und Wissenskonstitution. Die globalen Effekte einer im Wandel begriffenen Umwelt betreffen die menschlichen und nicht-menschlichen Gesellschaften ebenso wie das Wirtschaftswachstum.

Das Seminar nimmt das Anthropozän-Projekt des Hauses der Kulturen der Welt 2013-2014 als Ausgangsmaterial um über die Anthropozän-These transdisziplinär ins Gespräch zu kommen.

Die menschgemachte Welt wird dabei u.a. mit der aus der Mikrobiologie kommenden Gaia-Hypothese, die vorschlägt, dass die Biosphäre als ein Lebewesen zu verstehen ist sowie mit Nigel Thrists Vorschlag, die Umwelt als intelligenten Agenten bei der Gestaltung der Welt zu begreifen, konfrontiert. (Agnes Veranstaltungsnr. 84005)

 

»Visualizing Physics«  

Prof. Dr. Christian Kassung

Innerhalb der aktuellen Physik treten Theorie und Experiment immer weiter auseinander. Einerseits wird diskutiert, ob bspw. der Stringtheorie überhaupt eine empirische Relevanz zugeordnet werden kann, andererseits sprengen Experimentalsysteme wie das CERN mit über 10.000 beteiligten Wissenschaftlern jegliche Form der reflexiven Nachvollziehbarkeit. In diesem Spannungsfeld möchte das Seminar eine ausgewählte Experimentalanordnung (aus dem Bereich der Rasterkraftmikroskopie oder Acoustic levitation) auf eine Demonstration hin reduzieren, die in nicht trivialer Weise die Geschichte und Theorie dieses Experiments vermittelt. Am Ende des Seminars steht die konkrete Planung und Ausführung eines Demonstrationsexperiments, das im Rahmen der Langen Nacht der Wissenschaften präsentiert werden soll. (Agnes Veranstaltungsnr. 532936)

 

»Sinnliche Erfahrung, Wissen und Illusion«  

Silvia Donzelli und Dr. Carina Pape

Im Seminar steht eines der ältesten wissenschaftlichen Probleme im Mittelpunkt: die Frage nach der sinnlichen Erfahrung. Die Perzeption ist Wissensobjekt und zugleich die Voraussetzung für Wissen überhaupt. Ist unser Zugang zur Welt in erster Linie durch die Wahrnehmung bestimmt, so zeigt das Phänomen der Perzeption jedoch eine problematische Seite: Ist die Welt so, wie ich sie wahrnehme? Kann ich meinen Sinnen trauen? Nehmen die anderen die Welt so wahr, wie ich? Das Seminar soll mit unterschiedlichen methodologischen und theoretischen Ansätzen zu der Frage nach der sinnlichen Wahrnehmung aus den Geistes- und Naturwissenschaften vertraut machen. So werden sowohl exemplarische philosophische Positionen, welche eine kritische Haltung gegenüber der sinnlichen Erfahrung vertreten oder sie sogar als Illusion werten, als auch die neuesten Ergebnissen aus Hirnforschung und Neurobiologie zu der Funktion unserer Sinnesorgane untersucht. Ein weiterer Interessenschwerpunkt liegt in der Rolle der sinnlichen Wahrnehmung, und insbesondere des Sehsinnes, für die Kunst: Zentralperspektive, Licht-und Farbenführung und Optik sollen einen Einblick in die Kunst und Wissenschaft der Renaissance ermöglichen. Darüber hinaus wird exemplarisch auf das Phänomen der optischen Täuschungen aus der Sicht der künstlerischen Praxis, der Kinematographie, der Wahrnehmungstheorien und der Neurobiologie fokussiert. Im Seminar soll so auch der Stellenwert von Wissen und Wahrheit in ihrem Verhältnis zur Wahrnehmung kritisch hinterfragt und die jeweilige Produktion von Wissen und Wissenschaft kontextualisiert werden, um das interdisziplinäre Forschen anzuregen. Museumsbesuche und die Sichtung von Videomaterial sowie empirische Experimente im Seminarraum runden dieses Forschen ab. (Agnes Veranstaltungsnr. 84009)

 

»Umwelt – Künste«  

Prof. Dr. Katja Rothe

Im Seminar wird den verschiedenen gegenwärtigen Konzepten des Ökologischen in der Philosophie und in der Kunst (Land und Environmental Art, Natur Kunst, Site Specific Performances, Animal Art usw.) nachgegangen. Es werden die Wurzeln des »ökologischen Paradigmas« in der Systemtheorie und der Kybernetik ebenso thematisiert wie sein Bezug zur Designtheorie und -praxis, die Verbindungen zu Bruno Latours politischer Ökologie und Isabelle Stengers Ökologie der Praktiken ebenso wie die Ökologie der Materialien von Tim Ingold. Dabei diskutieren wir die oftmals harten Auseinandersetzungen der Künste mit den ökologischen Bewegungen und deren Kunstverständnis: Wie ist das Verhältnis von Ökologie und Ästhetik zu beschreiben?

Im Seminar werden Gäste aus der Philosophie, der Kunst, dem Design und der Kunstgeschichte in Werkstattgesprächen von ihren Erfahrungen mit dem Ökologischen berichten. (Agnes Veranstaltungsnr. 84004)

 

»Walden. Der Wald als Wissensfigur«  

Prof. Dr. Katja Rothe

Der Wald steht am Anfang der Debatte um Nachhaltigkeit. Der Begriff wurde erstmals 1713 von Hans Carl von Carlowitz' gebraucht. Carlowitz nahm die Holzknappheit im Europa des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts zum Anlass, um auf die langsame Aufforstung als Bedingung für anhaltende Holzproduktion hinzuweisen und den radikalen und schnellen Holzschlag zu kritisieren. Das Permakultur-Design nahm seinen Anfang ebenfalls in der Idee einer permanenten Landwirtschaft auf Grundlage der Waldwirtschaft: 1929 schrieb der Ökonom und Geograph Joseph Russell Smith das Buch »Tree Crops. A Permanent Agriculture«, in dem er die systematische Bepflanzung mit Bäumen als Mittel gegen die Umweltzerstörung vorschlägt. Das Buch »Walden; or, Life in the Woods« von Henry David Thoreau (1854) wurde zum Klassiker gleich mehrerer Lebensreformbewegungen bis zur Gegenwart. 1948 entwarf in Reaktion darauf der Behaviorist Burrhus Frederic (B. F.) Skinner in »Walden Two« eine kybernetische Vision einer besseren Gesellschaft. Aber auch Johann Wolfgang Goethe und Alexander von Humboldt machten sich um den Wald als Wissensfigur verdient.

Das Seminar verfolgt verschiedene Konzeptionen des Waldes als ›ursprüngliche Natur‹ oder ›künstlicher Natur‹ ausgehend vom 18. Jahrhundert bis heute. Dabei werden die verschiedenen Modelle von Nachhaltigkeit diskutiert, aber auch das zugrundeliegende ökonomische Denken thematisiert. Denn das Konzept der Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft, aber auch im Permakultur-Design ist entgegen aller romantischer Visionen ein dezidiert ökonomisches. (Agnes Veranstaltungsnr. 84006)

 

»Ursaurier—eine Ausstellung zwischen »Science« und »Fiction«. I: Konzeption«  

Prof. Dr. John A. Nyakatura und Felix Sattler

Eine interdisziplinäre Ausstellung zum Thema »Ursaurier« wird von Studierenden realisiert! Mit dem fossilen Skelett eines ca. 300 Mio. Jahre alten Ursauriers ist ein spektakulärer Fund im Thüringer Wald gemacht worden, welcher nun im Rahmen eines von der Volkswagen Stiftung geförderten Projekts untersucht wird.

Im Seminar und schließlich in der Ausstellung werden im Co-Teaching naturwissenschaftliche und geisteswissenschaftliche Fragestellungen verknüpft. Neben der biologischen Bedeutung des Fundes soll auch thematisiert werden, wie gerade bildliche Darstellungen unsere Vorstellung einer prähistorischen Lebenswelt bestimmen. Bilder transportieren das neue Wissen, aber in den Darstellungen werden auch immer spekulative Annahmen konkretisiert. Nicht zuletzt dieses Verhältnis von »Science« und »Fiction« soll kritisch und innovativ inszeniert werden. Das Seminar umfasst eine Exkursion und ruft Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen dazu auf, ihr spezifisches Fachwissen in ein konkretes Ausstellungsprojekt einzubringen. (Agnes Veranstaltungsnr. 84008)

 

»Trügerisches Wissen, wissender Betrug«  

Markus Dressel und Jan-Philipp Kruse

Betrug, Illusion, Täuschung – Phänomene, die man kaum mit Wissen und Wahrheit in Verbindung bringt. Handelt es sich nicht um Durchkreuzungen, Verstöße, Verletzungen unseres Wissens? In diesem Seminar möchten wir den Versuch unternehmen, uns anhand von interessanten Betrugsfällen die Grenze zwischen Wissen und Nicht-Wissen vor Augen zu führen.

Im Zentrum steht die schöpferische Dimension des Regelverstoßes: Der listenreiche Odysseus als Chiffre okzidentaler Vernunft, René Descartes »Täuschergott« als Herausforderung und Methodenreflexion der modernen Naturwissenschaften, die Zahlenmystik in der Astronomie Johannes Keplers, Hegels Dialektik von leidvollem Irrtum und befreiender Erkenntnis, die schillernden Betrüger (in der Literatur des) 19. Jahrhunderts und schließlich der »elegante Unsinn« des Physikers Alan Sokal, der mit einem mutwillig falschen Artikel zur »Hermeneutik der Quantengravitation« eine amerikanische Fachzeitschrift zum Narren hielt. Als höchst bedenkliche Arrangements von (Un-)Wissen markieren Verschwörungstheorien das Ende des betrachteten Spektrums.

Im Laufe des Seminars werden die Teilnehmenden selbst eine mutwillige Täuschung in Form eines Artikels, einer Fotomontage oder einer Filmdokumentation herstellen; Grundlage sind prominente Beispiele aus Film und Radio – etwa das Hörspiel »Krieg der Welten«, das zum Glauben an eine außerirdische Invasion verführen wollte. (Agnes Veranstaltungsnr. 84010)

 

winter semester 2014/2015

Vorlesung

 

»Serialität und Synchronisation«  

Prof. Dr. Eva Ruhnau und Prof. Dr. Alexandra von Stosch

Was ist »Zeit«? Wie nehmen wir sie wahr? Sind wir der Zeit ausgeliefert oder gestalten wir Zeit? Das Wissensobjekt »Zeit« wird anhand der Begriffe »Serialität und Synchronisation« in den Disziplinen Physik, Neurowissenschaften, Psychologie, Soziologie, Religion, Kulturwissenschaften und den Künsten dargestellt und diskutiert. Im Sinne der »Vielfalt der Wissensformen« wird ein innovatives Vorlesungs-Konzept eingeführt, zum Teil durch die Dozentinnen moderierte »Paar-Gastvorlesungen« mit Vertreter_innen zweier unterschiedlicher Disziplinen. (Agnes Vst.Nr.:84001)

 

Seminare

 

»Gegenwart – Wie wird Zeit erlebt/gestaltet?«   

Prof. Dr. Eva Ruhnau und Prof. Dr. Alexandra von Stosch

Die Wahrnehmung von Jetzt-Zeit wird aus verschiedenen Perspektiven untersucht, sowohl unterschiedlicher Generationen als auch Professionen. Dies geschieht unter kritischer Berücksichtigung der Forschung über Begriffe wie »Gegenwart« und »Synchronizität«, »Zeitmanagement«, sowie der Komplementarität von subjektiver und objektiver, von diskreter und kontinuierlicher Zeit. Ein Schwerpunkt des Seminars ist das Erlernen und Anwenden von Interviewtechniken im Umgang mit Expert_innen aus den Bereichen Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft. (Agnes Vst.Nr.: 84009)

 

»Vergangenheit – Wie entsteht Zeit?«

Prof. Dr. Eva Ruhnau und Prof. Dr. Alexandra von Stosch

»Vorbei«? »End of (His-)Story«? Wie vergangen ist zurückliegende Zeit? Prägen uns Verhaltensmuster vergangener Zeiten und wiederholen sie sich – individuell und gesellschaftlich? Die weltweite Wiederkehr der Ideologien (»kalter Krieg«, »heiliger Krieg«) scheint dies zu bestätigen. In diesem Seminar wird den historischen Vorstellungen von Zeit nachgeforscht, seit Beginn der ersten Zeitmessung und in den verschiedenen Kulturen und Kulturtechniken: Welche Bedeutung hatten sie zur Schaffung von Welt-(Zeit)-Bildern? Eine Darstellung vergangener und aktueller Theorien der Zeit in der Physik wird ferner aufzeigen, dass Zeit keineswegs so eindeutig gegeben ist wie sie uns alltäglich erscheint. Auch »Zeit« hat eine Geschichte, die von der Vergangenheit in die Zukunft weist. (Mit Exkursionen: bspw. Pergamon, Neues Museum, Deutsches Historisches Museum, Naturkundemuseum, Kommunikationsmuseum) (Agnes Vst.Nr.: 84007)

 

»Zukunft – Welche Vision von Zeit haben wir?«   

Prof. Dr. Eva Ruhnau und Prof. Dr. Alexandra von Stosch

Gerade in Zeiten der Omnipräsenz von digitalen Medien verändert sich unser Bewusstsein von Zeit und Raum, von innen und außen, von privater und öffentlicher Sphäre. Globale Nutzerdienste wie Facebook haben zudem das Prinzip »Vergangenheit« gelöscht, indem sie vergangene Ereignisse nahezu unbegrenzt speichern. Aktuelle Versuche, dies zu unterbinden unterstreichen nur die Komplexität der Situation. Was bedeutet diese Totalität von Gegenwart vergangener Fakten? Zudem stellt sich die Frage, wie die digitale Globalisierung mit kulturellen Unterschieden der Zeitwahrnehmung umgehen wird (»monochronic« vs. »polychronic societies«). Diesen Phänomenen soll u.a. in studentischen Interviews mit Internet-Expert_innen und Vertreter_innenn der Start-Up-Szene, sowie Zukunftsforscher_innen und Firmen-ThinkTanks in Berlin auf den Grund gegangen werden (Oral History): Wie wirkt sich dies auf unser Selbstverständnis aus? Hat es Konsequenzen für persönliches Verhalten und gesellschaftliche Entwicklungen? (Agnes Vst.Nr.: 84008)

 

»Unendliche Weiten – Virtuelle Welten verstehen und gestalten«

Dr. Christian Stein

In diesem Seminar soll der virtuelle Raum diskutiert und erfahrbar gemacht werden, der unseren Alltag immer mehr durchdringt. Dabei geht es um das Verhältnis von virtuellen, physischen und anderen Räumen, deren gegenseitige Durchdringung und die Veränderung unserer Raumwahrnehmung. Raum als Wahrnehmungsraum ist immer auch Gestaltungsraum. In der Virtualität eröffnen sich dabei ungeahnte Möglichkeiten und unbetretenes Terrain. Sich hier zurechtzufinden erfordert geänderte Interpretationen, Sichtweisen und Grundannahmen. All das wollen wir gemeinsam kennenlernen, erforschen und kritisch hinterfragen: Mit 3D-Drucker und 3D-Scanner, Digital-born-object und der virtuellen Identität, 3D-Modell und Game-Engine, bis zur Augmented-Reality und Virtual- Reality-Brille. Als interdisziplinäres Seminar umkreisen wir das Themenfeld »hands-on«, dann wieder theoretisch, selbst gestaltend und Bestehendes explorierend. Am Ende wird der Begriff »Raum« zweifelhaft geworden sein – aber auch viel weiter. (Agnes Vst.Nr.: 84006)

 

»Der Klimawandel – wie Kontroversen in den Medien unser Denken über die Wahrheit verändern«

Judith Stagl und Linda Kerstin 

In diesem Seminar werden die Grundlagen wissenschaftlicher Erkenntnistheorie und der öffentlichen Wahrnehmung von Forschungsergebnissen im Kontext medialer Verarbeitung diskutiert. Am Beispiel des Klimawandels wird die Idee einer absoluten Erkenntnis sowie die Wissenschaftskommunikation vor die Herausforderung gestellt: Was ist Wahrheit in der Wissenschaft und wie können wissenschaftliche Inhalte auf der Medienagenda bestehen? Was bedeutet eine mediengerechte Präsentation von Forschungsergebnissen und welche Rolle spielt die Wissenschaft für die gesellschaftliche Debatte? Projektarbeit des Seminars ist, anhand von praktischen Beispielen, Themen zum Klimawandel in verschiedene Medienformate zu übersetzen. (Agnes Vst.Nr.: 84005)

 

»Lach- und Sachgeschichten – Comics, Wissen und Comic-Wissen«

Linda-Rabea Heyden

In diesem Seminar werden wir einen Blick auf Comics als Ort der Wissensdarbietung werfen. Wir werden schauen, mit welchen Strategien Comics Wissen aus verschiedenen Bereichen (z.B. Biologie, Kunst, Mathematik, Philosophie, Physik, Psychologie) nutzen oder vermitteln. Wir werden uns also einerseits mit dem präsentierten Wissen selbst und andererseits mit dessen verschiedenen Präsentationsweisen befassen. Die gewählten Comics sind selten bloß Übertragungskanäle für Informationen, sondern bieten aufgrund ihrer intermedialen Form eine besondere Möglichkeit zur Reflektion über Wissensvermittlung. Im zweiten Teil des Seminars liegt der Fokus hingegen auf Comics als Gegenstand von Wissenschaften, als interdisziplinärer Gegenstand. Die Comic-Wissenschaft ist noch nicht institutionalisiert und bietet somit einen interessanten Blick darauf, wie etablierte Wissenskulturen einen Gegenstand aus unterschiedlichen Perspektiven erschließen bzw. Comics für sich nutzen. Schließlich sollen an einem Projekttag gemeinsam mit der Comic-Zeichnerin Ulla Loge eigene kurze Sachcomics entstehen. (Agnes Vst.Nr.: 84004)

 

»Zeit in der Kunst/ Kunst in der Zeit«

Prof. Dr. Alexandra von Stosch

Aufgrund des wahrnehmungstheoretischen Ansatzes des Lehrangebots zum Themenkomplex »Zeit« bietet sich die praktische Umsetzung der Fragestellungen in einem von den Studierenden mitkuratierten Zeit-Wahrnehmungsparcours an, der sich aus den Erfahrungen und Begegnungen der drei Lehrveranstaltungen zum Thema, aber vor allem aus dem Seminar »›Gegenwart‹ - Wie wird Zeit gelebt/gestaltet« speist. Die Studierenden erhalten so die Möglichkeit, erste praktische, berufsvorbereitende Erfahrungen zu sammeln, da sie nicht nur das Konzept der Ausstellung miterarbeiten, sondern auch alle relevanten Aspekte, wie Budget, Zeitplan, Umsetzung, Design und Kommunikation/Presse. (Agnes Vst.Nr.: 84010)

 

summer semester 2014

Vorlesung

 

»Geister als Wissensform: Imagination, Religion, Kulturgeschichte«

Dr. Simone Natale

Die Vorlesung behandelt die Kulturgeschichte der Geister und des Geisterglaubens. Die Figur des Geistes wird sowohl als Gegenstand literarischer und filmischer Imagination sowie auch als eine wirkmächtige Metapher untersucht, die mit Bereichen wie Gedächtnis, Geschichte, sozialer Ausgrenzung, Postmoderne und sogar Technologie verknüpft ist. Es wird ein multidisziplinärer Einblick gegeben, der besonders die Perspektiven von Anthropologie, Psychoanalyse, Medienkultur, Soziologie, Philosophie und Literatur einbezieht. Studierende werden damit ermutigt, den Geist als ein Mittel zu betrachten, um das Verhältnis zwischen verschiedenen Wissensformen aufzudecken. (Agnes Vst.Nr.: 84001)

 

Ringvorlesung des Exzellenzclusters Bild Wissen Gestaltung

»Struktur, Gewebe, Oberfläche«

Der Strukturbegriff, sowie die Begriffe von Gewebe und Oberfläche, werden Vorlesung für Vorlesung aus den verschiedenen disziplinären Perspektiven, der Naturwissenschaften, der Geisteswissenschaften und dem Design, beleuchtet. Dabei werden die Vortragenden am konkreten Forschungsgegenstand, neben der Bedeutung des Strukturdenkens, auch die Entwicklung des eigenen Forschungsinteresses und der Methodik deutlich machen. Am Ende jeder Vorlesung gibt es für die Hörerschaft die Möglichkeit zur Diskussion. Die Ringvorlesung findet in Kooperation mit dem Interdisziplinären Labor Bild Wissen    Gestaltung statt. (Agnes Vst.Nr.: 53282)

 

Seminare

 

»Einführung in die Kulturtechnik des Spiels: Gamification«

Thomas Lilge

Wir leben im Zeitalter der Spiele: Das Klischee vom pizzaessenden 14- jährigen Zocker ist Vergangenheit. Der durchschnittliche Spieler ist 44 Jahre alt. Die Spieleindustrie hat Hollywood als Traumfabrik längst abgelöst. Doch was ist eigentlich ein Spiel und was versteckt sich hinter den Begriffen Serious Games und Gamification? Im Seminar werden diese Fragen zur Kulturtechnik des Spiels mit Fokus auf den Trend Gamification behandelt. Mit den erworbenen Kenntnissen entwickeln wir prototypische Gamification Szenarien. Let´s play. (Agnes Vst.Nr.: 84006)

 

»Refugees: A history of refugees, displacement and asylum in the XX century«

Dr. Francesca Meloni

The seminar examines the conceptualization and the experience of refugees from a historical, anthropological, legal, medical, and comparative perspective. Specifically, it aims to question critically and historically our understanding of refugees, analyzing  how psychiatrist, international policy-makers, humanitarian organizations and scholars have constructed refugees and displacement as subject for analysis and action. (Agnes Vst.Nr.: 84009)

 

»Grenzen: Themen und Streitfälle eines multidisziplinären Phänomens«

Dr. habil. Barbara Breysach / Prof. Dr. Norbert Kapferer

Ziel der Lehrveranstaltung ist es zu verfolgen, inwieweit Grenzziehungen ideeller und materieller Natur eng verknüpft sind mit Wissen und Wissenschaft, Erkenntnismöglichkeiten und ‐methoden, aber zugleich auch an Traditionen gebunden sind. In diesem Sinne widmet sich die Lehrveranstaltung Grenzen als Phänomenen der Raum‐ und Zeitordnung, der Wissenschaften, der Religionen, der politischen und wirtschaftlichen Ordnungen, des Bewusstseins und der kulturellen Wertesysteme.  Insbesondere  der Doppelsinn von  Grenze  als Topos  der Trennung und der Berührung wird thematisiert. (Agnes Vst.Nr.: 84003)

 

»In die Zukunft sehen: Prognosen und Vorhersagen in Wissenschaft, Technologie, Religion und Popkultur« - Dr. Simone Natale / Dr. Francesca Meloni

Heutzutage spielen Zukunftsspekulationen in Gesellschaften eine wichtige Rolle. Das Seminar fragt danach, wie die Zukunft eine spezifische Wissensform geworden ist und welche Rolle Zukunftsspekulationen in Feldern wie Wissenschaft, Technologie, Wirtschaft, Religion und Populärkultur spielen. Aus verschiedenen disziplinären  Perspektivenwerden wir  unterschiedliche Formen von Prognosen und Spekulationen diskutieren. Mögliche Seminaraufgaben: Konzeption eines Science-Fiction Films, einer TV-Serie oder eines Buchs, die Vorhersagen über eine zukünftige technologische, wirtschaftliche oder gesellschaftliche Tendenzen machen. (Agnes Vst.Nr.: 84007)

 

»Illness as Metaphor: Health, Illness and Healing«

Dr. Francesca Meloni / Dr. Simone Natale

How do we come to think about a healthy body, or a sick one? How has the concept of illness changed over the last centuries? How does culture, politics, and society shape the ways we perceive health and illness? How are medical technologies changing the ways in which people inhabit their bodies? The course critically examines health, illness, and healing as cultural, political and experiential phenomena from an historical and interdisciplinary perspective. (Agnes Vst.Nr.: 84008)

 

»Identität und Differenz: Experimentelles Entwerfen in der Transdisziplin von Kunst und Biologie« - Dr. Michaela Rotsch / Manfred Gödel

Zur Erörterung des Themas "Identität und Differenz" und dessen Bedeutung für die Auffassung von Subjekt, Individuum, Werk, Reproduktion, werden in diesem Seminar Entwürfe in der Überschneidung von Kunst und Biologie entwickelt. Ausgehend von den spezifischen Methoden der getrennten Disziplinen, wird ein disziplinübergreifender Ansatz verfolgt, in dem die Entwürfe mit kunst- und medienreflexiven Konzepten untersucht werden. Als Abschluss steht die Planung der Projektumsetzung und die öffentliche Präsentation der Modellentwürfe im mobilen gläsernen Kubus "Syntopian Vagabond" an verschiedenen Standorten der Universität. (Agnes Vst.Nr.: 84002)

 
Winter semester 2013/2014

Vorlesung

 

»Im Irrgarten des Wissens. Über Strukturen, Labyrinthe und Dickichte«

- Dr.-Ing. Michael Dürfeld / Peter Koval / Dr. Christian Stein

Wenn Wissenschaft ein Garten ist, dann kann es nur ein Irrgarten sein. Wie aber lässt sich im Umherirren Wissen (er)finden? Wer ist der Gärtner? Sind wir es selber, die die Strukturen, Labyrinthe und Dickichte ständig selbst produzieren? Woraus besteht dieser Garten? Aus Hecken und Unkraut, Beeten und Wegen, Idealen und Geschichten? Und wie gärtnert, wie irrt man richtig? Kultivieren oder renaturieren? Roden, brachliegen lassen oder gentechnisch manipulieren? Ausgehend vom Metaphernraum des Irrgartens laden wir auf eine Entdeckungsreise des Irrens und Gärtnerns in der Wissenschaft ein. Aus verschiedenen Disziplinen und Perspektiven werden Zugänge zum Wissen, Bewegungen im Wissen und Formen des Wissens beobachtet. Dabei werden wir auch immer wieder an die Grenzen des Wissens stoßen. (Agnes Vst.Nr.: 84006)

 

Seminare

 

»Das »Trauma« - ein Blick auf eine umkämpfte Kategorie« - Dr. Cordula Dittmer

Das Seminar widmet sich dem Wissensobjekt »Trauma« aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven. Dabei werden die Entstehungen und Verschiebungen des Begriffs aus naturwissenschaftlicher (Medizin, Biologie, Psychologie) und sozial- und geisteswissenschaftlicher Perspektive im Ablauf der deutschen Geschichte betrachtet und mögliche Machtverschiebungen in der Deutungshoheit ausgemacht. Anschließend sollen ausgewählte »Fallbeispiele« (Trauma durch Naturkatastrophen, Kriege, Terrorismus u.ä.) bearbeitet werden. (Agnes Vst.Nr.: 84004)

 

»Die Leiche. Szenen und Perspektiven auf den toten Körper« -

Birgit Lettmann / Anna-Katharina Neufeld

Der Tod wird in seiner konkretesten Form als Leiche festgestellt. Dieser Leichnam muss einerseits einen Ort finden, andererseits wird er genutzt, rückwirkend Aussagen über das Leben und die Todesursache zu machen. Das Seminar will Medien und Praktiken des Umgangs mit der Leiche als Objekt aus unterschiedlichen Perspektiven der auf sie zugreifenden Disziplinen untersuchen. Dabei sollen regionale, mediale und historische Differenzen erarbeitet werden. Im Verlauf des Semesters soll eine virtuelle Ausstellung zur »Leiche« konzipiert und am Ende des Semesters realisiert werden. (Agnes Vst.Nr.: 84005)

 

»There is an App for that. Informationsorganisation im mobilen Zeitalter.« - Dr. Christian Stein in Co-Teaching mit Dr.-Ing. Michael Dürfeld und Peter Koval

Informationen gibt es heute mehr als Sand am Meer. Umso wichtiger wird es, das Wichtige und Wissenswerte hervorzuheben. Wie aber organisiert und präsentiert man Wissen richtig – damals und heute? Orientierungspunkt aller Seminaraktivitäten in diesem Zusammenhang ist die Entwicklung einer eigenen Smartphone-App. Daran lässt sich aktuell gelebte Interdisziplinarität untersuchen: Modellierung, Interaktion, Präsentation, Informationsorganisation und -Prozessierung bis hin zur Programmierung und Bereitstellung. Im Seminar werden anhand einer konkreten App alle notwendigen Entwicklungsschritte praktisch erfahrbar - und wir werden gemeinsam unsere eigene Smartphone-App geschaffen haben. (Agnes Vst.Nr.: 84007)

 

»Von Fahrrädern, Computerspielen und Vibratoren. Zur Gestaltung der Interdisziplinarität in der Wissenschafts- und Technikforschung.« - Peter Koval in Co-Teaching mit Dr.-Ing. Michael Dürfeld und Dr. Christian Stein

Hinter dem Design von scheinbar einfachen Dingen erstreckt sich nicht selten ein Dickicht aus Wissensformen verschiedenster Disziplinen. Eines der erklärten Ziele der Wissenschafts- und Technikforschung ist es, eben jenes Dickicht systematisch zu durchforsten. In diesem Sinne wird auch im Seminar die historische Verstrickung von verschiedenen Wissensformen anhand einer ganzen Reihe von konkreten Objekten wie Fahrräder, Computerspiele oder Vibratoren untersucht. Nach einem theoretisch-historischen Einstieg werden die aktuellen Wissenspraktiken in ausgewählten Berliner Produktionsstätten – Werkstatt für individualisierte Fahrräder, Entwicklerstudio für Computerspiele und Liebesspielzeugmanufaktur – untersucht und dokumentiert. (Agnes Vst.Nr.: 84008)

 

»schließen/öffnen. Eine interdisziplinäre Perspektive auf die architektonische Grundoperation.« - Dr.-Ing. Michael Dürfeld in Co-Teaching mit Peter Koval und Dr. Christian Stein

schließen/öffnen ist die basale Operation der Architektur. Sie generiert Abschirmungen mit der Konsequenz einer Unterscheidung zwischen Innen und Außen. Aber auch Kunstwerke, Zellen, elektrische Felder, chemische Substanzen, Unternehmen, Familien und Staaten grenzen ständig ein Innen von einem Außen ab. Die Universalität der Innen/Außen-Unterscheidung macht es notwendig, sie disziplinär zu konkretisieren und interdisziplinär zu vergleichen. Aus dieserdisziplinär/interdisziplinären Perspektive lassen sich die unterschiedlichen Disziplinen gegenseitig irritieren und informieren. Was können die Wissenschaften von der Architektur in puncto schließen/öffnen lernen? (Agnes Vst.Nr.: 84009)

 

»Wissenskulturen im Streit: Wie das Gehirn die Geister spaltet« -

Markus Dressel

Sind Gehirne Subjekte? Ist das Ich eine Illusion? Wie lassen sich Rationalität, Moral oder symbolisch vermittelte Interaktion zwischen vergesellschafteten Gehirnen denken? Die Beantwortung dieser und ähnlicher Fragen sowie eine Auseinandersetzung mit den Konsequenzen für unser Welt- und Menschenbild, aber auch für unser Wissenschaftsverständnis ist Bestandteil des Seminars. Es werden zentrale Positionen in diesem Diskurs beleuchtet und hinsichtlich der Frage diskutiert, inwiefern das neurowissenschaftliche Wissen über den Geist-Gehirn-Konnex erschöpfend ist und welchen Beitrag geistes- und gesellschaftswissenschaftliche Fächer zu seiner Aufklärung leisten können. (Agnes Vst.Nr.: 84002)

 

»Workshop: Interdisziplinarität« - Dr.-Ing. Michael Dürfeld / Peter Koval / Dr. Christian Stein

Im Workshop zur Interdisziplinarität bieten wir einen breitgefächerten Einblick in die Untiefen und Höhenflüge interdisziplinärer Kooperation. Dabei werden die Fäden der einzelnen Seminare aufgegriffen und verknüpft, Einblicke in den Exzellenzcluster »Bild Wissen Gestaltung« angeboten, Exkursionen veranstaltet und Diskussionen initiiert. Der Workshop ist den Teilnehmenden der Veranstaltungen des Programms »Vielfalt der Wissensformen« vorbehalten. (Agnes Vst.Nr.: 84002)

 

 

summer semester 2013

Vorlesung 

 

»Die Entschlüsselung der Natur. Eine kleine Wissens- und Kulturgeschichte der Naturwissenschaften im letzten Jahrhundert« - Dr. Arne Schirrmacher

Die Vorlesung umreißt die grundlegenden Entwicklungen der modernen Physik, Chemie und Biologie seit 1900 in einem synthetischen Zugang. Sie soll als Form eines studium generale eine Einführung in die historische Herausbildung unserer wissenschaftlich-technischen Welt und unserer wissensbasierten Gesellschaft geben und zugleich herausarbeiten, wie diese Entwicklung unter einer bestimmten, das 20. Jahrhundert prägenden Metapher stattfand. (Agnes Vst.Nr.: 84001)

 

Seminare

 

»100 Jahre Bohrsches Atommodell: Dekonstruktion einer Ikone naturwissenschaftlichen Wissens« - Dr. Arne Schirrmacher

Das Bild des modernen Atoms als ein kleines Planetensystem, in dessen Mitte sich der
Atomkern befindet, avancierte zu einer Ikone der modernen Wissenschaft - obwohl alles an diesem Modell falsch ist. Das Seminar sucht nach dem Wahren im Falschen, indem es die Rolle des Bohrschen Atommodells auf der Ebene der experimentellen Erfolge und Misserfolge, seines heuristischen Wertes und seiner öffentlichen Wirkung in Bild und Objekt untersucht. (Agnes Vst.Nr.: 84004)

 

»'Wissens-Sounds' - Konzipieren und Verfassen von Hörtexten zum Tieranatomischen Theater« - Dr. Kirsten Weining / Dr. Jochen Hennig

Das 1790 von Carl Gotthard Langhans erbaute Tieranatomische Theater steht im Zentrum des Seminars. Studierende entwickeln im Verlauf des Semesters eine Hörführung zu dem 2012 wiedereröffneten Gebäude. Hierfür soll das im Seminar erarbeitete architektur-­ und wissenschaftsgeschichtliche, biologische und medizinische Wissen mit ExpertInnen-Interviews kombiniert und für Audioguides aufbereitet werden. (Agnes Vst.Nr.: 84002)

 

»Typografische Wissensformen« - Susanne Quehenberger

In einem interdisziplinären Vergleich wird im Seminar untersucht, welchen Beitrag die
Typografie gerade durch ihre ästhetische Qualität und materielle Widerspenstigkeit zu
einer Herausbildung verschiedener Wissensformen leistet. Untersucht wird dabei die Wahl der Schrift, die Anordnung von Text auf der Seite sowie (Druck)technik und Arbeitsteilung im Zuge von Publikationen. Praktische gestalterische Übungen sowie eine Exkursion zur Bleisatzwerkstatt der Kunsthochschule Weißensee dienen dazu, die Sichtbarkeit von Schrift und Layout neu erfahren und reflektieren zu können. (Agnes Vst.Nr.: 84005)

 

»Hands-on History: Historische wissenschaftliche Objekte in Berliner Laboren und Museen«- Dr. Arne Schirrmacher 

Lange haben historische und kulturwissenschaftliche Reflexionen über die Naturwissenschaften die Vertracktheit der Dinge außer Acht gelassen. Die Übung nutzt die vielfältigen wissenschaftlichen Institutionen und Museen in Berlin für eine Spurensuche nach den Instrumenten, Objekten und Maschinen, die für die großen wissenschaftlichen Entdeckungen des letzten Jahrhunderts entscheidend waren. Besucht werden u.a. die Physikalisch-Technische-Bundesanstalt, die Max-Planck-Institute, die Urania sowie das Science Center des Berliner Technikmuseums und das Naturkundemuseum. (Agnes Vst.Nr.: 84003)

 

»Die Bombe für Hitler und die Bombe gegen Hitler. Wissenschaft, Waffe, Wirkung « - Dr. Arne Schirrmacher 

Keine einzelne Entscheidung hat die Welt im 20. Jahrhundert mehr verändert als der
Einsatz der Atombombe und auch keine historische Episode wurde rückblickend wohl
so stark interpretiert und uminterpretiert. Neben den drei Hauptlinien, welche die
wissenschaftliche Vorgeschichte, die Nutzung von Nukleartechnologie als Waffe und die
vielfältigen Auswirkungen der militärisch-wissenschaftlichen Großprojekte fokussieren,
sollen insbesondere die Diskursverschiebungen der jüngeren Historiographie betrachtet
werden. (Agnes Vst.Nr.: 51408)

 

winter semester 2012/2013

 

Vorlesung

 

 »Die Figur des Richters« - Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Dieter Simon

Das Recht wird erst durch die Entscheidung des Richters lebendig. Die Vorlesung fokussiert die zentrale Bedeutung des Richters als Wissensfigur in Geschichte, Theorie und aktueller Praxis und schildert die institutionelle und rechtliche Verfasstheit des deutschen Richters, Instanzen und Gerichtsbarkeiten, aber auch Orte an denen sich Justiz ereignet und Bilder die sich die »Rechtsunterworfenen« in Gegenwart und Vergangenheit gemacht haben. (Agnes Vst-Nr.: 10839)

 

 Seminare

 

 »Wahnsinnsapparate«  - Marian Kaiser

Das Seminar hat zum Ziel, Apparate der Psychiatrie an der Wende zum 20. Jahrhundert hands on zu erforschen. Zunächst werden die sich in derlei Apparaturen kreuzenden Wissensformen anhand von Originaltexten sowie medien- und wissenshistorischen Arbeiten untersucht. Besuche historischer Sammlungen bilden den ersten Schritt von der Theorie in die Praxis. Beim Versuch eine dieser Maschinen selbst nachzubauen wird das im ersten Teil des Seminars erworbene Wissen praktisch erprobt. (Agnes Vst-Nr.: 89002)

 

 »Verhütungsmittel und Revolution: Die ›Pille‹ in den Diskursen der

    Wissenschaften« - Birgit Michaelis

Das Seminar untersucht das Phänomen »Pille« im Kontext naturwissenschaftlicher Forschung, medizinischer Erkenntnisse und soziokultureller Entwicklungen. Exkursionen zum Hersteller Schering und ins Erotikmuseum, ebenso wie Gespräche mit einem Vertreter der katholischen Kirche und einer Medikamentenstudienteilnehmerin erweitern die Perspektive auf das Wissensobjekt »Pille«. (Agnes Vst-Nr.: 89003)

 

»Dynamische Stadt: Die Berliner Stadtautobahn« -  Frank Seehausen

Das Wechselverhältnis von Raum, Bewegung und Identität wird hier anhand der Berliner Stadtautobahn und ihren markanten Begleitarchitekturen untersucht. Mittels Archivalien und Stadtplänen sowie durch selbst angefertigte Fotoserien nähern sich Studierende den Beziehungen von automobiler Bewegung und architektonischer Form an. Exkursionen entlang der Autobahn vermitteln darüberhinaus bewegte Einblicke in diese Wissensarchitektur. (Agnes Vst-Nr.: 89004)

 

»Der Rahmen« - Dr. Alexandra von Stosch

Im ersten Teil des Projektseminars nähern sich die Studierenden dem abstrakten, diskursiven und materiellen Wissensobjekt »Rahmen« aus verschiedenen disziplinären Perspektiven: Bernd Mahr definiert mathematische Rahmen, Ernst Pöppel erforscht Rahmen in der Neurologie, Tim Renner spricht über Rahmenbedingungen in der Musik und beim Workshop mit Emilio Chapela erfahren Studierende mehr über Rahmen in der Kunst. Mit dem erarbeiteten interdisziplinären Wissen wird im zweiten Teil eine Ausstellung geplant, umgesetzt und am Ende des Semesters eröffnet. (Agnes Vst-Nr.: 89005)

 

 »Die Tonspur im Film - Geschichte - Theorie - Ästhetik« - Axel Volmar

Die Klangwelt von Spielfilmen steht im Mittelpunkt des Seminars. Anhand filmtheoretischer, tontechnischer und produktionstechnischer Aspekte analysieren Studierende Filmtonspuren und übersetzen Sound in Blogbeinträge. (Agnes Vst.Nr.: 89006)


 

 

summer semester 2012, Prof. Dr. Christian Kassung:

 

Das »Radio-Seminar« bietet Teilnehmer/-innen (auch ohne Vorkenntnisse) die Möglichkeit, anhand von historischen Quellen exemplarische Radiomodelle nachzubauen, wodurch das Verständnis für die Funktion und das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten des technischen Apparats geschärft wird. Zudem dokumentieren die Studierenden ihre Arbeit in Radiofeatures, die im Oktober auf der KulturWelle (Pi-Radio 88vier) auf Sendung gehen. (Agnes Vst-Nr.: 53294)

 

Auch das Seminar »Rechenmaschinen: Vom Transistor zum Computer« hat zum Ziel, die Funktionsweise von Rechenmaschinen und Computern hands on zu erforschen. Zuerst erlernen Studierende die Grundlagen des mechanischen Rechnens, von Binärsysteme und Computerarchitekturen. Anschließend wird dieses Wissen beim Bau von logischen Schaltungen und Addierwerken praktisch erprobt. (Agnes Vst-Nr.: 53336)

 

Im Seminar »Das Foucaultsche Pendel« soll der Mythos des Foucaultschen Pendels einerseits historisch-theoretisch, andererseits praktisch ergründet werden. Hierzu wird im ersten Teil in Auseinandersetzung mit dem Foucaultschen Urtext von 1851 die Wirkungsgeschichte dieses Experiments in unterschiedlichen Disziplinen und Wissenssystemen untersucht. Im zweiten Teil wird ein eigenes, entdämpftes Pendel gebaut, installiert und getestet. (Agnes Vst-Nr.: 53291)

 

Das Seminar »Wissensarchitekturen: Die Humboldt-Universität« geht der Geschichte der wissenschaftlichen Disziplinen anhand der Architektur beispielhaft ausgewählter Gebäudekomplexe der Humboldt-Universität am jeweiligen Standort nach. (Agnes Vst-Nr.: 53292)