Die Dezentrierung des kolonialen Archivs in der Bildungsgeschichte: Beispiele aus dem Alltag im britischen Empire des 19. Jahrhunderts

Auf einen Blick

Laufzeit
10/2026  – 12/2027
DFG-Fachsystematik

Allgemeine und Historische Erziehungswissenschaft

Förderung durch

Alexander von Humboldt-Stiftung: Forschungskostenzuschuss

Projektbeschreibung

Dieses Forschungsprojekt zielt darauf ab, die komplexe Natur der kolonialen Bildung im riesigen Gebiet des expandierenden britischen Empire des 19. Jahrhunderts zu verstehen, indem nicht-traditionelle Quellen wie Lehrbücher und Lesebücher mit anderen historischen Materialien in Verbindung gebracht werden. Die Forschung untersucht Bildungsexperimente in Südafrika (Kapkolonie und Natal), der Karibik und Sierra Leone in den ersten Jahrzehnten des frühen 19. Jahrhunderts. Eine zentrale Frage ist, wie sich unser Verständnis von Bildungswandel verändert, wenn wir Archivmaterialien außerhalb der traditionellen Kolonialarchive nutzen. Unter Verwendung einer multisite-, vergleichenden und transnationalen Methodik untersucht das Projekt Bildungsphänomene und die Verbreitung von Bildungsideen über die Grenzen des Nationalstaates hinaus. Es konzentriert sich darauf, wie einzelne Akteure, darunter Lehrer, Schüler, Beamte und Missionare, Bildungssysteme geprägt haben und wie die Nachverfolgung ihrer persönlichen Netzwerke Aufschluss über den Bildungswandel gibt. Dieser Ansatz ist nützlich, um die Rolle von Akteuren außerhalb der Elite bei der Entstehung des Imperiums hervorzuheben und einen Einblick in die alltäglichen Bildungspraktiken zu geben, einschließlich der Frage, wie es sich anfühlte, Teil der entstehenden Bildungseinrichtungen zu sein. Das Projekt nutzt verschiedene nicht-traditionelle Quellen in vier spezifischen Fallstudien: 1. Die Kapkolonie: Untersucht die Entstehung der Vorschulbewegung aus der Perspektive zweier Familien (der Familien Buchanan und Tshatshu) und stützt sich dabei hauptsächlich auf Aufzeichnungen der London Mission Society. 2. Natal: Konzentriert sich auf das sich wandelnde Verständnis von Englisch- und Volkssprachenunterricht anhand von Lehrbüchern, die nach 1850 hauptsächlich in Missionsstationen veröffentlicht wurden, wie z. B. Bishop John William Colensos First Lessons in Science Designed for the Use of Children and Adult Natives (1861), das in Sammlungen wie den Colenso- und Grey-Sammlungen zu finden ist. 3. Die Karibik: Nutzt das umfangreiche Archiv der Mico Charity, um die Verbreitung von Bildungsobjekten zwischen Westindien und England unmittelbar nach der Sklavenbefreiung zu untersuchen. 4. Sierra Leone: Stützt sich auf Schulunterlagen, die von Missionaren der Church Missionary Society gesammelt wurden. Durch die Nutzung übersehener historischer Quellen verspricht dieses Projekt neue Sichtweisen auf die Bildungsgeschichte in verschiedenen Kontexten zu eröffnen. Es wird eine Reihe von Fallstudien hervorbringen, die sowohl methodologische als auch empirische Erkenntnisse für Wissenschaftler in den Bereichen Bildungsgeschichte, Kindergeschichte und britische Imperialgeschichte liefern.