GRK 1014: Geschlecht als Wissenskategorie (I)
Auf einen Blick
DFG Graduiertenkolleg
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Projektbeschreibung
<p>Die Geschlechter- bzw. Genderforschung ist ein interdisziplinäres Forschungsfeld, das in den letzten Jahrzehnten entscheidend dazu beigetragen hat, die Konzeptionen von Geschlecht in vielen Disziplinen grundlegend zu reflektieren.</p>
<p>Das Graduiertenkolleg greift diesen interdisziplinären Ansatz auf, um erstens die für die einzelnen Disziplinen charakteristische Formierung von Geschlecht als Wissenskategorie zu untersuchen, und zweitens vergleichend die Differenzen zwischen den Disziplinen wie auch die Gemeinsamkeiten im Umgang mit dieser Wissenskategorie herauszuarbeiten.</p>
<p>Dabei rekurriert das Kolleg auf die immer deutlicher werdenden Überschneidungen zwischen der Wissenschaftstheorie und -geschichte einerseits und der Geschlechterforschung andererseits. Das Ziel ist ein Doppeltes: Erstens soll mit Geschlecht als Wissenskategorie das kritische Potential der Geschlechterforschung für die innerdisziplinäre Reflexion der epistemologischen Grundlagen des Wissens fruchtbar gemacht werden. Zweitens verfolgt die transdisziplinäre Fragestellung des Kollegs das Ziel, der Geschlechterforschung eine tragfähige methodologische Basis zu geben.</p>
<p>Im Zentrum des Graduiertenkollegs steht die Frage nach den impliziten und expliziten Funktionen der Kategorie Geschlecht für die Strukturierung wissenschaftlichen Wissens. In die Arbeit des Kollegs werden die Disziplinen einbezogen, in denen es einerseits eine relevante Geschlechterforschung gibt, und die andererseits wissenschaftshistorische und wissenssoziologische Kompetenzen bereitstellen, nämlich die kulturwissenschaftlichen Fächer, die Geschichtswissenschaften, die Medizingeschichte (inkl. der Wissenschaftsgeschichte), die Sozialwissenschaften und Pädagogik, die Religionswissenschaft und die Rechtswissenschaft. Die Humboldt-Universität schließt damit an eine Tradition an, bei der Berlin schon vor rund hundert Jahren auf dem Gebiet der Geschlechterforschung mit den Pionieren der Sexualwissenschaft, den Forschungen von Georg Simmel oder der Einrichtung des ersten psychoanalytischen Instituts eine Vorreiterrolle spielte.</p>
<p>Das an sich große Forschungsgebiet der Geschlechterforschung konzentriert sich pragmatisch auf zwei Schwerpunkte, die in besonderer Weise geeignet sind, die Interessen der beteiligten Disziplinen aufzugreifen und zugleich um ein thematisches Feld herum zu bündeln und zu konkretisieren. Erstens wird mit den theoretischen und methodischen Fragen der Geschlechterforschung die Aufnahme, der Ein- oder Ausschluss und die Einschreibung geschlechtlicher Kategorien in die Produktion wissenschaftlichen Wissens, in die Begriffsbildung und in die Wissensordnung in einzelnen Disziplinen untersucht. Zweitens bildet die geschlechtliche Codierung von Materialität und Körperlichkeit der Wissensobjekte in den einzelnen Disziplinen einen thematischen Schwerpunkt, da dieses Thema für alle am Kolleg beteiligten Fächer von besonderer Relevanz ist.</p>
Projektleitung
- Person
Prof. i.R. Dr. habil. Christina Braun
- Graduiertenkollegs