SFB 447 II-III: Repräsentation und Kinästhetik - Deixis und Lage (Teilprojekt A 1)
Auf einen Blick
DFG Sonderforschungsbereich
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Projektbeschreibung
In der Phase der Verschriftlichung der Volkssprachen gilt auch der Text als Corpus und diese Einschätzung wirkt bis heute nach (Kopfleiste, Fußnote, Rücken). Dazu gibt es Parallelen in sog. einfachen Ethnien, für die die verschriftete Stimme vom Körper noch nicht abstrahierbar ist: Wo eine Stimme ist, muß auch ein Körper sein. Ist die Stimme im Buch, ist auch der Körper im Buch, wie viele Darstellungen zeigen. Im Mittelalter wird diese Auffassung durch das Christentum kanonisiert, denn das Wort ist Fleisch geworden, Lesen und Schreiben sind Verfahren der Inkorporation und Exkorporation. Das Evangelium, aber auch das Rechtsbuch und danach die Codices der höfischen Literatur, können als Schrein verstanden werden
(vgl. die Prachteinbände). Wenn diese ,Schreine' geöffnet werden, werden sie zu Schauräumen, die die Choreographie der Körper zeigen. Unter dieser Voraussetzung ist die Interaktion mit dem Buch eine Interaktion zwischen Personen (wie die eines Betenden mit der Ikone der Maria).
Eine Poetik, die zur Grundlage hat, daß Literatur die Interaktion von Körpern fortsetzt,
kann Fühlbarkeit und Geruch nicht rekonstruieren, aber Sichtbarkeit, Hörbarkeit und
dynamischen Nachvollzug (Teilhabe) zu ihrer Grundlage machen. Die Alterität des
Literaturbegriffes vor Alberti (Zentralperspektive), vor Gutenberg (Buchdruck) und Luther (Buchstabe versus Bild) liegt unserer Forschungsperspektive zugrunde.
Projektleitung
- Person
Prof. Dr. phil. Horst Wenzel
- Sprach- und literaturwissenschaftliche Fakultät
- Institut für deutsche Literatur