Direkt zum Inhalt Direkt zur Suche Direkt zur Navigation Studieninteressierte Studierende Promovierende Alumni Schule Wirtschaft Presse

Humboldt-Universität zu Berlin

Betreuungshinweise für Promotionen

1 Einleitung

Die Begleitung der Beziehung zwischen Doktorand bzw. Doktorandin und dem Doktorvater bzw. Doktormutter bildet in diesem Leitfaden den Fokus. Der Leitfaden will den Betreuern helfen, die häufigsten Probleme zu identifizieren und sie schnell und effizient zu überwinden. Besonders junge Professoren und Professorinnen, die in der Betreuung noch nicht so versiert sind, sollen Anhaltspunkte für ihre Betreuungstätigkeit bekommen. Nicht alle Fragen und Entscheidungen, die sich in der Betreuung stellen sind aufgrund der eigenen Erfahrungen vorhersehbar und optimal planbar.

So hat sich der Prozess der Betreuung in den letzten Jahren stark gewandelt. In der Vergangenheit war die Betreuung eine sehr private Eins-zu-eins-Beziehung mit wenigen Einflüssen anderer auf den Prozess und das Ergebnis. Es gab weniger Doktoranden und diese bekamen im Prinzip soviel Zeit für die Promotion, wie sie brauchten. Diese Zeiten sind vorbei. Mit der Umsetzung der Promotion als 3. Phase der universitären Bildung in Europa (Bolognaprozess) wird die strukturierte Doktorandenausbildung in allen Fächern weiter voranschreiten.

Wenn man nur einen Hinweis geben sollte und könnte, der für die Betreuung wichtig ist, so ist es dieser, behalten Sie den Dialog zum Doktoranden bzw. zur Doktorandin und den Willen zur erfolgreichen Beendigung des Projektes auch in schwierigen Zeiten aufrecht.

Wir hoffen, dass die folgenden Tipps den Bogen einer erfolgreichen Betreuung vom Ausgangspunkt bis zur Perspektive der weiteren Karriere skizzieren helfen.

2 Beginn

Betreuung ist anstrengend und kostet viel Zeit. In der Europäischen Union wird deshalb diskutiert, ob man die Anzahl der zu betreuenden Doktoranden nicht beschränken sollte auf ca. 7 (Doctoral Programmes for the European Knowledge Society 2005). Eine Betreuung von mehr als 10 Doktoranden kann nach dieser Auffassung keine qualitätsgerechte Betreuung im Sinn des zielorientierten Abschlusses von den Dissertationen sein.

Die Auswahl der Promovierenden ist eines der schwierigsten Elemente des gesamten Ablaufes zumal es mehr und mehr Druck von Kandidaten gibt, die zu einer Promotion zugelassen werden wollen. Motivierte und befähigte Persönlichkeiten sind eine Ausgangsprämisse für den gesamten Prozess. So ist ein guter Rat, den Standard der Promotionsordnung und der Fakultät für die Auswahl strikt einzuhalten, um Schwierigkeiten während der Promotion zu umgehen. Es ist wichtig, alle in Frage kommenden Absolventen und auswärtigen Bewerber zu evaluieren, um sicher zu sein, dass man auch bei den betreuten Doktoranden einen richtigen Mix aus Fähigkeiten und Motivationen hat, die sich als ein sich ergänzendes Team untereinander unterstützen. Wenn man einen Kandidaten nicht genug zu kennen meint, kann man den Kollegen/ die Kollegin fragen, der seine/ihre Diplomarbeit betreut hat. Ausländische Absolventen sollten berücksichtigt werden, auch wenn hier die Betreuungsintensität mit großer Wahrscheinlichkeit höher zu veranschlagen ist.

Bei ausländischen Kandidaten/innen ist besonderer Wert auf die Eingangsvoraussetzungen zu legen. Die Motivation und die Fähigkeiten sind detailliert zu bewerten und es ist abzusichern, dass Grundkenntnisse in der deutschen Sprache vorhanden sind, um sich im alltäglichen Leben zurechtzufinden. Wenn es möglich ist, sollten von vornherein in dem Fachgebiet mögliche Doktorandenpatenschaften durch deutsche Promovierende angeboten werden. Während des Interviews sollten auch potenzielle Problemfelder angesprochen werden, wie z.B. ggf. das Experimentieren mit Tieren, politische und religiöse Themen.

Das Herangehen an die Auswahl der Promovenden differiert zwischen den Wissenschaften. In den Naturwissenschaften gibt es bereits häufig laufende Forschungsprojekte, zu denen der Professor/die Professorin den/die geeignete/n Promovierende/n sucht. In den Geisteswissenschaften nähern sich die Absolventen oft einem Professor, der ein Thema X betreuen könnte. Es folgt ein gemeinsames Annähern an das Thema mit Ausarbeitungen des Promovierenden und Beratungsgesprächen. Die Projektspezifikation kann ein gutes Auswahlinstrument sein. Deshalb ist eine Betreuerzusage nicht unbedingt nach dem ersten Interview anzuraten. In allen Disziplinen sollte dem/der Promovierenden die Möglichkeit gegeben werden, seine Ideen und Kreativität bei der Themenfindung wieder zu finden.

Die notwendige Zeit für eine Promotion soll von der Planung auf 3 Jahre beschränkt sein. Sie beruht auf Qualitätsstandards, "Fächertraditionen" bzw. den Betreuungsaktivitäten und der Finanzierung. Kurze oder lange Promotionszeiten hängen hauptsächlich von der Aufgaben- und Zielsetzung ab.

Die Wahl eines/r Zweitgutachters/in kann sowohl für den/die Promovenden/in als auch für das Projekt sehr entscheidend sein. Es ist notwendiger Weise nicht von Anfang an ein/e zweite/r Gutachter/in zu bestimmen. Häufig werden diese erst im Begutachtungsverfahren der Dissertation festgelegt. Das Vorgehen differiert stark in den Fächern. Um die Betreuung optimal zu gestalten, ist anzuraten, den/die Zweigutachter/in bereits zu einem sehr frühen Stadium in die Betreuung der Arbeit mit einzubeziehen. Die beiden Gutachter sollten im Interesse des/der Promovierenden eine gute Arbeitsbeziehung zueinander haben und sich gegenseitig zum Thema ergänzen. Der/die Erstgutachter/in ist derjenige der/die die Verantwortung trägt. Der/die Zweitgutachter/in sollte in spezifischen Fragen hinzu gezogen werden - sowohl vom Promovenden als auch vom Erstgutachter.

Das Hauptelement der Betreuung ist, den Enthusiasmus und die Energie des Promovierenden bis zur erfolgreichen Abgabe der Arbeit zu unterstützen. Unmittelbar nach der Zulassung zur Promotion sollte ein erstes Gespräch stattfinden, das vor allem der Planung der Forschungsarbeit dient.

Unterschiede in dem Herangehen an die Planung gibt es zwischen den Natur- und Geisteswissenschaften. In den Naturwissenschaften wird oft in einem Team eines Labors gearbeitet. Hier muss man sicher sein, dass er/sie sich in das Team, die Laborausrüstung und die bestehenden Forschungsarbeiten gut einpasst. In den Geisteswissenschaften ist oft ein längeres Literaturstudium erforderlich, ehe empirische Untersuchungen folgen. Hier schreiben die Promovenden auch parallel zu den einzelnen Stadien ihrer Untersuchung bereits an dem Dissertationsmanuskript. Hat man dieses vor Augen, ist es sehr von Bedeutung Teilziele für die Arbeit zu setzen.

Es gibt Durchschnittswerte für die Geisteswissenschaften, die besagen, dass ein Abschnitt mit 5000 Wörtern in den ersten 3 Monaten geschrieben worden sein soll, der das zusammenfasst, was die aktuelle Literatur zum Thema enthält und den Focus der Forschungsarbeit beschreibt. Dieses ist ungefähr der Umfang des Exposés, mit dem sich ein Promovend bei Stiftungen und der Promotionslandesförderung (NaFöG) bewerben kann. Der Zeitumfang dafür ist in etwa gleich anzusetzen. Die Anforderung gilt im Fall des Exposés auch für Naturwissenschaftler/innen und kann auch hier als Richtwert gesehen werden.

Die Naturwissenschaftler/innen sollten unter der Berücksichtigung der Arbeitsverteilung während der Promotionszeit nach einem aber spätestens nach zwei Jahren begonnen haben, an der Dissertation selbst zu schreiben.

Die Betreuung von Promovierenden sollte in den Fachgebieten transparent gemacht werden. D.h.: bestimmte Bürozeiten für Beratungen einräumen, angekündigte regelmäßige Doktorandenkolloquien, festgelegter Zugang zu Fachgebietesressourcen für Doktoranden (Räume, Seminarmöglichkeiten, Kongressankündigungen), festgelegte regelmäßige Berichtszeiträume. Zu diesem Zweck sollten Betreuungsvereinbarungen geschlossen werden, die neben der damit dokumentierten Verbindlichkeit die "empfundene" Verbindlichkeit zwischen Professor/Professorin und Promovierenden nicht außer Acht lassen.

3 Betreuungsvereinbarung

"Um Missverständnissen vorzubeugen ist es ratsam, die gegenseitigen Verantwortlichkeiten der Doktoranden und ihrer Betreuer in Promotionsverträgen/-vereinbarungen festzuschreiben.

Doktorand/in und Betreuer/in sollten zudem ein überfachliches Qualifizierungsprogramm zur Vermittlung von Schlüsselqualifikationen oder Fähigkeiten im Projektmanagement festlegen. Im Normalfall umfasst das Qualifizierungsprogramm auch die Vorbereitung auf eine Tätigkeit außerhalb der Wissenschaft." (Winde/Schreiber 2006)

Der Abschluss der Promotionsvereinbarung als dokumentiertes Verhältnis des/der Promovenden/in zum/r Betreuer/in und ggf. zu den weiteren Betreuern und zu der Einrichtung, dient der grundsätzlichen Feststellung von Verantwortung und ist damit auch ein Mittel, um diesbezügliche potenzielle Konflikte zu vermeiden.

Ausdrücklich wird darauf verwiesen, dass eine Promotionsvereinbarung keine starre Sollvorgabe für jedes Fachgebiet ist und sein kann. Sie soll vielmehr eine Hilfe bei der Konkretisierung von Eckpfeilern einer Betreuer-Promovenden-Beziehung sein, die Verlässlichkeit des Verhaltens der Beteiligten ausweist.

4 Planung

Der Plan ist ein Raster zur Orientierung und Ausfüllen der inhaltlichen, methodischen Arbeitsschritte und zur Festlegung von Meilensteinen (z.B. Kongressteilnahme, Feldforschung). Die DFG orientiert in ihren Anträgen darauf, dass die Hälfte des Antragsvolumens der Arbeitsplan ausmachen sollte. An diese Standards sollten die Promovierenden langsam herangeführt werden. Wenn also ein Exposé einer Dissertation von ca. 10 Seiten in den ersten drei Monaten der Dissertation entsteht, sollte ein Arbeitsplan im Umfang von ca. 5 Seiten vorliegen. Der Aufbau des Exposés ist sehr fachabhängig und orientiert sich an den Fachstandards (Literatur: Promovieren mit Perspektive 2006). Der Arbeitsplan in tabellarischer Form, kann in seiner Grundstruktur wie folgt angelegt sein.


Zeit Arbeitsschritte Ressourcen / Bemerkungen
1. Jahr


3 Monate
− Betreuerzusage/ Anmeldung der
Promotion
− Erarbeitung des Exposés
− Betreuer Gespräch
− Bewerbung um Stipendien
− weiteres Literaturstudium /Planung
der Experimente
− Herausarbeiten von Qualifikations-
notwendigkeiten und -möglichkeiten - Planung dieser

− Verwaltung der Universität, Betreuer
− Bibliothek, Internet, Konsultationen
− Ressourcen sichten und planen der notwendigen finanziellen Möglichkeiten
− Bibliothek, Kontakte zu anderen Forschungseinrichtungen mit ähnlichen Schwerpunkten
− Planung (zeitlich und finanziell) der Kurse fachlich, außerfachlich, methodisch
(Fa-kultät, Berufliche Weiterbildung, Kongresse, Arbeitsaufenthalte) Ressourcen festlegen
3 Monate − Betreuer Bericht/Gespräch
− Prätests, weitere Literaturrecherchen, Dokumentation der Ergebnisse, erste Seiten schreiben
− erste Qualifizierungskurs(e)

− Überlegungen zur Publikation der Dissertation, Entscheidung über elektronische oder Buchveröffentlichung
3 Monate − Betreuer Gespräch
− weitere Literaturrecherchen, Dokumentation der Ergebnisse, erste Seiten schreiben
− Qualifizierungskurs(e)
− Vorlage einer ausführlichen Gliederung der Dissertation mit der ersten Version der Methodendarstellung und Literaturrecherchen
− fachliche, persönliche und kommunikative Einschätzung (entsprechend der Checkliste)
3 Monate − Betreuer Bericht/ Gespräch − fachliche, persönliche und kommunikative Einschätzung (entsprechend der Checkliste)
− Endgültige Empfehlung des Betreuers, ob Promotion weitergeführt wird
− konkrete Festlegung für die Durchführung von Seminaren und Kongressteilnahmen für den Promovierenden für 3 Semester
− Reservenidentifizierung
− Schwerpunkte festlegen
2. Jahr







3 Monate
− Konkretisierung der Planung
− Konkretisierung des Themas
− weitere Experimente /Feldforschung
− Publikation/Vorträge
− Vorbereitung und Durchführung eines Seminars
− Qualifizierungskurs(e)
− Betreuer Gespräch
− weitere Experimente /Feldforschung
− Publikation/Vorträge
− Vorbereitung und Durchführung eines Seminars
− Qualifizierungskurs(e)
− vergleichende Recherchen/ Untersuchungen an anderen Einrichtungen
− erste Publikationen Vorträge /Seminare
− Lokalisierung der Fortschritte und Probleme durch die neuen Aufgaben (Lehre/ Präsentationen/Schreiben) evtl. Festlegung zusätzlicher Qualifikationen

− fachliche, persönliche und kommunikative Einschätzung (entsprechend der Checkliste)
3 Monate − Betreuer Bericht/ Gespräch
− weitere Experimente/ Feldforschung
− Publikation/Vorträge
− Vorbereitung und Durchführung eines Seminars

− fachliche, persönliche und kommunikative Einschätzung (entsprechend der Checkliste)

3 Monate
− Qualifizierungskurs(e)
− Betreuer Gespräch
− weitere Experimente/ Feldforschung
− Publikation/Vorträge
− Vorbereitung und Durchführung eines Seminars
− fachliche, persönliche und kommunikative Einschätzung (entsprechend der Checkliste)

3 Monate
− Qualifizierungskurs(e)
− Betreuer Bericht/ Gespräch
− Vorlage zum Stand der erarbeiteten Kapitel der Dissertation mit der Methodendarstellung und Stand der Wissenschaft
− fachliche, persönliche und kommunikative Einschätzung (entsprechend der Checkliste)
− wenn möglich spätestens hier Einbeziehung/Auswahl eines Zweitgutachters
3. Jahr










3 Monate
− letzte Experimente /Feldforschung
− Publikation/ Vorträge
− Vorbereitung und Durchführung eines Seminars
− Qualifizierungskurs(e)
− Überarbeitung/ Festlegung der Gliederung, schriftliche Ausarbeitung der Kapitel der Dissertation mit der Methodendarstellung und Stand der Wissenschaft
− Betreuer Gespräch
− weitere schriftliche Ausarbeitung der Dissertation
− Vorlage der Dissertation
− fachliche, persönliche und kommunikative Einschätzung
(entsprechend der Checkliste)

− Ablauf der Fertigstellung und
Einreichung der Dissertation
(Feinplanung)
3 Monate − Betreuer Bericht/Gespräch
− letzte abschließende Überarbeitung einiger Kapitel der Dissertation
− Fachliche Einschätzung evtl. Einbeziehung des Zweitgutachters
3 Monate − Betreuer Gespräch
− Einreichen der Dissertation

3 Monate
− Vorbereitung der Disputation
− Betreuer Gespräch
− Disputation
− Fachliche Einschätzung evtl. Einbeziehung des Zweitgutachters

Für Promovierende, die ihre Promotion aus unterschiedlichen Gründen in Teilzeit absolvieren, ist der Arbeitsplan anzupassen. Dabei kann bei Arbeitsverträgen mit der Universität (z.B. auf einer BAT II-1/2 Stelle) von 5 Jahren Promotionsdauer ausgegangen werden. Bei Teilzeitbeschäftigungsverhältnissen im außeruniversitären Bereich können bis zu 6 Jahre veranschlagt werden. Grundsätzlich sollte die Dauer einer Promotion diesen Zeitrahmen nicht überschreiten.

5 Prozessbegleitung

Wie aus der Planung der Promotion bereits hervorgeht, sind regelmäßige Treffen mit dem/der Promovierenden wichtig und bedürfen der langfristigen Festlegung und Berücksichtigung in den Arbeitsabläufen eines/r Betreuer/in.

Die althergebrachte Einzelkonsultation auf Bitten des/der Promovierenden, ist nur eine Möglichkeit. Beide sollten entsprechend der Promotionsvereinbarung bzw. der Planung zumindest zu angesetzten Terminen oder Sprechzeiten aufeinander zu gehen.

Weitere effektive Formen der Zusammenarbeit an dem Forschungsthema des/der Promovierenden sind Gruppendiskussion in Kolloquien aller Doktoranden eines Fachgebietes oder auch organisierte Präsentationen von Teilergebnissen in einem Fachkollegium. Dabei muss nicht gleich eine Fachtagung organisiert werden, sondern gemeint sind hier vor allem der interne Austausch der Doktoranden/innen (Doktorandenkolloquien), das voneinander Lernen. Die Präsentationen können neben Darstellung der Forschungsergebnisse als "Experimentierfeld" für die wissenschaftliche Diskussionskultur auf Tagungen verstanden werden.

Ein besonderer Anlass kann die Präsentation der Ergebnisse des/der Doktoranden/in auf nationalen oder internationalen Fachtagungen bzw. Kongressen sein, zu denen am Anfang, wenn möglich, gemeinsam gefahren werden sollte. Auf den Tagungen können sich die Promovierenden in die Scientific Community einbringen und Kontakte zu anderen Einrichtungen, Personen und den umliegenden Forschungsfeldern aufbauen.

In der Auswertung dieser gemeinsamen Erlebnisse besteht die Möglichkeit, sowohl die Präsentation als auch inhaltliche Aspekte mit dem Stand der Forschung anderer Kollegen/innen intern zu diskutieren.

Die regelmäßige Auswertung des Standes der Promotionsarbeit anhand der halbjährlichen Zwischenberichte, ist wichtig, um den Promovierenden die Sicherheit eines Fortschritts der Arbeit zu geben. Falls dieser Fortschritt nicht erreicht wurde, ist es wichtig das zu reflektieren und Schlussfolgerungen daraus zu ziehen.

Es ist nicht unüblich, dass nach dem ersten Jahr z.B. nach dem Fehlschlagen der Experimente, die Promotion in eine andere Richtung mit einem modifizierten Thema laufen kann. Das ist aber ein Punkt in dem das Fingerspritzengefühl des/der Betreuers/in in der Kommunikation und der Motivierung eine große Rolle spielt. Denn beide müssen sich umorientieren und auf die "Weiterreise mitgenommen werden". Es muss unter allen Umständen verhindert werden, dass die/die Promovierende in eine Einbahnstraße gerät aus der es an einem bestimmten zeitlichen und inhaltlichen Punkt keine Rückkehr oder Abbiegemöglichkeit mehr gibt. Wenn dieses im zweiten Jahr passiert und der/die Promovend/in vom Thema abdriftet oder sich in Einzelheiten verliert, kann es im dritten Jahr zu einer "Panik" kommen, die ihn/sie blockiert. Im Nachhinein kann schlecht damit umgegangen werden, dass Experimente, Interviews, Datensammlung und Analyse nicht zu dem angenommenen Ergebnis geführt haben.

Nach dem ersten Jahr sollten beide – sowohl der/die Betreuer/in als auch der/die Promovierende - die Möglichkeit haben, eine Promotion abzubrechen. Diese Möglichkeit kann in der Betreuungsvereinbarung explizit vorgesehen sein, oder sollte individuell mit der Betreuerzusage besprochen werden. Es gibt vielerlei Gründe, die dazu führen können. Die Kriterien für die Weiterführung der Dissertation sollten sein: Fortschritt in der Dissertation, vorhandene Motivation, gute zielführende Kommunikation.

In den Fortschrittberichten sollte darauf eingegangen werden, was getan oder nicht getan wurde und welche guten Erfahrungen und Probleme es diesbezüglich gab. Daraus sind Schlussfolgerungen für die Arbeit der kommenden Monate zu ziehen und der Arbeitsplan zu aktualisieren. Teilziele können auf diese Weise überprüft und neu gesetzt werden, die transparent für beide Seiten sind. Es wird für beide Seiten von Vorteil sein, wenn die Arbeit (oder zumindest ein Teil der Arbeit) in mehrere kleinere abgrenzbare Aufgaben herunter gebrochen werden kann, die schreibend begleitet werden. Ein Problem kann das Zeitbudget des Betreuers zum Lesen und Kommentierung der eingereichten Abschnitte der Arbeit sein. Promovierende und Betreuer müssen übereinkommen, wann die Kapitel eingereicht und wann diese kommentiert zurückgegeben werden können.

In der Promotion muss Platz für Forschungsdrang und Innovation sein. Die Betreuer sollten proaktiv diesen Prozess begleiten. Vielleicht zum Anfang stärker als zum Ende. Das ist von verschiedenen auch individuellen Faktoren abhängig.

Es soll vermieden werden, dass sich die Promovierenden möglicher Weise bereits von ihrem Promotionsvorhaben verabschiedet haben, aber der Betreuer weiterhin denkt, dass der Prozess normal und ruhig weiter läuft und Unzufriedenheit von seiner Seite nicht wahrgenommen wird und deshalb auch nicht gegengesteuert werden kann. Dieses kann wohl weniger in Laboren als in den Geisteswissenschaften passieren. Deshalb ist es da umso wichtiger, dass die Promovierenden voll in das intellektuelle Leben des Fachgebietes eingebettet sind und z.B. auch an Seminaren teilnehmen oder sie selbst durchführen. Das kann schwierig sein, wenn Promovierende ihre Promotion selbst finanzieren müssen. Deshalb sollte der/die Betreuer/in sich für "seine" Promovierenden einsetzen, dass Stipendien oder forschungsnahe Jobs in der Universität akquiriert werden. Denn nur ein "freier" Geist kann auch kreativ sein.

Hilfe bei der Prozessbegleitung kann eine Checkliste zur Orientierung für die vierteljährlichen Besprechungen des Promovierenden mit dem Betreuer sein. Diese oder ähnliche Hinweise können zur Transparenz des Verfahrens dem Promovierenden zur entsprechenden Vorbereitung übergeben werden (nach Senger 2003).


Fachliche Einschätzung des/der Betreuers/in und des/der Promovenden/in:

  • Fachliche Progression/Zwischenergebnisse
  • Relation des erreichten Arbeitspensums zu den im Zeit-/Arbeitsplan vorgesehnen Zielen
  • Schwerpunkt auf theoretische oder anwendungsbezogene Arbeiten?
  • Aktuelle Forschungsliteratur/Zeitschriftenartikel zum Dissertationsthema
  • Auswertung/Kommentar zu Fachartikeln
  • Neue fachliche Ideen und Perspektiven

Persönliche Einschätzung des/der Betreuers/in und des/der Promovenden/in:

  • Bewertung der Initiativen
  • Bewertung der Selbstdisziplin
  • Zufriedenheit mit dem Vorankommen der Dissertationsarbeit
  • Sichtbare Fortschritte innerhalb des Vierteljahres
  • Begabung/Interesse für theoretische oder anwendungsbezogene Arbeiten
  • Themen/Wissenschaftsbereiche (Methodik) für den weiteren wissenschaftlichen Werdegang

Kommunikative Einschätzung des/der Betreuers/in und des/der Promovenden/in:

  • Besteht Möglichkeit zum fachlichen Austausch?
  • Wie ist das wissenschaftliche und soziale Umfeld des Arbeitsplatzes?
  • In welchem Rahmen findet die Präsentation der Zwischenergebnisse statt?
  • Von Hochschullehrern/innen bzw. Doktorandenkollegen/innen erhaltene Anregun-gen?
  • Stattfindende Fachkongresse/ Beteiligung? In welcher Form? Finanzplanung
  • Interessante wissenschaftliche Ansprechpartner im In- und Ausland, welche Möglich-keiten der Kontaktaufnahme?

6 Promotion als Weiterbildung

Die Betreuer haben eine besondere Rolle in der Hinführung der Promovierenden, ihre individuellen Bedürfnisse zu artikulieren und in eine sinnvolle Struktur für den Dissertationsablauf einzubetten. Sie sollten die Promovierenden ermutigen, eine breite Facette von Fähigkeiten zu entwickeln, die forschungsrelevant sind und Führungs- und Kommunikationsverhalten ausbauen. An der Humboldt-Universität sind verschiedenen Möglichkeiten der Teilnahme an solchen Angeboten möglich.

Zuerst sollten die Lehrangebote für Studierende der Masterausbildung der Fakultäten bezüglich der zusätzlichen fachlichen und methodischen Erweiterung der Kompetenzen reflektiert und ausgewählt werden.

Weitere spezifisch für Doktoranden/innen ausgelegte Veranstaltungen u.a. auch gestaltet durch Gastdozenten/innen bieten die strukturierten Promotionsprogramme, wie Graduiertenkollegs und PHD-programm. Hier kann auch bei einer individuellen Promotion eine Teilnahmemöglichkeit mit den koordinierenden Stellen abgesprochen werden. Doktoranden/innen sollten angeregt werden, Seminare selbst zu organisieren und Referenten einzuladen.

Seminare, Übungen, Laboraufenthalte an anderen Einrichtungen, auch im Ausland, sollten schwerpunktmäßig beachtet werden. Wichtig sind für die Planung die Forschungsaufenthalte, dass diese schon bei der Einreichung der Exposés für die Förderung der Promotion beantragt werden muss, um eine entsprechende Kostenunterstützung zu erhalten.

Die Weiterbildung der Humboldt-Universität bietet für Doktoranden/innen aller Fachrichtungen ausgelegte Veranstaltungen für den Bereich der "Soft-Skills" an z.B. zum Lehren lernen, dem Überwinden von Schreibblockaden oder zur Führung von Arbeitsgruppen.

Als Betreuer/in sollten Sie darauf achten, dass die Angebote entsprechend dem Profil der Arbeit und des/der Promovierenden ausgewählt werden. Die Zeitbelastung sollte in vier Semestern (im 2.-5. Semester der Promotion) jeweils 4-6 SWS nicht überschreiten.

7 Abgabe der Dissertation

Eine wichtige Aufgabe des/der Betreuers/in besteht darin, die Arbeit an der Dissertation nicht ins unendliche unbeforschte Feld ausufern zu lassen, sondern auf Grenzen (Zeit und Umfang) hinzuweisen und auf den Abschluss angemessen zur Befriedigung der Beteiligten hinzuführen. Dabei sollten der Neuigkeitswert der Arbeit und die einzelnen Facetten zur abgerundeten Darstellung des Themas ausgeleuchtet werden.

Zur angenehmen aber auch arbeitsaufwendigen Pflicht eines/r Betreuers/in gehört die Begutachtung der Dissertation. Das Gutachten soll ehrlich sein und die realen Stärken und Schwächen der Arbeit bewerten. Die erfolgreiche Einbeziehung eines Zweitgutachters, der die entsprechende zusätzliche Expertise hat, offen ist und einen fairen Umgang mit der Arbeit und dem/der Promovierenden ermöglicht, gibt dann ein abgerundetes Bild von den Möglichkeiten und erreichten Ergebnissen in der Bearbeitung des Themas.

Der Promotionsausschuss wird in der Regel durch die Fakultät bestimmt. Die Zeit für das Anfertigen der Gutachten sollte im Interesse des Promovierenden nicht länger als zwei bis drei Monate in Anspruch nehmen. Mit dem/der Zweitgutachter/in sollte der/die Erstbetreuer/in so kommunizieren, dass diese Frist insgesamt nicht überschritten wird und sich das Promotionsverfahren nicht zu lang gestaltet. Sie sollten bedenken, dass der/die Promovierende sich oftmals ohne Abschluss des Promotionsverfahrens nicht weiter bewerben kann.

8 Vorbereitung der Disputation

Während viele Promovierende die Verteidigung als Höhepunkt und krönenden Abschluss ihrer Promotionsphase sehen, zu dem sie ihre Ergebnisse präsentieren können, erleben andere Promovierende die letzte Phase als Stress. So kann es sehr wichtig sein, die Disputation gemeinsam vorzubereiten. Ggf. kann der Promovierende auf angenommene Fragestellungen oder Schwachpunkte der Dissertation aufmerksam gemacht werden. Der Promovierende sollte die Schwachstellen der Arbeit aber möglichst selbst ansprechen und Strategien zu der Verteidigung vorstellen.

Es kann vorkommen, dass Promovierende Kritik an ihrer Arbeit sehr persönlich nehmen. In diesem Fall sollte man den Rat geben, dass die Kritik an der Arbeit nichts mit der Person zu tun hat.

Wenn der/die Betreuer/in sich nicht sicher ist, dass die Disputation positiv ausgeht, sollte dieses dem Promovierenden nicht vor der Disputation gesagt werden, um die Motivation für die Verteidigung zu erhalten. Gerade in diesem Fall ist eine Unterstützung bei der Vorbereitung notwendig und evtl. auch das Gespräch mit Vertretern der Promotionskommission zu suchen.

Wenn die Disputation erfolgreich evtl. mit der Auflage von einigen Überarbeitungen gelaufen ist, sollte von der Promotionskommission eine Liste für die Änderungen dem Promovierenden übergeben werden, um die Änderungen in einer angemessenen Zeit bearbeiten zu können.

9 Potenzielle Probleme

Abbruch der Betreuung

Der Abbruch einer Betreuung ist nicht so unüblich. Wenn zuvor eine Betreuungsvereinbarung getroffen wurde, in der man sich nach einem Jahr mit der entsprechenden Begründung aus der Betreuung zurückziehen kann, ist das unter Angabe der fachlichen persönlichen oder auch kommunikativen Gründe kein großes Problem. Folgende Fälle sind denkbar:

Wenn es so aussieht, dass der/die Kandidat/in mit einer Promotion intellektuell überfordert ist, sollte dieses Inhalt einer Aussprache sein, die möglichst noch in dem ersten Jahr mit der entsprechenden Schlussfolgerung, dem Abbruch der Betreuung, endet. Eine weitere Begleitung durch den/die Betreuer/in ist dann nicht erforderlich.

Wenn sich die Arbeit aus dem eigenen Fach zu weit entfernt entwickelt hat, sollte der Betreuer unterstützend bei der Suche eines/r Kollegen/in einwirken und evtl. auch die Kontakte selbst herstellen. Dieser Wechsel sollte nicht später als nach dem dritten Semester erfolgen.

Trotz gründlicher Auswahl und Vorgesprächen, kann es zu nicht produktiv lösbaren Kommunikationsproblemen kommen. Diesen kann man sich gut in einer Diskussion innerhalb der Gruppe seiner Doktoranden nähern. Wenn es sich aber zeigt, dass die Kommunikation sich so entwickelt, dass das keinen positiven Abschluss der Arbeit vermuten lässt und entsprechende Gespräche nicht mit dem gewünschten schlussfolgernden Resultaten erfolgen, ist eine Trennung von der Betreuung ratsam.

Wenn man sicher davon ausgehen kann, dass die Zusammenarbeit bei einem/einer anderen Kollegen/in durchaus positiv verlaufen könnte, kann man sich für den Promovierenden einsetzen. Schlussfolgerungen für weitere Bemühungen des Promovierenden zur Weiterführung seiner Promotion sollten von dem Promovierenden selbst gezogen werden.

Wenn eine Betreuung aus Gesundheitsgründen, Emeritierung oder Wegberufung nicht fortgeführt werden kann, ist meist ein Betreuerwechsel erforderlich. Der Promovierende hat durch die Zulassung zur Promotion an der Fakultät das formale Recht einen anderen Betreuer zu erhalten. Hier sollte der Betreuer beratend unterstützen.

Arbeit in aller Stille

Eine der großen Fehlannahmen eines/r Betreuers/in ist, wenn er/sie denkt der/die Promovend/in macht Fortschritte, weil er/sie sich nicht meldet. Es kann durchaus sein, dass die Promovierenden mit sich selbst nicht im reinen sind und einer Aussprache aus dem Weg gehen. Bereits wenige verlorene Monate können den Unterschied zwischen Erfolg oder Misserfolg ausmachen. Oft sind es wenige Indikatoren, die mit ziemlicher Sicherheit den einen oder anderen Schluss zulassen. Die aufmerksame Verfolgung der Einhaltung der Arbeitspläne gibt eine relative Sicherheit im Umgang mit dem Problem.

Finanzielle Probleme

Finanzielle Probleme, können genauso wie persönliche und gesundheitliche Probleme schwerwiegend sein, da diese vom Betreuer in der Regel nicht zu beeinflussende Faktoren sind. Es ist deshalb wichtig, vor dem Beginn der Betreuung nach diesen Faktoren zu fragen und nach Abwägung der daraus absehbaren Schwierigkeiten einer Promotion zuzuraten oder abzuraten.

Es sollte zum Beispiel niemand zu einer Promotion motiviert werden, wenn überhaupt keine Aussicht auf eine angemessene Finanzierung besteht. Unter angemessener Finanzierung versteht man ein mindestens zweijähriges Stipendium zur Promotion. Die Anträge dafür sind in der Regel durch den/die Promovenden/in selbst zu stellen und setzt exzellente Studienabschlüsse und ein ebensolches Exposé voraus. Auch aus diesem Grund sollten sie genau überlegen, ob der Promovierende das Zeug hat, ein Stipendium zu erhalten. In der Mehrzahl aller Bewerbungen um ein Stipendium werden mindestens ein oder zwei Fachgutachten gefordert. Diese haben einen hohen Wert in der Begutachtung der Anträge. Der/die Betreuer/in sollte sie in jedem Fall mit der gebotenen Sorgfalt und gut inhaltlich untersetzt abgeben. Es kann sein, dass der/die Promovierende das Verfahren mehrmals durchlaufen muss und jedes Mal aktuelle Gutachten erforderlich werden. Dieser Aufwand ist nicht zu umgehen und sie bekommen dafür eine/n gut abgesicherte/n und voll einsatzfähigen junge/n Forscher/in.

Da im statistischen Durchschnitt die Promotionen 4 Jahre dauern, besteht bei einer Dauer der Stipendien von 2 bis maximal 3 Jahren eine erhebliche Finanzierungslücke. Der/die Betreuer/in sollte überprüfen, ob aus anderen Hilfskraftmitteln oder Projektmitteln überbrückt werden kann. Eine Finanzierung mit disziplinfernen Vollzeitarbeitsverhältnissen (Jobs - hier sind keine externen Promotionen gemeint), wie es bei geisteswissenschaftlichen Promotionen durchaus nicht selten ist, dient nicht einer karriereorientierten zügigen Promotion. Teilzeitarbeit bis maximal 30-40 % einer Vollbeschäftigung können möglich sein.

Zielstrebige Promovierende, die den Ratschlägen der Betreuer nicht folgen

Wenn dieses Problem identifiziert ist, muss mit dem Promovierenden ein klärendes Gespräch geführt werden. Hier muss klar geäußert werden, was erwartet wird. Diese sollte schriftlich festgehalten werden und von beiden Seiten anerkannt werden.

Andererseits sollte eine Promotion selbstständige wissenschaftliche Arbeit ermöglichen. Wenn ein gutes Vertrauensverhältnis vorhanden ist, muss man dem Doktoranden erlauben, aus begründeten Überlegungen auch wohlgemeinten Ratschlägen nicht folgen zu müssen damit aus Förderung keine Gängelung wird.

Wenn Ratschläge zurückgewiesen werden, weil die Kommunikation zwischen Betreuer/in und Promovierenden schlecht ist, sollte das Betreuerverhältnis abgebrochen werden.

Perfektionismus

Das "Nie-ganz-fertig-werden" kann ein Problem sein. Natürlich wird es immer wieder Kleinigkeiten geben, an denen der/die Promovierende gern noch arbeiten würde, um die Dissertation zu perfektionieren. Hier muss der/die Betreuer/in ein Gespür dafür haben, wann die Arbeit im Groben fertig ist und den inhaltlichen Anforderungen einer erfolgreichen Dissertation entspricht. An diesem Punkt muss der/die Betreuer/in in den evtl. weiter gedachten Ausbau der Thematik beratend eingreifen. Natürlich liegt das Einreichen in der Hand des Promovierenden, aber im Interesse der weiteren Karriere sollte hier durch den Betreuer auf eine Angemessenheit des Projektes "Promotion" hingewiesen werden.

10 Beratungskompetenzen der Betreuer/in

Die Betreuung der Promovierenden verlangt andere Fähigkeiten als z.B. eine Seminarführung oder Vorlesung. Eine gute Vorbereitung der Gesprächstermine, die Fähigkeit der zielgerichteten Gesprächsführung sind gefragt. Die Netzwerkarbeit mit den Promovierenden innerhalb der Scientific Community (sowohl im Fachgebiet als auch auf Tagungen) ist ein wichtiger Punkt. Konflikterkennen, Konfliktlösung aber auch Emphatie sind hilfreich.

Mit der Ausprägung der eigenen Fähigkeiten helfen Sie den jungen Wissenschaftlern durch Vorbildwirkung Fähigkeiten zu erwerben, die diese zu geachteten Kollegen/innen machen und ihre Werte und Inhalte an anderen Orten mittragen.

11 Beratung für weitere Wege

Es ist besonders wichtig, die Perspektive für eine weitere Karriere im Auge zu haben und diese anzusprechen. Dazu muss sich der/die Betreuer/in über die Optionen für seine Promovierenden und eigene Beratungsmöglichkeiten im Klaren sein bzw. Beratungskompetenzen von außen für die Promovierenden gezielt nutzen.

Hier eine Auswahl einiger Aspekte, die berücksichtigt werden sollten:

Ins Ausland und zurück

Oft wird von Berufungskommissionen beklagt, dass junge Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in Deutschland geographisch und inhaltlich wenig mobil sind. Promotionen und die daran anschließende Postdoktorandenphase mit oder ohne Habilitation werden häufig in derselben Arbeitsgruppe durchgeführt. Erst spät wird bemerkt, dass internationale Reputationen für die Berufung auf Professoren-/innenstellen benötigt werden.

Spätestens die Postdoktorandenphase sollten junge Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen für ihre "Lehr- und Wanderjahre" nutzen in denen sie neue Forschungsschwerpunkte, -methoden und -einrichtungen kennen lernen. Ein Hauptziel des Austausches ist die wechselseitige Befruchtung der Forschungsarbeiten der jungen Wissenschaftler/innen und der Kooperationspartner. Die Postdoktoranden/innen sollen einerseits im Gastinstitut ihre Forschungsmethoden und Fachkompetenz erweitern. Andererseits sollen sie selbst eigene Methoden und Erfahrungen einbringen, die dem Gastinstitut nützlich sind, um neue wissenschaftliche Fragestellungen zu entwickeln und zu untersuchen (Zukunftsdialog 2002). Statistisch gesehen gehen die meisten deutschen Postdoktoranden in die USA. Danach folgen Großbritannien und die Schweiz. Die USA rangiert nach wie vor an erster Stelle, weil hier attraktive Arbeitsmöglichkeiten gegeben sind. Das bezieht sich sowohl auf einen zeitweiligen, geförderten akademischen Aus- oder Fortbildungsaufenthalt als auch auf den mehr oder minder dauerhaften Lebens- und Arbeitsort. Zur Vorbereitung dieser Phase kann der/die Promotionsbetreuer/in eine wesentliche Rolle spielen.

Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen

Es gibt eine Vielzahl von außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Deutschland. Viele sind in der Leibniz Gemeinschaft zusammengeschlossen. Gemeinsam ist allen, dass sie sich um Spitzenforschung bemühen und in dem Bereich des wissenschaftlichen Nachwuchses Postdoktorandenpositionen und befristete Stellen für Forschung und Entwicklung vergeben. Nach Beendigung dieser Tätigkeit ist eine Rückkehr an die Hochschule prinzipiell möglich.

Die größten Forschungseinrichtungen Deutschlands, die z.T. auch international agieren, sind:

  • Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V. (MPG)
  • Fraunhofer-Gesellschaft (FhG)
  • Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF)
  • Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibnitz (WGL - Blaue Liste)
  • Deutsche Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DLR)
  • Hahn-Meitner-Institut (HMI)

Die enge Verbindung und die guten persönlichen Kontakte der Professoren/innen zu außeruniversitären Forschungseinrichtungen sind eine entscheidende Voraussetzung für fruchtbare Zusammenarbeit in der Forschung, für den raschen und erfolgreichen Abschluss zahlreicher Berufungsverfahren und für eine große Zahl von Habilitationen und Dissertationen von Mitarbeitern/innen.

Kooperationen mit Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen

Aus der Zusammenarbeit in Forschung und Lehre mit Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen kann eine wichtige Ressource der Vernetzung der Alumni des eigenen Fachgebietes entstehen. Praktikanten und Diplomanden sind oftmals die erste Brücke dahin. Promovierte sind noch mal mehr mit dem Ruf der eigenen Person des Betreuers und der damit verbundenen Qualität der inhaltlichen Zusammenarbeit gekoppelt. Wenn Promovierte den Empfehlungen und der Netzwerke der Betreuer folgen, kann intensive weitere Zusammenarbeit forciert und den Promovierten ein guter Weg in die Praxis gewiesen werden.

12 Literatur

DUZ Werkstatt: Betreuung von Promotionen, August 2005, S. 2-10

GEW-Handbuch "Promovieren mit Perspektive" – Ein Ratgeber von und für DoktorandInnen, Aus: GEW Materialien aus Hochschule und Forschung, Bd. 111, W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co.KG, Bielefeld, 2006, S. 64-77

Handbook for Supervisors - A guide to supervisory practice, Published by the College Postgraduate research Students Committee, King`s College London, University of Lon-don 2005/06

Improving standard in postgraduate research degree programmes (formal consultation), Department for Employment and Learning, Northern Ireland, Higher Education Funding Council for England, Higher Education Funding Council for Wales, Scottish Higher Education Council, May 2003

Leitfaden für Betreuung von Promotionen an der Universität Kassel 2005

Senger, Ulrike : Internationale Doktorandenstudien , W. Bertelsmann Verlag GmbH Co. KG 2003, S. 85

Supervisor out of the Box, University of Salford

University Handbook of Examiners of Research Degrees 2002, University of Newcastle upon Tyne, updated 2004

Winde, M.; Schreiber, A.: Personal ist keine Qual, In: duzMAGAZIN 01/2006, S. 23

Herausgeber

<p>Humboldt-Universität zu Berlin<br />
Forschungsabteilung<br />
Unter den Linden 6<br />
10099 Berlin<br />
Tel: 030-2093-1636<br />
Fax: 030-2093-1660<br />
E-Mail: <a href="mailto:nachwuchs@uv.hu-berlin.de">nachwuchs@uv.hu-berlin.de</a><br />
<a href="http://forschung.hu-berlin.de">http://forschung.hu-berlin.de</a></p>