Direkt zum Inhalt Direkt zur Suche Direkt zur Navigation Studieninteressierte Studierende Promovierende Alumni Schule Wirtschaft Presse

Kontakt

Kontakt

Unter den Linden 6
10099 Berlin

Sekretariat

Fon: 030 2093-2946
Fax: 030 2093-2107

pr@hu-berlin.de

Ihre Ansprechpartner

Humboldt-Universität zu Berlin

Das Jahrhundert der Rassentrennung

Du Bois-Biograf hält Lecture

Der Historiker und Du Bois-Biograf David Levering Lewis erhielt für jeden seiner zwei Biografie-Bände den Pulitzer-Preis: „W.E.B. Du Bois: Biography of a Race (1869–1919)“ und „W.E.B. DuBois: The Fight for Equality and the American Century (1920–1963)“ beschreiben anhand des Lebens und der Auseinandersetzungen, die Du Bois führte, ein ganzes Jahrhundert, dessen Problem in seinen eigenen Worten das der „color line“ war.

W.E.B. Du Bois’ Leben und Werk war den zentralen Fragen der Konstitution (inter) kultureller Identität und dem internationalen Spannungsfeld von Wissenschaft, Gesellschaft und Politik gewidmet. Dabei erprobte er, wie Lewis schreibt, alle Möglichkeiten im Kampf gegen den Rassismus: Forschung, Propaganda, Integration, kulturellen und ökonomischen Separatismus, Politik, internationalen Kommunismus, Auswanderung und Dritte-Welt-Solidarität.

Du Bois studierte als Doktorand an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin (der heutigen Humboldt-Universität) bei Gustav von Schmöller, Adolf Wagner, Heinrich von Treitschke und Max Weber. Er war der erste afroamerikanische Promovend der Harvard University im Jahr 1895. Sein berühmtestes Buch aus dem Jahr 1903, „The Souls of Black Folk“, das eine Verbindung aus politischen Essays, Kulturkritik, autobiografischen Skizzen und Fiktion ist, erschien auch in deutscher Übersetzung unter dem Titel „Die Seelen der Schwarzen“. Hier entwickelte er den Begriff des „double consciousness“, das das Leben der Afroamerikaner charakterisiert, und prägte den Satz „Das Problem des 20. Jahrhunderts ist das Problem der Rassentrennung (color line)“. Er ist der Gründer der ältesten amerikanischen Bürgerrechtsbewegung NAACP und Organisator vieler panafrikanischer Kongresse, war Professor für Wirtschaft und Geschichte an der Atlanta University, Autor zahlreicher historischer und analytischer Arbeiten über die soziale, ökonomische, politische und kulturelle Lage der schwarzen US-Amerikaner. Er schrieb Romane und Autobiografien und gab die einflussreichen Zeitschriften „The Crisis“ und „Phylon“ heraus. Du Bois emigrierte 1961 nach Ghana, wo er die „Encyclopedia Africana“ herausgab. Wie David Levering Lewis bemerkt, erkannte Du Bois zuletzt, „dass das Grundproblem des 20. und unseres 21. Jahrhunderts nicht ‚Rasse’, sondern ungeregeltes Kapital ist, ’die Tatsache, dass viele zivilisierte Menschen willens sind, in Komfort zu leben, selbst wenn der Preis dafür die Armut, Unbildung und Krankheit ihrer Mitmenschen sind; dass Menschen, um dieses Privileg zu behalten, Kriege führen...’“.

Du Bois‘ Verhältnis zu Deutschland war eng und komplex. In Anerkennung für seine internationale Forschung und Politik verlieh ihm die Humboldt-Universität zu Berlin 1958 die Ehrendoktorwürde in Ökonomie, „ ... im Senatsaal zu den Klängen von Bach“. Zufrieden beobachtete Du Bois, der sich für die Gleichberechtigung von Frauen eingesetzt hatte, dort die weiblichen Studentinnen, die, wie er sagte 1892 noch keinen Zutritt gehabt hatten.

Der Referent David Levering Lewis ist zurzeit Professor of History an der New York University. Im Frühjahr 2008 ist er als Ellen Maria Gorrissen Fellow an der American Academy in Berlin zu Gast.

Dorothea Löbbermann

David Levering Lewis spricht am 15. April 2008 im Rahmen der Distinguished W.E.B. Du Bois Lectures des Instituts für Anglistik und Amerikanistik zum Thema „W.E.B. Du Bois in Germany and Germany in W.E.B. Du Bois“. Der Vortrag findet um 18.30 Uhr im Senatssaal statt.