Patenschaftsaktion Mein Museum für Naturkunde
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Tagesspiegel-Sonderseiten : Humboldt-Uni
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10. April 2004
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Vom Gorilla und seiner Villa
Wie das Museum für Naturkunde aus der Not eine Tugend macht und
dabei immer mehr Freunde gewinnt
Von Anke Michaelis
Die meisten Berliner kennen das Museum
für Naturkunde. Selbst wer noch nicht da war, weiß, dass es dort
einen riesigen Dinosaurier gibt. Wer kommt, ist beeindruckt von den
ausgestellten Schätzen der Natur, von der Saurierhalle, den Mineralen
oder den Dioramen oder von dem vielgeliebten Gorilla Bobby; einst im
Berliner Zoo, heute als Dermoplastik in einer großen Vitrine
ausgestellt. Das Museum für Naturkunde hat das Glück, dass viele
seiner Besucher ein regelrecht emotionales Verhältnis zu den großen
und kleinen dort gezeigten Schätzen aufbauen - und immer wieder
kommen. Nicht alle wissen jedoch, dass der allergrößte Teil der
Schätze hinter den Kulissen lagert und der Öffentlichkeit
normalerweise gar nicht zugänglich.
Dort, in den riesigen Forschungssammlungen erfüllt sich der ganze Auftrag des Museums, der weit über das Ausstellen von Exponaten und die öffentliche Bildung hinausgeht. Dort wird die Geschichte des Lebens und der Erde bewahrt, archiviert und erforscht - 25 Millionen Objekte lagern in langen Regalreihen, großen Archivschränken und Kellern, vom kleinsten Käfer bis zum größten Saurierknochen.
Seit Februar 2004 gibt es nun für Jeden die Möglichkeit, eine Patenschaft für sein ganz persönliches Lieblingsobjekt in diesem unerschöpflichen Fundus zu übernehmen - und dabei gleichzeitig beim Erhalt dieses besonderen Schatzes zu helfen!
Die Sammlungen bilden von Beginn an die Grundlage für die wissenschaftliche Arbeit des Museums. Über 100 Forscher, Präparatoren und Sammlungsmitarbeiter arbeiten unermüdlich an der Erfassung und Bearbeitung der Objekte. In den drei wissenschaftlichen Instituten des Museums - für Mineralogie, für Paläontologie und für Systematische Zoologie wird auf Basis der Bestände aktuelle Forschung zum Entwicklung der Erde und der Evolution des Lebens getrieben. Nicht zuletzt liegt hier eine nie versiegende Quelle für internationale naturwissenschaftliche Forscher, die sich einzelne Objekte zu Vergleichszwecken zusenden lassen oder nach Berlin kommen, um für einige Zeit ihre Studien vor Ort in den Sammlungen voran zu treiben.
Nicht wenige der Sammlungsstücke haben nicht nur naturwissenschaftliche sondern längst auch historische Bedeutung. Stammen sie doch noch aus der Gründungszeit des Museums oder sind noch um einiges älter. Der unermessliche Wert dieser Sammlungen wird auf den ersten Blick klar. Wem dieser Blick vergönnt ist, der erkennt jedoch auch sofort, woran es am meisten mangelt. So historisch die hier bewahrten Schätze, so historisch sind leider größtenteils auch deren Unterbringungsmöglichkeiten. Der anhaltende Finanzmangel der öffentlichen Kassen lässt kaum Spielraum für eine angemessene Erhaltung der Schätze: Es fehlt an Klimatisierungsmöglichkeiten, Lichtschutzvorrichtungen und modernen Archivsystemen. Zahlreiche Einzelstücke, die es längst verdient hätten, warten auf ihre Restaurierung.
Das Museum für Naturkunde - also ein armes Haus? Nein. Es ist nicht nur unschätzbar reich an Sammlungsschätzen, es ist vor allem reich an Freunden. Schon über 1000 von Ihnen sind inzwischen zu Paten geworden. Die enge Verbindung vieler Berliner zu dem Museum führt zu einer enormen Hilfsbereitschaft. Aus diesem ermutigenden Umstand entstand im vergangenen Jahr die Vision, mit der Patenschaftsaktion die Sammlungen und ihre Freunde noch enger zusammen zu bringen. Die Idee war so überzeugend, dass gleich 13 Sponsoren ihre Bereitschaft zeigten, sich in diesem Projekt zu engagieren.
Prominente Botschafter wie der Sänger Max Raabe, die Tagesthemen-Moderatorin Anne Will und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, der auch die Schirmherrschaft übernommen hat, haben es vorgemacht. Mit ihren Lieblingsobjekten stehen sie auf unzähligen Plakaten für die Aktion "Mein Museum für Naturkunde - Pate werden. Jetzt!". Sie helfen so, die Bürgerinnen und Bürger zu animieren, selbst Pate zu werden. Gorilla Bobby hat mit seiner Vitrine schon eine schöne "Villa im Museum für Naturkunde" gefunden, wie Max Raabe in Anlehnung an seinen Evergreen "Mein Gorilla hat `ne Villa im Zoo" auf den Plakaten zu erkennen gibt.
Für viele andere Objekte kann nun dank der Paten bald auch eine angenehmere "Wohnsituation" geschaffen werden: Schon für 20 Euro können beispielsweise Insektenfreunde mit der Übernahme einer Insektenkastenpatenschaft dazu beitragen, neue Insektenkästen anzuschaffen, die eine gesicherte Unterbringung ermöglichen. Mit einer Patenschaft für einen Dinosaurierknochen aus dem legendären Tendaguru-Ausgrabung, aus der auch der Brachiosaurus brancai in der Eingangshalle stammt, tragen sie zur Errichtung einer speziellen "Compactus"-Anlage bei, die endlich die sachgemäße Unterbringung unzähliger urzeitlicher Knochen ermöglicht. Paten in der Mineralogie helfen bei der Finanzierung einer besonderen Vitrine, in der bislang aufgrund der hohen Sicherheitsanforderungen ungezeigte Schätze der Mineraliensammlung bald in der öffentlichen Ausstellung gezeigt werden können. Schließlich haben Freunde historischer Bücher und Landkarten die Möglichkeit, mit ihrer Patenschaft die Restaurierung besonders bedürftiger Exemplare zu unterstützen.
Der Erfolg dieser auch für das Museum ungewöhnlichen Aktion ist bereits nach den ersten Wochen überwältigend! Der erste neu gefundene Pate war die Wall AG, die mit der Übernahme einer Patenschaft für das einzigartige Fossil des Urvogels Archaeopteryx lithographica einen fulminanten Startschuss gab. Ihr folgten bereits in den ersten vier Wochen über 900 Paten, die gemeinsam eine Summe von insgesamt knapp 160.000 Euro eingespielt haben. Die Patenschaften können vor Ort, per Telefon oder vor allem per Internet unter www.mein-museum.de abgeschlossen werden. Jede Patenschaft wird mit einer persönlichen Urkunde belohnt. Gleichzeitig wird die Patenschaft in der Sammlung an den einzelnen Patenobjekten kenntlich gemacht. Wer möchte, kann seine Patenschaft auch auf der Homepage anzeigen lassen. Und wie alle guten "Patentanten" und "Patenonkel" dürfen die Paten zwei mal im Jahr zu eigens organisierten Patenschaftstagen ihre "Patenkinder" auch hinter den Kulissen besuchen und sich dabei vom sinnvollen Einsatz ihrer Mittel überzeugen.
Die zuständige Vizepräsidentin der Humboldt-Universität, deren Initiative die Patenschaftsaktion zu verdanken ist, freut sich über den Erfolg: "Es ist schön, zu sehen, wie gerne die Bürgerinnen und Bürger das Museum unterstützen. Mit ihren Patenschaften signalisieren sie uns ihr Interesse am dauerhaften Erhalt des Hauses. Für uns sind die Patenschaften zugleich Verpflichtung, mit dem wertvollen Erbe verantwortungsvoll umzugehen", so Anne-Barbara Ischinger.
Bleibt zu hoffen, dass noch viele sich dem Beispiel der ersten Paten
anschließen. Gorilla Bobby freut sich jedenfalls schon heute über
viele alte und neue Freunde, die - erfreulicher Nebeneffekt der Aktion
- seit ein paar Wochen wieder deutlich häufiger bei ihm vorbei
schauen.
Abb: Der Aye-Aye, ein auf Madagaskar lebendes Tier, sieht aus wie ein Nager, ist aber ein Verwandter des Menschen. Foto: Museum für Naturkunde
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Vom Archaeopteryx bis zur Zikade - machen Sie eines von 25 Millionen
einzigartigen Sammlungsstücken zu Ihrem persönlichen Patenkind und
helfen Sie mit, der Geschichte der Evolution in Berlin eine Zukunft zu
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10. April 2004
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