Interview mit Hans Wall
|
Tagesspiegel-Sonderseiten : Humboldt-Uni
|
|||
|
10. April 2004
|
|||
"Der Archaeopteryx ist die Mona Lisa des Naturkundemuseums"
Der Dienstleistungsunternehmer Hans Wall wurde Pate eines Urvogel-Abdrucks - eines Berliner Prachtexemplars
Herr Wall, Sie haben sich als erster entschlossen, im Rahmen der Aktion "Mein Museum für Naturkunde" eine Patenschaft zu übernehmen. Mit einem Betrag von 80 000 Euro unterstützen Sie das einmalige Fossil des Archaeopteryx lithographica. Warum übernehmen Sie die Patenschaft?
Das Naturkundemuseum verbirgt wahre Schätze - hinter den Kulissen. Einige davon können bislang aus Kostengründen nicht der Öffentlichkeit gezeigt werden - wie der Archaeopteryx. Denn die Ausstellung der wertvollen Stücke bedarf immer hoher Sicherheitsstandards, die eben auch kostenintensiv sind. Das ist schade und muss unbedingt geändert werden.
Als Pate haben Sie der Aktion "Mein Museum für Naturkunde" damit einen fulminanten Auftakt beschert. Wo sehen Sie die Schwerpunkte dieser Aktion?
Mit der aktuellen Image- und Patenschaftskampagne möchte das Museum für Naturkunde Berliner und Berlin-Besucher für seine Schätze und seine bedeutenden Sammlungen begeistern. Nicht nur ich bin begeistert von den uralten Zeugen aus der Zeit der Dinosaurier, den unzähligen Tierpräparaten und der umfangreichen Mineralien- und Meteoritensammlung. Das Patenschaftsprojekt für die einzigartigen Exponate soll gewährleisten, dass die notwendigen Vitrinen angeschafft werden können und die Sammlungssituation insgesamt verbessert wird.
Herr Wall, auch als Sponsor haben Sie - gemeinsam mit anderen Unternehmen - die Patenschaftsaktion im Museum tatkräftig unterstützt.
Ja, es versteht sich von selbst, dass ein Berliner Unternehmer hier unterstützend tätig ist. Wir haben bei uns die besten Werbestandorte, um auf das Anliegen des Museums aufmerksam zu machen. Darum habe ich mich entschlossen, mit Freiflächen im Wert von rund 120 000 Euro die Kampagne zu unterstützen.
Und warum hat es Ihnen gerade der Archaeopteryx
angetan?
Der Archaeopteryx ist einer der wertvollsten Fossilienfunde der Welt. Er ist die Mona Lisa des Naturkundemuseums, und er ist vergleichbar mit den Kronjuwelen der Queen. Jedes Kind kennt aus den Schulbüchern oder dem Biologieunterricht den renommierten Urvogel. Und das Berliner Exemplar lässt die Herzen der Paläontologen aus der ganzen Welt höher schlagen. Die Patenschaft für den Archaeopteryx zu übernehmen, ist eine Ehre. Bislang wurde nur eine Kopie gezeigt. Und so freue ich mich, mit meiner Patenschaft die erforderliche Sicherheitsvitrine für dieses unschätzbare Fossil zu finanzieren, das zurzeit im Tresor der paläontologischen Sammlung verschlossen gehalten werden muss.
Mit der Patenschaft gehen Sie eine dauerhafte und enge Verbindung mit dem Museum ein. Viele Berliner haben eine sehr persönliche Bindung an das Haus, weil sie es schon aus Ihrer Kindheit kennen.
Auch für mich ist das Naturkundemuseum ein ganz besonderer Ort, den ich mit meinen Kindern gerne besuche. Es ist für Groß und Klein ein unvergessliches Erlebnis. Was kann es Schöneres geben, als an einem Sonntagnachmittag durch die Sammlung zu spazieren und über das Leben auf unserem Planeten zu staunen.
Ausgehend von Ihrem ganz konkreten Engagement im Museum für Naturkunde: Wo sehen Sie die zukünftigen Aufgaben der privaten Wirtschaft bei der Förderung von Forschungsvorhaben?
In Amerika hat Sponsoring und Mäzenatentum einen anderen Stellenwert in Politik und Medien. Es ist selbstverständlich, Unterstützungsleistungen zu honorieren und Sponsoren öffentlich zu nennen.
Hat Deutschland in diesem Bereich noch Nachholbedarf?
Ja. Wenn es von Seiten der Medien weniger Misstrauen gegenüber unternehmerischem Sponsoring gäbe, wäre die Bereitschaft sich zu engagieren mit Sicherheit größer. Wer unterstützt, muss auch genannt werden.
Was erwarten Sie von den Vertretern aus der Politik?
Die Wirtschaft kann natürlich im Rahmen ihrer Möglichkeiten helfen. Aber sie braucht auch von staatlicher, von bürokratischer Seite die Rahmenbedingungen, um sich entfalten zu können. Nur von einer gut gehenden Wirtschaft lässt sich auch gesellschaftliches Engagement erwarten. Das heißt, dass eine wirtschaftsfreundliche Gesellschaft, in der der Unternehmer als Kunde und nicht als lästiger Bittsteller betrachtet wird, auch am ehesten mit Sponsorenleistungen rechnen kann.
Das Gespräch führte Anke Michaelis.
HANS WALL (62) gründete sein Dienstleistungsunternehmen 1974 in Ettlingen und zog 1984 nach Berlin. Wall beschäftigt 541 fest angestellte Mitarbeiter in sechs Ländern. Foto: promo
|
Tagesspiegel-Sonderseiten : Humboldt-Uni
|
|||
|
10. April 2004
|
|||
© Humboldt-Universität | Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | 22.4.2004 hz