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Humboldt-Universität zu Berlin

Die Karriere beschleunigen

Konferenzen und Kooperationen: Für Doktoranden ist ein Auslandsaufenthalt ein Muss, wollen sie es in der Wissenschaft zu etwas bringen

Neun Monate Seattle – an seinen Auslandsaufenthalt als Student denkt David Rose gern zurück. Heute ist der 32-Jährige Doktorand an der Humboldt-Universität. In die Vereinigten Staaten wollte er unbedingt noch ein weiteres Mal. Von März bis Mai forschte Rose an der Brown University in Providence, der Hauptstadt des Bundesstaats Rhode Island. Damit folgt er einem aktuellen Trend: Eine Studie des Fraunhofer Instituts zur Internationalisierung der Forschungs- und Wissenschaftslandschaft von 2007 zeigt, dass 57 Prozent der deutschen Forscher die Vereinigten Staaten als Zielland anpeilen. Weniger als ein Viertel geht für einen Austausch in ein westeuropäisches Land.

4000 Nachwuchswissenschaftler promovieren derzeit an der HU – individuell oder in einem der 40 Promotionsprogramme. „Internationalisierung und Auslandsaufenthalte während der Promotionsphase werden in strukturierten Programmen gezielt gefördert“, sagt Stefanie Röder, Koordinatorin der Geschäftsstelle der Humboldt Graduate School (HGS), der Dachorganisation von zwölf strukturierten Programmen. Schließlich sei es für die jungen Forscher wichtig, ein internationales Netzwerk aufzubauen.

Rose ging über ein spezielles Austauschprogramm der HU für Doktoranden an die Brown University. Das Bewerbungsverfahren dafür war unkompliziert: „Es war überhaupt nicht schwierig, den Platz zu bekommen“, sagt Rose, der das Angebot der HU deshalb weiterempfehlen würde. Mit 60 Universitäten hat die Abteilung Internationales derzeit Kooperationen. Zwar gibt es weniger organisierte Austauschangebote als für Studierende. Doch an vielen Hochschulen können die Doktoranden dennoch vor Ort forschen, sie nehmen dann nur nicht an Lehrveranstaltungen der Partneruni teil.

Oft suchen sich Doktoranden ohnehin selbst eine Partneruniversität oder ein Institut für einen Forschungsaufenthalt. „Die Doktoranden nutzen dafür die Netzwerke des Professors“, sagt Beraterin Uta Hoffmann. Doktoranden sollten darauf achten, dass sie im Ausland tatsächlich neue Arbeitstechniken lernen oder eine tolle Bibliothek für ihr Fach vorfinden. Mindestens ein Vierteljahr sollte der Forschungsaufenthalt dauern und unbedingt vorher in den Arbeitsplan integriert sein, rät Hoffmann.

Zusätzlich fahren viele Doktoranden zu internationalen Konferenzen. Den Promovierenden des Graduiertenkollegs 1504, die zur Teilchenphysik forschen, stehen für solche Fahrten insgesamt 1000 Euro zur Verfügung. „Wir fördern das im Besonderen“, erklärt Koordinator Martin zur Nedden. Sein Kolleg hat besonders gute Kontakte zum Genfer Institut Cern, wo sich der weltgrößte Teilchenbeschleuniger befindet. Zwölf der 40 Doktoranden aus der experimentellen Physik assistieren bis zu sechs Monate bei den Schweizer Forschern.

Martina Sick, Koordinatorin des Centers für Infektionsbiologie, rät ihren Doktoranden ein bis drei Monate ins Ausland zu gehen. Von 20 Doktoranden der zweiten Generation an ihrem Kolleg waren sechs im Ausland – in Frankreich, Kanada, aber hauptsächlich in den USA. „Danach sollten sie als Postdoc für zwei bis drei Jahre in internationalen Laboren forschen“, sagt die Biologin.

Das Knüpfen von Netzwerken hält auch Joachim Gassen von der Humboldt Graduate School of Business für das Wichtigste. In dem 2009 gegründeten Kolleg promovieren acht Doktoranden. „Für sie bietet sich ein Auslandsaufenthalt an, um Forschungskooperationen zu schließen“, sagt der BWL-Professor. Von den BWL-Doktoranden, die individuell promovieren, forscht die Hälfte für drei bis sechs Monate in den USA. „China ist aber auch im Kommen“, sagt Gassen. „Wenn man eine wissenschaftliche Karriere anstrebt, ist es sinnvoll, in jedem Karriereschritt einmal woanders zu forschen“, sagt Beraterin Uta Hoffmann und betont: „Ins Ausland muss man allerspätestens in der Postdoc-Phase.“

Gina Apitz