Direkt zum InhaltDirekt zur SucheDirekt zur Navigation
▼ Zielgruppen ▼

Professional School of Education (PSE)

Bericht über die Auftaktkonferenz vom 27.01.2017

 

Am 27. Januar fand die Auftaktkonferenz des Projekts FDQI-HU statt, das angehende Lehrkräfte an der Humboldt-Universität zu Berlin für die zeitgenössischen Herausforderungen des alltäglichen inklusiven Schulunterrichts durch die Verbindung von Inklusionsforschung und fachdidaktischer Expertise zu qualifizieren sucht. Unter der Leitung der Professional School of Education wird FDQI-HU vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ gefördert.

Ziel der Auftaktkonferenz war es, im Rahmen des Themenschwerpunkts „Inklusion“ sowohl erste Einblicke in das Projekt zu gewähren als auch ausgewählte Inhalte aus fünf Fachdidaktiken in Workshops zu vertiefen und zu diskutieren. Gemeinsam mit Lehrkräften, Wissenschaftler*innen verschiedener Universitäten, (schul-)politischen Akteur*innen und Studierenden sowie dem Beirat des Projekts wurden bildungstheoretische und -praktische Ansätze für den inklusiven Unterricht in den Fächern Englisch, Arbeitslehre, Latein, Geschichte und Informatik aufgezeigt und reflektiert.

Auf die freundlichen Grußworte der Vizepräsidentin für Lehre und Studium, Prof. Dr. Eva Inés Obergfell, folgte die Vorstellung zentraler Inhalte von FDQI-HU durch Prof. Dr. Vera Moser und Prof. Dr. Detlef Pech. Die wissenschaftlichen Leiter*innen präsentierten Ziele, Strukturen und Prozesse des Projektes, in welchem unter Berücksichtigung des Design-Based-Research-Ansatzes sowohl ein theoretisches (fach-)didaktisches Modell für den Schulunterricht als auch darauf bezugnehmende hochschuldidaktische Lehrveran-staltungen konzipiert werden. In diesen durch die Zusammenarbeit von Fachdidaktiken, Rehabilitationsforschung und Sprachbildung entwickelten Lehrveranstaltungen sollen – dem Stand der Inklusionsforschung entsprechend – adaptive Lehrkompetenzen und Selbstwirksamkeitsüberzeugungen seitens der Studierenden ausgebildet werden. Um die Wirksamkeit dieses Ansatzes zu messen, konzipiert FDQI-HU ein anspruchsvolles Evaluationsdesign, das die Ausbildung und Förderung der adaptiver Lehrkompetenzen und Selbstwirksamkeitsüberzeugungen in Bezug auf den Unterricht in inklusiven Lerngruppen untersucht.
Prof. Dr. Ulf Preuss-Lausitz hielt daraufhin den Hauptvortrag der Auftaktveranstaltung mit dem Titel „Inklusive Unterrichts- und Schulentwicklung. Fragen nach 40 Jahren gemeinsamen Lernens an Fachdidaktik und Fachstudium“. In seiner Keynote beschrieb der Berliner Integrations- und Inklusionsforscher, welche Folgen die Inklusionsentwicklung für die Fachdidaktiken hat, was sich daraus für begriffliche Herausforderungen ergeben und welche Konsequenzen sich folglich für die Bildungswissenschaften abzeichnen. Die im Titel angekündigten Fragen bezogen sich etwa auf die alltäglichen Handlungspraxen in inklusiven Lehr-Lern-Settings, auf die curriculare Verankerung inklusionsspezifischer Inhalte, auf Möglichkeiten der Leistungsbewertung, die Notwendigkeit der multipro-fessionellen Zusammenarbeit sowie auf die – widersprüchlich anmutende – Fokussierung von inklusivem und gleichzeitig kompetenzorientiertem Unterricht.

Prof. Preuss-Lausitz stellte darüber hinaus Qualitätskriterien inklusiven Unterrichts – z.B. die Teamarbeit der Pädagog*innen, das Lernen mit allen Sinnen, das Peer-Peer-Lernen mit wechselnden Sozialformen oder förderliches Feedback – vor und appellierte schließlich an „die Stiftung eines respektvollen Umgangs mit den verschiedensten Beeinträchtigungen und mit den Talenten als unabdingbarer Grundlage eines Unterrichts in und für Demokratie.“
Nach der sich anschließenden Diskussion und der darauffolgenden Kaffeepause, die von den Beteiligten zum regen Austausch genutzt wurde, kamen die etwa 120 Teil-nehmer*innen in vier separaten Workshops zusammen, um die von FDQI-HU anvisierten Ziele und Inhalte fachlich zu vertiefen und zu diskutieren. Die einzelnen Workshops wurden von wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Projekts angeleitet.
So erprobte Janna Buck (Fachdidaktik Englisch) dramapädagogische Methoden für einen differenzsensiblen Englischunterricht auf Basis inklusionsorientierter Konzepte und diskutierte mit angehenden und praktizierenden Lehrkräften sowie Bildungswissenschaftler*innen die Einsatzmöglichkeiten dieser Ansätze im Englischunterricht.

Laura Capellmann (Fachdidaktik Arbeitslehre) und Dietlind Gloystein (Rehabilitationswissenschaft) förderten in ihrem Workshop ein intersektionales Verständnis von Inklusion mit Fokus auf Heterogenität und Ungleichheit in Bildungsübergängen. In freier Gruppen-arbeit diskutierten die Teilnehmenden Widrigkeiten der schulischen Berufsorientierung am Übergang und reflektierten notwendige Kompetenzen angehender Lehrkräfte zur individuellen Förderung und Unterstützung.
Im Rahmen eines fächerübergreifenden Workshops (Geschichte und Informatik) stellten Prof. Dr. Pinkwart und Prof. Dr. Sandkühler die Hintergründe digitalen Lernens anhand der Bezugsgrößen Adaptivität und Inklusion vor. Zudem präsentierte Yasmin Patzer (Fachdidaktik Informatik) die in der Humboldt-Universität zu Berlin entwickelte digitale Lernplattform LAYA, deren Benutzeroberfläche zahlreiche Differenzierungsmöglichkeiten – etwa Direktübersetzungen, Untertitel, Komplexitätsreduktion – zulässt, und deren Einsatz-möglichkeiten für den Fachunterricht anschließend von Fabian Eckert (Fachdidaktik Geschichte) am Beispiel des Geschichtsunterrichts dargelegt wurden. Die Gestaltungs- und Nutzungsmöglichkeiten eines solchen E-Learning-Systems wurden schließlich in Form eines Worldcafés eruiert.
Ann-Catherine Liebsch (Fachdidaktik Latein) verwies in ihrem Workshop darauf, dass sich auch das Fach Latein den Herausforderungen einer inklusiven Schule stellen muss. Zusammen mit Studieren-den, Lehrkräften und Bildungswissenschaftler*innen trat sie in einen Erfahrungsaustausch, um die die Potenziale und Grenzen eines inklusiven altsprachlichen Unterrichts zu diskutieren.
Wir danken allen Beteiligten für die anregenden Beiträge, Wortmeldungen und Impulse und freuen uns auf die nächste Veranstaltung im Rahmen des Projekts FDQI-HU.
 
Folgen Sie diesem Link zur Slideshow