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Ein wiederentdeckter Königsschatz

Das Aletsch-Modell war einst die Hauptattraktion der Berliner Kunstkammer
ALTERNATIVTEXT

Modell des Aletschgletschers                       
Foto: Oscar Wüest

In der Geomorphologisch-Geologischen Sammlung der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) befindet sich ein Landschaftsmodell der Schweizer Alpen. Was lange Zeit nicht bekannt war: Es handelt sich dabei um ein historisches Anschauungsobjekt aus der Berliner Kunstkammer, die ihren Sitz im Berliner Schloss hatte. Das haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen der HU zusammen mit Oscar Wüest, dem Kurator des Bergsturz-Museums im Schweizerischen Goldau, festgestellt.

Das topographische Relief zeigt das obere Rhonetal mit dem Aletschgletscher (gelegen im Schweizer Kanton Wallis). Es misst circa 140 mal 100 Zentimeter, besteht in großen Teilen aus Gips und Holz und ist in einem restaurierungsbedürftigen Zustand. Es wurde bereits 2011 am Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik der Humboldt-Universität in eine Projekt-Datenbank aufgenommen. Zu diesem Zeitpunkt konnten jedoch weder die Provenienz noch der Herstellungskontext des Landschaftsmodells geklärt werden. Auf diesen Datenbankeintrag stieß die Kunsthistorikerin Eva Dolezel bei der Arbeit an ihrer Dissertation. Die Informationen aus den archivalischen Quellen legten nahe, dass es sich bei dem Modell in der Sammlung der HU um ein Objekt aus der Berliner Kunstkammer handelt.

„Versinnlichung“ von Wissen

1805 wurde das erste raumfüllende topographische Relief gekauft, es zählte zu den Hauptattraktionen der Sammlung an der Wende zum 19. Jahrhundert. Das Relief war eine Arbeit des Schweizer Topografen und Reliefbauers Joachim Eugen Müller (1752–1833) und eine Pionierarbeit der exakten Topografie der Alpen. Zusätzlich zu seiner wissenschaftlichen Bedeutung schien es zudem genau jenes Bedürfnis nach einer „Versinnlichung“ von Wissen zu treffen, das im 18. Jahrhundert Konjunktur hatte. Auch in den folgenden Jahren hielt in Berlin die Reliefbegeisterung an. Aus der Schweiz bestellte man verschiedene Erweiterungsmodule, um einen noch größeren Teil der Alpen abbilden zu können. Bei dem erhaltenen Modell handelt es sich um eine der Ergänzungstafeln, die 1820 für die Kunstkammer angeschafft wurden.

Die Berliner Kunstkammer wurde im 16. Jahrhundert gegründet und befand sich von Beginn an im Berliner Schloss. Sie war ein typischer Vertreter jener in der frühen Neuzeit an vielen Fürstenhöfen, aber auch in Gelehrtenhaushalten oder Wissenschaftsinstitutionen zu findenden Universalsammlungen. Bis zu ihrer sukzessiven Auflösung im 19. Jahrhundert wurden hier Objekte der Natur, Kunst und Wissenschaft gesammelt. Heute befinden sich die noch erhaltenen Objekte dieser Sammlung in einer Vielzahl der Berliner Museen.

Den Beginn dieses Prozesses markiert die Gründung der Berliner Universität (der heutigen HU) im Jahr 1810. Sie erhielt die naturwissenschaftlichen Sammlungen der Kunstkammer. Das wiederentdeckte Relief des Aletschgletschers ist vermutlich erst sehr viel später in die Sammlungen der Universität gelangt. Wie, wann und auf welchen Wegen es von der Kunstkammer hierher kam, ist jedoch noch nicht geklärt.

Weitere Informationen

Universitätssammlungen in Deutschland

Eva Dolezel: „Der Traum vom Museum. Die Berliner Kunstkammer unter Jean Henry (1794–1805) und das Akademiemuseum des 18. Jahrhunderts“, erscheint Herbst 2018 im Gebr. Mann Verlag

Kontakt 

Prof. Christoph Schneider
Geographisches Institut
Humboldt-Universität zu Berlin

Tel.: 030 2093- 9411
Email: christoph.schneider@geo.hu-berlin.de