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Weiße Sklavinnen

HU-Ethnologin zum Mädchenhandel um 1900

Die Verführung oder gewaltsame Entführung von jungen Frauen zum Zweck
der Prostitution wurde um 1900 zu einem der populärsten Themen der
Massenkultur. In ihrem Buch folgt Esther Sabelus der Figur der weißen
Sklavin und den Erzählungen über den internationalen Mädchenhandel
durch Spielfilme, Romane, Groschenheftchen und Zeitungsartikel. Die
Absolventin der Europäischen Ethnologie an der Humboldt-Universität
geht der Frage nach, welcher soziale Hintergrund die Popularität dieses
Phänomens begründete, das sich in Polizeiakten ebenso dokumentiert
findet wie in der Reformliteratur der Frauenbewegung.<br />
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In ihrer kulturgeschichtlichen Analyse zeigt die Autorin in
eindrucksvoller Weise, wie die Verbindung von Sexualität und Großstadt
zu einem kulturellen Topos wurde, der über die tatsächlichen Verbrechen
hinausweist. In der Erzählung über die Gefahr, als unschuldiges Mädchen
vom Lande in der Großstadt entführt zu werden, stecken Themen und
Ängste dieser Zeit: das Unbehagen an den Veränderungen des modernen
Lebens, die Erfahrung der Anonymität in einer sich globalisierenden
Millionenstadt sowie die berufliche und sexuelle Emanzipation der
Frau.<br />
<br />
In der Figur der weißen Sklavin verdichten sich die Gegensätze von
Hell und Dunkel, Frau und Mann, Eigenem und Fremdem, Land und Stadt,
Selbstbestimmtheit und Zwang. Der Autorin gelingt es, diese Dimensionen
anhand zahlreicher Quellen detailreich zu erhellen und zu einem
anschaulichen Gesamtbild zusammenzuführen. HU<br />
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Esther Sabelus: Die weiße Sklavin, Berlin: Panama Verlag 2008, ISBN
978-3-938714-05-8, 19,90 Euro, lieferbar ab Mitte Dezember 2008.