7. transphilologische Jahrestagung Femmes de Lettres der FONTE-Stiftung – Erkenntnisräume. Narrative weiblicher Selbstbestimmung in Gesprächsinszenierungen europäischer Autorinnen der Frühen Neuzeit

At a glance

Project duration
10/2026  – 10/2026
DFG classification of subject areas

Literary Studies

General and Comparative Literary Studies; Cultural Studies

Funded by

FONTE Stiftung zur Förderung des geisteswissenschaftlichen Nachwuchses

Project description

Ausgehend von Moderata Fontes "Il Merito delle Donne" (1600), einem literarischen Werk der italienischen Spätrenaissance, widmet sich die Tagung den Texten europäischer Autorinnen der Frühen Neuzeit, die Gespräche über Geschlechterrollen auf erfahrungsgeleiteten sowie wissenschaftlichen Reflexionsebenen inszenieren.
Eine Durchsicht der thematisch relevanten Handbücher und der einschlägigen Forschungsliteratur zeigt, dass die transphilologische Forschung zum Dialog von Frauen der Frühen Neuzeit weiterhin ein Desiderat darstellt. Hier setzt die geplante Tagung an; sie erweitert die vorliegende Dialog-Forschung um geschlechterhistorische Aspekte aus dem Querelle des Femmes-Diskurs und der Salonkultur.
In und mit ihren Werken – so die Leitthese – schufen Autorinnen des 16.–18. Jahrhunderts Erkenntnisräume, die es in Einzelstudien zu erkunden gilt. Dabei sollen Themen und Narrative weiblicher Selbstbestimmung sowie Formen ihrer Inszenierung identifiziert und analysiert werden.
Denkbar sind einerseits themenorientierte Beiträge, die Beschreibungen und geschlechtsspezifische Deutungen von beispielsweise Begriffen wie Einsamkeit, Freiheit, Keuschheit, Naivität und dergleichen vornehmen. Welche Erkenntnisse und welches Wissen werden durch die Dialoge der Frauenfiguren vermittelt und generiert?
Andererseits soll ein Augenmerk auf die Inszenierung des Gesprächs gelegt werden, die als äußeres Gerüst die Räume von Erkenntnis definiert – von stilistischen Merkmalen über die Einbettung in bestimmte Rahmen und Settings bis hin zu dargestellten geselligen Praktiken weiblicher Gesprächskultur(en).
Entlang beider Schwerpunkte können weiterführende, disziplinübergreifende Fragen gestellt werden, die ebenfalls Eingang in die Tagungsbeiträge finden sollen: Inwieweit sind die gewählten Themen und Formen an Geschlechtlichkeit und zeitgenössische Geschlechterdiskurse geknüpft? Wie sind sie historisch, kultur-, literatur- und kunstwissenschaftlich einzuordnen? Gibt es gattungs- und/oder disziplinübergreifend vergleichbare Phänomene zu beobachten, z. B. auf der Bühne oder in der bildenden Kunst?

Angedacht sind fünf Hauptvorträge (à 30 min, je 20 min Diskussion), die sich mit Moderata Fontes Werk und den oben skizzierten Fragestellungen auseinandersetzen. Zusätzlich sollen kleinere Beiträge (à 15 min) reale oder fiktive Erkenntnis-Räume des lehrreichen Gesprächs unter Frauen vorstellen, wie beispielsweise den Brunnen, den Garten, den bureau d’esprit oder den Salon.
Eine Veröffentlichung der Tagungsbeiträge in der Reihe FONTE Atelier. Forschungen zu europäischen Autorinnen der Frühmoderne ist geplant.
Die Tagung wird eingebettet in eine vorausgehende Abendveranstaltung (Vorträge und Lesung) im Tieranatomischen Theater (Campus Nord der HU) sowie eine abschließende gemeinsame Museums-Exkursion zum Thema, die Objekte und Perspektiven aus der bildenden Kunst der Frühen Neuzeit erschließen soll.