Ressourceneffiziente Lebensmittelproduktion: Von der Mensa über die Larve in die Tomate

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Forschung
Das HU-Projekt CUBES Circle erforscht, wie Lebensmittel im Kreislauf produziert werden können. Neuerdings werden die Insektenlarven zu Beginn des Kreislaufs mit Speiseresten einer Mensa gefüttert, die das HU-Klimaschutzmanagement organisiert hat.

„Wollen Sie ein paar Larven auf die Hand haben?“ Danke, diesmal nicht. Wer den CUBES Circle der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) in Dahlem besucht, lernt Kreislaufwirtschaft zum Anfassen kennen und macht einen Sprung in die Landwirtschaft der Zukunft. Denn hier erforschen Wissenschaftler*innen wie Lebensmittel ressourceneffizient in Kreisläufen produziert werden können, überall auf der Welt oder sogar darüber hinaus. Simon Schulz ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt. Sein Arbeitsplatz ist in dem stickigen und faulig riechenden ersten Stock des rechteckigen Glaskastens im Garten des Thaer-Instituts. Dort, wo die Insekten wohnen. Das sind vor allem die Larven der Schwarzen Soldatenfliege, in jeder Kiste etwa 12.000 Stück. „Ideale Allesfresser“, findet der wissenschaftliche Mitarbeiter, „unfassbar robust. Was auch im Bioabfall liegt, sie fressen es.“ Die Kisten geben ihm Recht. Die Bioabfälle aus der nahegelegenen FU-Mensa bewegen sich in den Kisten, als lägen sie auf einem Wasserbett. Denn die Larven fressen sich ohne Pause bis zu zehn Tage mehrere Wochen durch zehn Kilogramm Speisereste. Dann werden die Fliegenlarven getötet, das Fett entfernt und zu Mehlbrocken verarbeitet. Simon Schulz erzählt das routiniert, er ist den Prozess gewohnt. Anfassen ist sowieso kein Problem. „Im Prinzip könnten wir das Larvenmehl sogar selber essen oder an andere Tiere verfüttern. Aber das ist bisher in der EU noch nicht eindeutig geregelt.“ In der EU ist die Soldatenfliege zwar als Futtermittel zugelassen, allerdings nur, wenn nachgewiesen und geprüft ist, mit was sie genau gefüttert wurde. Das ist bei Gastroabfällen nicht im Detail prüfbar. 

Simon Schulz nimmt mit einer Kelle einen neuen Schwung suppigen Bioabfalls und kippt ihn auf die Larven in der Kiste. Wohl bekomm’s. Bis vor kurzem fehlte den Larven noch genug Suppe. Die Wissenschaftler*innen baten daher das HU-Klimaschutzmanagement um Unterstützung. Mit dessen Hilfe kam eine Kooperation mit dem Studierendenwerk zustande. Aus der nahe gelegenen Mensa der Freien Universität holt Simon Schulz nun alle zwei Wochen 50-100 Kilogramm Bioabfall für seine Soldatenfliegen-Larven. 

Geschlossener Nahrungskreislauf als Baustein für die Zukunft

Die Larven bleiben im Kreislauf des CUBES Circle, der aus mehreren Teilkreisläufen besteht: Ihr Substrat können die Tomatenpflanzen unter dem Gebäudedach als Dünger bekommen. Das Insektenmehl bekommen die Fische, die im Nebenraum in grünen Wassertonnen im Kreis schwimmen. Frisches Wasser für die Fische ist auch kein Problem, es kommt von der Respiration der Tomatenpflanzen. Die Tomatenblätter wiederum bekommen Heuschrecken zu fressen, die in kleinen, quadratischen Netzkäfigen sitzen. Am Ende steht ein nahezu geschlossener Kreislauf, der frische Tomaten erzeugt und Fische und 
Insektenfutter hergeben kann. 

Anwendungsmöglichkeiten für den CUBES Circle  gibt es unzählige. In Zeiten von Nahrungsknappheit, Bevölkerungswachstum und Klimawandel sind effiziente und vor allem geschlossene und skalierbare Kreisläufe ein Baustein für die Zukunft. Sie könnten in zu eng besiedelten Städten stehen, auf Bergen, sogar in der Wüste. Dr. Wael Yakti, Biotechnologe an der Humboldt-Universität zu Berlin, leitet den InsectCUBE. Für ihn ist der Planet Erde keine Grenze für das Projekt:  „Die Preise für den Transport ins Weltall fallen immer weiter. Wenn Menschen den Mars besiedeln wollen, brauchen sie geschlossene Nahrungskreisläufe in Bausteinform. Genau unser Angebot.“ Die quirligen Larven könnten sich also in einigen Jahren sogar auf fremden Planeten unseres Sonnensystems wiederfinden. 

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