Arbeitsmarktreformen und die makroökonomische Angebotsseite in kurzer und langer Frist

Auf einen Blick

Laufzeit
11/2014  – 10/2017
Förderung durch

DFG Eigene Stelle (Sachbeihilfe) DFG Eigene Stelle (Sachbeihilfe)

Projektbeschreibung

Dieses Projekt untersucht die Auswirkungen der Arbeitsmarktreformen auf die kurz- und mittelfristige Dynamik der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Es verknüpft mikroökonomische Gesichtspunkte der Arbeitsmärkte mit Suchfriktionen (Reibungsverluste aufgrund unvollständiger Informationen am Arbeitsmarkt) sowie anderen Verzerrungen mit Methoden der dynamischen makroökonomischen Modellierung. Der Ausgangspunkt des Projekts ist die Einbettung natürlicher und regulatorisch verursachter Friktionen auf den Arbeitsmärkten, was qualitativ und quantitativ zu deutlichen Auswirkungen auf Dynamik und Steady-State in Gleichgewichtsmodellen führen kann. Neben Reibungsverlusten durch Suchfriktionen werden Nash-Tarifverhandlungen bei Lohnfindung, Arbeitslosengeld und Bezuschussung für Nicht-Teilnehmer am Erwerbsleben, zeit- und konjunkturabhängigen Sozialabgaben sowie Suchkosten berücksichtigt. Zentral für den Effekt im Modell ist die Einhaltung einer ausgeglichenen Haushaltsregel für die Finanzierung der Sozialversicherung, die oft 15% oder mehr des BIP in einer Volkswirtschaft darstellt. Im Laufe des Konjunkturzyklus führt diese Eigenschaft zu antizyklischen Sozialabgabesätzen und damit zu einer erheblichen, zeitabhängigen Verzerrung in der Wirtschaft. Die Plausibilität der Einbettung eines derart artikulierten Arbeitsmarkts in ein kalibriertes DSGE-Modell wird mit Hilfe bayesianischer Schätzmethoden überprüft. Ein erstes Ziel dieses Projekts ist es, die Beziehung zwischen Arbeitsmarktinstitutionen, Arbeitsmarktreformen und langfristiger Beschäftigung sowie Arbeitslosigkeit und Sozialabgaben quantitativ zu untersuchen. Deutschland bewegte sich von einem Gleichgewicht mit sehr niedriger Arbeitslosigkeit im Zeitraum 1960-1975 zu einem anderen mit hoher Arbeitslosigkeit und niedriger Beschäftigung, mit einem Höhepunkt in der Zeit nach der Wiedervereinigung (1990-2003). Die Ergebnisse werden nicht nur dazu beitragen, das "deutsche Arbeitsmarktwunder" zu erklären, sondern können auch nützliche Auskünfte zur Entwicklung von Strategien liefern, um den südeuropäischen Ländern aus ihrer Wirtschaftskrise zu helfen. Schließlich wird das Projekt Produktmarktrigiditäten und Produktmarktregulierung einführen, um deren Einfluss auf die makroökonomischen Auswirkungen von Arbeitsmarktreformen zu beurteilen.