Automatisiertes akustisches Monitoring einer Röhricht-Vogelgesellschaft am Parsteiner See, Nord-Ost-Brandenburg

Auf einen Blick

Laufzeit
04/2006  – 12/2006

Projektbeschreibung

<p>Im Frühjahr 2006 wurden am Parsteiner See (Nordostbrandenburg) Vorstudien für ein auf akustischer Mustererkennung basierendes Vogelmonitoring durchgeführt. Das Ziel besteht darin, auf der Grundlage der Aufzeichnung der Geräuschkulisse zuverlässige Aussagen über das Vorkommen bestimmter Vogelarten zu gewinnen und damit unterstützend für kontinuierliche Monitoringprojekte wirksam zu werden. Von April bis Juni 2006 wurden am Parsteiner See Mehrkanalaufzeichnungen mit einer Gesamtdauer von nahezu 200 Stunden von verschiedenen Aufzeichnungsorten aus erstellt. Die Erfassungen waren auf nachtaktive Vogelarten (Dommeln, Rallen) fokussiert. Die Studie hat gezeigt, dass bereits zum gegenwärtigen Zeitpunkt bioakustische Methoden effektiv für Bestandserfassungen eingesetzt werden können. Die wesentlichsten Ergebnisse der Untersuchungen sind:<br>
(1) Die Empfindlichkeit der Methodik ist mindestens so gut wie das menschliche Ohr. Durch die Möglichkeit einer wiederholten Kontrolle zurückliegender Ereignisse können auch unsichere Nachweise geklärt werden.<br>
(2) Für die Erfassung von Vögeln an Gewässern ist der optimale Aufzeichnungsort ein Punkt auf der Wasserfläche (z.B. Aufzeichnung von verankertem Boot, Plattform). Dadurch werden optimale Bedingungen für die Schallausbreitung genutzt und störende Nebengeräusche hinter das Zielobjekt verlagert.<br>
(3) Wir empfehlen den Einsatz von Vierkanalaufzeichnungen mit vier Mikrofonen mit Nierencharakteristik, um auch Aussagen über die Anzahl der rufenden Individuen machen zu können.<br>
(4) Für die Zwergdommel wurde gezeigt, dass die Reichweite des Rufes deutlich größer ist als bisher angenommen.<br>
(5) Für die Rohrdommel wurde ein Mustererkennungsalgorithmus entwickelt, der es erlaubt auch sehr leise Rufe und Rufe vor lautem Hintergrund sicher zu erkennen.<br>
(6) Für die Erfassung von Vögeln in der Verlandungszone schlagen wir eine Methode der GPS-gestützten akustischen Registration vor.<br>
(7) Für eine effektive Nutzung der Information der Aufzeichnung wird auch mittel- bis langfristig eine offline-Analyse der Geräuschkulisse unerlässlich sein.</p>
<p>Mit der Entwicklung weiterer Mustererkennungsalgorithmen eröffnet sich die Möglichkeit, in absehbarer Zeit bioakustische Methoden effektiv zur Bestandskontrolle von Vögeln aber auch anderer lautaktiver Tiere einzusetzen.</p>

Projektleitung

  • Person

    Dr. Karl-Heinz Frommolt

    • Sinnesbiologie