Beethovens späte Streichquartette (1824–25): Skizzenforschung zum Berliner Nachlass

Auf einen Blick

Laufzeit
02/2024  – 01/2026
DFG-Fachsystematik

Musikwissenschaften

Förderung durch

Alexander von Humboldt-Stiftung: Forschungskostenzuschuss

Projektbeschreibung

Das Projekt zielt darauf ab, Ludwig van Beethovens letzte Schaffensperiode durch eine genetische Studie der drei Streichquartette op. 127, 130 und 132, denen er sich 1824–25 vollständig widmete, zu erkunden. Es geht um außerordentliche Werke, die lange Zeit als unverständlich galten, als 'Fehler' eines nun völlig tauben und entfremdeten Komponisten, die aber die Kultur des 20.
Jahrhunderts (von Eliot bis Adorno und Thomas Mann) faszinierten. Wenngleich eine umfangreiche Literatur darüber existiert, fehlt es bisher noch an Skizzenforschungen, welche die Rätsel dieser einzigartigen Kreationen entschlüsseln. Deshalb werde ich meine Untersuchung auf den reichen Bestand an Beethoven-Handschriften in der Musikabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin konzentrieren, wo sie dank der Vermittlung durch Alexander von Humboldt 1846 erworben wurden.
Das Vorhandensein verschiedener Arten von Materialien (mindestens acht Taschen- und Tischskizzenbücher, lose Blätter usw.) ermöglicht es, die Entstehungsgeschichte des Quartett-Zyklus in seiner Gesamtheit zu verfolgen, von den ersten Entwürfen bis zur Vorbereitung der Partituren.
Sobald ich die Chronologie des Schaffensprozesses und die Verbindungen der Berliner Autographen mit anderen zeitgenössischen Quellen rekonstruiert habe, werde ich den musikalischen Inhalt der Skizzen analysieren, um über die Veränderungen in der Schreibpraxis und die Probleme der Kompositionstechnik nachzudenken (insbesondere das Experimentieren mit der Sonatenform, die Konzeption des Themas und der Variationen sowie die Strategien der motivischen Geschlossenheit).
Diese Skizzenforschung, die auf der Grundlage moderner digitaler Transkriptionsprogramme durchgeführt werden soll und die 'Dynamik' des Textes samt seiner Schichtungen verdeutlicht, bietet somit die Gelegenheit, die noch offenen Fragen über die Kunst des späten Beethoven aus einer neuen Perspektive zu betrachten.