Berufliche Ausbildungsstrukturen und ihre historisch-sozialen Voraussetzungen zu Anfang des 20. Jahrhunderts in Argentinien
Auf einen Blick
Projektbeschreibung
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Argentinien im Zusammenhang mit dem politischen Aufbau des Landes und im Rahmen enormer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Transformationen rückte die Berufsbildung als Problem ins öffentliche Blickfeld. Verschiedene gesellschaftliche Akteure wiesen auf den Mangel an berufsorientierten Einrichtungen hin und widmeten sich dem Entwurf entsprechender Strukturen. Welche Form nahmen die verschiedenen Entwürfe an? Wie ist man auf genau diese Formen gekommen und nicht auf andere? In Anlehnung an Studien über Frankreich und Deutschland ist die Annahme, dass unterschiedliche Entwicklungen in Berufsbildung nicht einfach den wirtschaftlichen oder technologischen Bedürfnissen einer Gesellschaft entsprechen, sondern gesellschaftsweit geltende Deutungsmuster um Berufe, welche auf kontextgebundenen soziohistorischen Prozessen und semantischer Traditionen beruhen, dabei auch eine wichtige Rolle spielen. Dieses Projekt basiert auf dieser These und untersucht die historischen und semantischen Voraussetzungen für den Aufbau und die Gestaltung der ersten modernen Institutionen beruflicher Ausbildung Argentiniens zwischen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Wichtige Fragen dabei sind wie die Situation um Arbeit, Beruf und (Berufs)Bildung gedeutet wurde und über welche Lösungsdenkmöglichkeiten die Beteiligten verfügten, sowie wie dieser Deutungsvorrat Problemwahrnehmung und Lösungsressourcen historisch bedingt wurde. Konkret bedeutet dies erstens die Entwicklung der Arbeitswelt und der damit verbundenen Semantik von der Kolonialzeit bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts zu rekonstruieren (anhand von Forschungsliteratur); zweitens die bedeutendsten Akteure und Initiativen sowie ihre Problemdefinitionen und Lösungsvorschläge zu ermitteln; und drittens die Prägung der soziohistorischen Entwicklungen bei dieser Problemwahrnehmung und den denkmöglichen Lösungen zu untersuchen (über Veröffentlichungen der beteiligten Akteure wie Zeitschriftenartikel, offizielle Berichte und institutionelle Memoires).
Projektleitung
- Person
Prof. i. R. Dr. Jürgen Schriewer
- Vergleichende und Internationale Erziehungswissenschaft