Der frühe Berufsbildungsdiskurs in China

Auf einen Blick

Laufzeit
04/2001  – 03/2006

Projektbeschreibung

Das Projekt nähert sich aus historischer Perspektive den semantischen Ressourcen, mit deren Hilfe in China in den 1920er und 1930er Jahren die Grundlagen für eine Verständigung über Beruf und Berufsbildung gelegt worden sind. Es wird davon ausgegangen, dass innerhalb sich modernisierender Gesellschaften die zunehmend professionalisierte berufliche Organisation von Arbeit auf bestimmte Konzepte von Arbeit und Beruf zurückgreift, die sich, obwohl sie auf ganz spezifische Modernisierungsbedürfnisse reagieren, gleichwohl aus kulturell verankerten, auf gesellschaftlichen Kollektiverfahrungen beruhenden Deutungstraditionen oder -mustern speisen. Bezugshorizonte chinesischer Deutungsmuster waren dabei einerseits die eigene Tradition, andererseits das als 'modern' empfundene, oftmals aber ungeliebte Ausland Japan und der 'Westen'. Es wird untersucht, wie sich im Laufe des chinesischen Modernisierungsdiskurses berufliche Deutungsmuster auf der Basis von teilweise noch traditionellen, teilweise schon industrialisierten Arbeitswelten (um-)formiert haben. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht dabei der Diskurs der chinesischen Modernisierungselite - eines Konglomerats aus u.a. konfuzianisch geprägten Gelehrten, modernen Wissenschaftlern mit Auslandserfahrung, Unternehmern, Politikern und Politikberatern. Konkret soll anhand von Zeitschriftenartikeln und der Veröffentlichungen der 1917 gegründeten Chinesischen Gesellschaft für Berufsbildung herausgeschält werden, welche Schlüsselprobleme für das eigene Land identifiziert wurden; welche spezifischen Reibungspunkte zwischen traditionellen und modernen Auffassungen artikuliert wurden; welche nicht-chinesischen Konzepte und Modelle selektiert und ausprobiert wurden; und welche dieser Konzepte schließlich als erfolgreich oder gescheitert beurteilt wurden.

Projektleitung

  • Person

    Prof. i. R. Dr. Jürgen Schriewer

    • Vergleichende Erziehungswissenschaft I