Der lange Notstand: Der postkoloniale Staat, die Arbeiterschaft und der Eisenbahnstreik von 1974.
Auf einen Blick
Wirtschafts- und Sozialgeschichte
Geschichtswissenschaften
Horizon Europe: Postdoctoral Fellowship EU (PF-EU)
Projektbeschreibung
Der Eisenbahnstreik von 1974, der letzte Generalstreik bei den indischen Eisenbahnen, betraf mehr als zwei Millionen Beschäftigte und brachte die nationale Wirtschaft zum Stillstand. Der Streik wurde sofort zu einem sichtbaren und kraftvollen Symbol für Indien in der Krise. Im Juni 1975 rief Premierministerin Indira Gandhi von der Kongresspartei den Ausnahmezustand aus und markierte damit einen Wendepunkt in der postkolonialer Geschichte Indiens. Dennoch wurden die beiden Ereignisse nicht in einen historischen Rahmen gestellt. Die historischen Prozesse, die zu einem tiefgreifenden Bruch in der indischen Politik führten - von der Demokratie zum Autoritarismus - sind weitgehend unerforscht. Anhand einer "langen" Geschichte des Ausnahmezustands mit Schwerpunkt auf der Eisenbahnarbeit wird dieses MSCA-Projekt eine der zahlreichen Krisen des postkolonialen Staates, für die der Ausnahmezustand symptomatisch war, aufzeigen - die der Nationenbildung in Bezug auf die Arbeitsfrage. Auf diese Weise wird der Platz der Arbeit in der postkolonialen Politik geklärt, gleichzeitig wird der Charakter des entwicklungspolitischen Staates in Indien als historische Formation beleuchtet. Im weiteren Sinne beinhaltet es eine vergleichende Perspektive und beleuchtet so die Dynamik der Ausweitung des Geltungsbereichs postkolonialer Staaten in Richtung Labour Welfarismus sowie den Rückgriff auf offenen Autoritarismus. Das Projekt steht an der Schnittstelle zwischen - Modern South Asian History, Global Labour History und der Geschichte von Krise und Diktatur in der Dritten Welt.
Projektleitung
- Person
Prof. Dr. phil. Andreas Eckert
- Institut für Asien- und Afrikawissenschaften
- Geschichte Afrikas