Der Lebenszyklus von Extravaganz und Konventionalisierung. Pleonastische evaluative Konstruktionen über Sprachen und Zeiten hinweg
Auf einen Blick
Sprachwissenschaften
DFG Sachbeihilfe Internationale Kooperation
![]()
Projektbeschreibung
Sprache steht in einem empfindlichen Gleichgewicht zwischen kommunikativen Funktionen, wie Klarheit und Effizienz, und sozialen Funktionen, wie dem Ausdruck von Gefühlen, Identität oder Gruppenzugehörigkeit. Um aufzufallen, verwenden Sprecher:innen häufig spielerische oder hyperbolische Ausdrücke, die mitunter an die Grenzen der Grammatikalitätsakzeptanz stoßen. Diese kommunikative Strategie, als Extravaganz bezeichnet, ist ein möglicher Auslöser für Variation und Wandel. Interessanterweise folgen extravagante Ausdrücke einem eigenen Lebenszyklus: Sind sie in der Wahrnehmung anfangs noch an der Grenze zum Inakzeptablen, kann ihre Ausdruckskraft im Laufe der Zeit abnehmen, bis sie konventionalisiert sind und somit das Bedürfnis nach neuen extravaganten Ausdrücken entsteht. Dieser Kreislauf von Extravaganz und Konventionalisierung steht im Fokus des Forschungsvorhabens. Wir konzentrieren uns auf Konstruktionen mit mehrfachem Ausdruck evaluativer Bedeutung, die wir pleonastische evaluative Konstruktionen nennen: ein Beispiel hierfür sind pleonastische Superlative im (informellen) Englischen, wie "the most kindest person". Obwohl solche Ausdrücke weit verbreitet sind, stellt eine systematische Untersuchung bislang ein Forschungsdesiderat dar. Um Gebrauch, Akzeptanz und Wandel in den germanischen und romanischen Sprachen zu verstehen, wird im Projekt untersucht, (i) welche pleonastischen evaluativen Konstruktionen im authentischen Sprachgebrauch vorkommen und inwieweit sie durch typologische Faktoren eingeschränkt werden, (ii) wie sich pleonastische Konstruktionen im Laufe der Zeit entwickeln. Unter Verwendung eines konstruktionistischen Ansatzes und von Daten aus synchronen und diachronen Korpora sowie einer experimentellen Studie bietet das Projekt eine ganzheitliche, umfassende Auseinandersetzung mit dem empfindlichen Gleichgewicht zwischen Extravaganz und Konventionalisierung.
Beteiligte Einrichtungen
Nordeuropa-Institut
Anschrift
Universitätsgebäude am Hegelplatz, Dorotheenstraße 24, 10117 Berlin