Der Leser als Zuschauer. Zum Verhältnis von Narration und (bewegter) Imagination in der mittelalterlichen Literatur
Auf einen Blick
DFG sonstige Programme
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Projektbeschreibung
Mittelalterliche Historiographie verlangt den Augenzeugen (Isidor von Sevilla: audire et videre), der Augenzeuge gilt auch für die frühe volkssprachliche Literatur als Garant einer tatsächlichen oder fingierten historischen Erzählung (Trojaromane, Nibelungenlied). Daraus ergibt sich die Frage nach dem Leser als Augenzeugen zweiter Ordnung, dem etwas gezeigt, vor Augen gestellt werden soll. Szenen und Gebärden, die Einsichtnahme in geschlossene Räume, wechselnde Blickpunkte, Schnitte von der Weite zur Nähe, Fenster, Assistenzfiguren erleichtern und lenken die Imagination. Es geht darum, die Konstruktion der literarischen Schauräume nach ihrer Regelhaftigkeit zu erkennen und den Leser/Hörer als virtuellen Zuschauer zu verstehen. Mit dieser Aufgabenstellung wird ein Beitrag zur Poetologie und zu den Wahrnehmungsdispositionen vor dem Zeitalter der Zentralperspektive angestrebt, der literarhistorische, kunsthistorische und mediengeschichtliche Fragestellungen aufnimmt.
Projektleitung
- Person
Prof. Dr. phil. Horst Wenzel
- Institut für deutsche Literatur
- Ältere deutsche Literatur / Literatur des hohen Mittelalters