Die albanisch-mazedonische Staatsgrenze und ihr sprachlicher Einfluss auf die Region von Dibra/Debar

Auf einen Blick

Laufzeit
10/2014  – 05/2018
Förderung durch

DFG Eigene Stelle (Sachbeihilfe) DFG Eigene Stelle (Sachbeihilfe)

Projektbeschreibung

Die rezente Forschung zu den sprachlichen Konsequenzen politischer und staatlicher Grenzziehungen hat die südöstliche Peripherie Europas bisher weitgehend ausgespart, obwohl hier infolge der durch den Zerfall Jugoslawiens ausgelösten Nations- und Staatenbildungen sowie ethnischen Grenzziehungen Rekonvergenzprozesse in Laborqualität ablaufen. Den politisch brisantesten Fall stellt die „albanische Frage“ dar, die zu weiteren Grenzverschiebungen in Südosteuropa führen könnte: Im Fokus stehen daher die sprachlichen Langzeitfolgen des jugoslawischen Experiments für die albanischsprachige Bevölkerung, von der 1912 ca. 40% außerhalb des neugegründeten albanischen Staates blieb und die unter unterschiedlichen Vorzeichen (serbische Monarchie, monarchistisches Zwischenkriegsjugoslawien, Tito-Jugoslawien) im makedonischen und kosovarischen Raum südslawisch überdacht und assimiliert wurde. Aufbauend auf den soliden dialektologischen Vorarbeiten von Jusufi 2011 systematisiert das Projekt zunächst die sprachliche Divergenz und Noninterkomprehensibilität entlang der albanisch-makedonischen Staatsgrenze am Beispiel der Debar-Region auf den Ebenen Phonetik/Phonologie, Grammatik und Lexik, um dann mit Hilfe von Perzeptionsstudien und Attitüdenforschung das Potenzial der albanischen Plurizentrik und den Ausbau einer gegischen (tendenziell archaischeren und slawisch-kontaktinduzierten) Standardnorm auszuloten. Dieser Aspekt wird im albanisch-kosovarischen Feuilleton ausführlich debattiert, während die albanische Sprachwissenschaft dieses Tabu noch nicht abgeschüttelt hat. Die Mikrostudie zur sprachlichen Divergenz und vertikalen Advergenz seit den 1980er Jahren in der Dibra/Debar-Region hat hohen repräsentativen Wert für die Kontingenz balkanischer Staatsgrenzen. Gerade durch die Wahl eines wenig politischen, eher peripheren Raums der albanischen ethnischen Kohäsion gewinnt die Studie hohen indikativen Wert für die Rolle von Sprache im „Wiedervereinigungs“-Prozess der albanischen, kosovarischen und mazedonischen Albanischsprecher.