Die Bewegung der Blockfreien Staaten und die Dekolonialisierung des Museumsfeldes: Antikoloniale Museen in Jugoslawien (1961–1989)
Auf einen Blick
Wissenschaftsgeschichte
DFG Eigene Stelle (Sachbeihilfe)
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Projektbeschreibung
Das neu erwachte akademische Interesse am Erbe der Bewegung der Blockfreien Staaten geht einher mit einer Wiederbelebung der öffentlichen und wissenschaftlichen Diskussionen über die Dekolonialisierung des Museumsfeldes. Dieses Projekt vereint beide Themenbereiche und zeigt auf, inwiefern die Kulturdiplomatie der Blockfreien während des Kalten Krieges die Dekolonialisierung von Museumstheorie und -praxis beförderte, wobei der Schwerpunkt auf Jugoslawiens dekolonialem Engagement auf dem Gebiet der Museumsvermittlung liegt. Verdeutlicht werden soll dies anhand der Reden von Staatsoberhäuptern auf den Gipfeltreffen der Blockfreien Staaten, anhand des Wirkens der Museologinnen und Museologen in der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) und dem Internationalen Museumsrat (ICOM) sowie anhand der kuratorischen Strategien bei der Gründung des Museums für Afrikanische Kunst (MAK), Belgrad, und der Kunstgalerie der Blockfreien-Bewegung (KBB), Titograd. Entlang folgender Fragestellungen ist das Projekt gegliedert: 1) Welchen Einfluss hatte der kontinuierliche Einsatz der Blockfreien für die Dekolonialisierung des kulturellen Erbes auf die internationalen museologischen Kreise innerhalb von UNESCO und ICOM? 2) Auf welchen kuratorischen Prinzipien beruhten die antikolonialen Methodologien der Sammlung und Vermittlung von Kunst aus Afrika (Fallstudie 1, MAK) und der Ausstellung und Vermittlung von Kunst aus den Blockfreien Staaten (Fallstudie 2, KBB)? Als interpretativer Rahmen dient hierbei die Kulturtransfertheorie, mithilfe derer die kuratorischen Taktiken bei der Translokation, Bedeutungskonstitution und Resignifikation der Kunstobjekte aus den jeweiligen Blockfreien Staaten infolge der Gründung der beiden Fallstudienmuseen herausgearbeitet werden sollen. Das Hauptziel ist dabei die Identifikation der methodologischen Herausforderungen bei der Übersetzung der Dekolonialisierungsforderungen der Blockfreien in konkrete Museumspraxis. Das Projekt stellt die erste interdisziplinäre Forschungsarbeit zur museologischen Dimension des dekolonialen Engagements der Blockfreien während des Kalten Krieges dar. Es vereint drei Themenbereiche von aktueller Relevanz: 1) die gegenwärtig in Europa geführten Debatten über Restitutions- und Repatriierungspraktiken, 2) die weltweite Entwicklung von dekolonialen Strategien des Kuratierens und 3) die Neubewertung des kulturellen Erbes der Blockfreien.
Themen
Beteiligte Einrichtungen
Institut für Geschichtswissenschaften
Anschrift
Instituts- und Verwaltungsgebäude, Friedrichstraße 191-193, 10117 Berlin