Die diplomatische persona im politische Ritual: Westeuropäische Gesandtschaftsberichte aus dem Osmanischen Reich (16.-18. Jahrhundert)

Auf einen Blick

Laufzeit
06/2011  – 03/2015
Förderung durch

DFG Sachbeihilfe DFG Sachbeihilfe

Projektbeschreibung

Das Projekt geht davon aus, dass die ritualisierte Praxis diplomatischer Kommunikation in der frühen Neuzeit unter den Bedingungen wechselseitiger, kultureller Distanzerfahrung in besonderer Weise dazu beigetragen hat, Prozesse der Selbstbeobachtung zu intensivieren und zu dynamisieren. Es will vor diesem Hintergrund westeuropäische Gesandtschafts- und Reiseberichte aus dem Osmanischen Reich als Selbstzeugnisse in den Blick nehmen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, inwieweit die Spannung zwischen Fremdbeschreibung und Selbstthematisierung in politischen Ritualen die Modellierung handlungsleitender Konzepte von Person beeinflusst hat und inwieweit das in die einschlägigen zeremonialwissenschaftlichen und politiktheoretischen Diskurse eingegangen ist. Das Projekt soll zudem vor Augen führen, wie sich kulturelle Fremdheit, die hier als flexibles Wahrnehmungs- und Deutungsmuster verstanden wird, in ganz konkreten, gewissermaßen handgreiflichen Situationen ritualisierter Begegnung aufspüren lässt. Es darf deshalb auch als Plädoyer für eine wissenstheoretisch ausgerichtete Diplomatiegeschichte in transkultureller Absicht gelten. Das Projekt soll neben Berichten habsburgischer Gesandter und Gesandtschaftsangehöriger, die zwischen 1550 und 1850 das Osmanische Reich bereisten, exemplarisch auch einschlägige englische, französische, niederländische und venezianische Quellen berücksichtigen - steht doch außer Frage, dass die Prozesse beschleunigter diplomatischer Professionalisierung, die mit der sogen. "Entzauberung Asiens" (Jürgen Osterhammel) einhergingen, nur komparatistisch und in der longue durée zu erfassen sind. Denn auch darum geht es in diesem Projekt: Wer nach dem hochkomplexen Zusammenhang von Differenzerfahrung und Selbstthematisierung in politischen Annäherungs-, Begegnungs- und Verhandlungsritualen fragte, fragt immer auch nach den mentalen Bedingungen diplomatischer Eliten in Westeuropa - und damit nach den Voraussetzungen und Veränderungen "west-östlicher" Wahrnehmungs- und Deutungsmuster.

Projektleitung

  • Person

    Prof. Dr. Peter Burschel

    • Institut für Geschichtswissenschaften
    • Europäische Geschichte der Frühen Neuzeit