Die Entwicklung adliger Eigentumskonzepte in Russland im 18. und 19. Jahrhundert
Auf einen Blick
DFG Eigene Stelle (Sachbeihilfe)
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Projektbeschreibung
<p>Obwohl "Eigentum" zu den klassischen Themen der Geschichtswissenschaft zählt, befindet sich eine kulturhistorische Analyse verschiedener Eigentumsvorstellungen noch in den Anfängen. Gerade in Bezug auf Russland ist eine solche jedoch von besonderer Bedeutung, bildet doch hier die Applikation eines westlich-liberalen Eigentumsbegriffes und die fast zwangsläufig folgende Feststellung eines Mangels an Privateigentum eine zentrale Interpretationsachse historischer Forschung.</p>
<p>Das Projekt will hier neue Wege gehen und russische Eigentumskonzepte untersuchen, wie sie sich im 18. und 19. Jahrhundert entfaltet haben, um so letztlich auch neue Perspektiven auf die Erforschung von Rechts- und Wirtschaftskultur zu ermöglichen.</p>
<p>Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie die Elite - der Adel vor allem, aber auch die so genannten "raznochintsy" - mit dem neuen, aus dem Westen eingeführten Begriff und Konzept des Eigentums ("sobstvennost´") umging. Während der Begriff sich in einigen Diskursen durchsetzte (Rechtswissenschaften, politische Debatten), zeigen Äußerungen der Elite in anderen Zusammenhängen deutliche Skepsis. Das Projekt untersucht verschiedene Entwürfe zu Besitz, Vermögen und Eigentum und zeichnet Entwicklungen nach, welche die relativ gut erforschten Rechtskulturen des späten 19. Jahrhunderts vorbereiteten. Während im 17. und frühen 18. Jahrhundert Besitz in erster Linie mit Kommunikation und Markt in Verbindung gebracht wurde, entwickelte sich im späten 18. Jahrhundert ein sehr westlich bestimmter, abstrakter Begriff von "Eigentum". Im 19. Jahrhundert dann fächern sich die Vorstellungen auf und weisen so verschiedene Tendenzen auf wie Politisierung, Individualisierung, Nationalisierung und Maskulinisierung von Besitz.
Methodisch werden Ansätze der Begriffsgeschichte und der Diskursanalyse verknüpft und in einen sozial- und rechtshistorischen Rahmen gestellt. Dabei wird "Eigentum" als ein Konzept begriffen, mit dem soziale Beziehungen definiert, kulturelle Werte bestimmt und Selbst- und Fremdbilder "erzählt" werden und dem somit für das Selbstverständnis des Adels in der Zeit zwischen Aufhebung der Dienstpflicht und Bauernbefreiung eine potentiell - und, wie die Quellen zeigen, auch real - zentrale Rolle zukommt.</p>
Projektleitung
- Person
Dr. Martina Winkler
- Institut für Geschichtswissenschaften
- Geschichte Osteuropas