Die Psychologisierung des "Primitiven": Franz Boas' Anthropologie im transatlantischen Wissenstransfer, 1910-1935

Auf einen Blick

Laufzeit
01/2011  – 12/2011
Förderung durch

DFG Sachbeihilfe DFG Sachbeihilfe

Projektbeschreibung

Gegenstand des Projekts ist die Transformation des Wissens vom Menschen in der US-amerikanischen cultural anthropology zwischen 1910 und 1935. Den Hintergrund bildete die zeitgenössische Debatte über die Frage, ob der Mensch durch ererbte Rasse eigenschaften oder seine natürliche und kulturelle Umwelt geprägt werde. Die Anthropologen um den aus Deutschland stammenden Franz Boas verorteten sich in dieser Diskussion auf Seiten der Kultur, die sie als historisch gewachsene und wandelbare Determinante verstanden. Das Projekt soll zeigen, dass im Untersuchungszeitraum eine Psychologisierung primitiver Individuen und Kollektive stattfand, die neue Deutungsspielräume eröffnete. Es wird angenommen, dass sich die Boasianer dabei vielfältig auf deutschsprachige Wissensproduktion bezogen, obgleich ihr Antirassismus und Kulturrelativismus den dominanten Trends der deutschen Anthropologie zuwiderliefen. Das Projekt untersucht diese Verflechtung im Hinblick auf die verschiedenen psychoethnologischen Ansätze der cultural anthropology, die psychometrische Untersuchungen zu den mentalen Fähigkeiten primitiver Menschen ebenso umfassten wie die Individualpsychologie primitiver Künstler und kulturhermeneutische Deutungen im Anschluss an die Völkerpsychologie.

Projektleitung

  • Person

    Prof. Dr. phil. Wolfgang Hardtwig

    • Institut für Geschichtswissenschaften